Insider-Tipps für Reisen und Ausflüge in Niedersachsen

Frischer Wind in alten Häusern – Das Gifhorner Mühlenviertel

Autor: Jörn

Michael Gorbatschow sagte einst bei seinem Besuch im Mühlenmuseum und im Mühlenviertel in Gifhorn, dass er sich in die Zeit der Gebrüder Grimm zurückversetzt fühle. Man müsse damit rechnen, dass jeden Moment eine ihrer Märchenfiguren um die Ecke kommt.

Ich glaube nicht, dass der Friedensnobelpreisträger dieser Gedanke beim Anblick eines der Steinbacköfen im Mühlenviertel kam und er sich an Hänsel und Gretel erinnert fühlte. Vielmehr muss es das malerische und auch eben märchenhafte Ambiente des Museums und der Fachwerkhäuser rund um den Dorfplatz gewesen sein.

Um mehr über das Mühlenviertel zu erfahren, treffe ich mich mit Geschäftsführerin Christina Roth.

Mitten im Museum

Das Mühlenviertel ist der gastronomische Mittelpunkt des Internationalen Wind- und Wassermühlenmuseums und kann nur über den Museumseingang erreicht werden. Das Museum ist fast eine Insel, umringt vom Flusslauf der Ise, dem Mühlensee und dem Schlosssee. Auf über 15 Hektar Parkgelände stehen hier 14 Mühlen aus der ganzen Welt. Die Mühlen kommen unter anderem aus Frankreich, Griechenland, Russland, Portugal und sogar Korea. Alle Mühlen sind voll funktionsfähig.

Im Ausstellungsgebäude des Museums veranschaulichen Miniaturen und Modelle, wie die Riesen arbeiten. Über 50 Wind- und Wassermühlenmodelle sind naturgetreu und maßstabsgerecht nachgebaut worden.

Kilometerlang schlängeln sich die geschotterten Wege durch das Areal. Um zu Christina Roth ins Mühlenviertel zu gelangen, gehe ich rechts an der riesengroßen Sanssouci-Mühle vorbei.

Der Dorfplatz und seine Häuser

Vor mir tut sich der Dorfplatz mit drei mächtigen Fachwerkhäusern im Niedersachsenstil auf. Das Brothaus, ein dreistöckiges Ständerfachwerkhaus, ist Verkaufsraum für Brot und Kuchen, mit einem Steinbackofen in der Mitte. Das Backhaus ist ebenfalls mit einem Steinbackofen ausgestattet und bietet eine tolle Atmosphäre für Veranstaltungen und Feiern mit rund 100 Sitzplätzen. Das Hauptgebäude des Fachwerkensembles ist das Trachtenhaus, ein sogenanntes Vier-Ständerfachwerkhaus. Der Grundriss entspricht einem Mühlenflügel, über 400 Gäste finden hier Platz. Als ich das Trachtenhaus betrete, werde ich von einer Duftmischung aus Holzfeuer, frischem Kuchen und Kaffeebohnen empfangen.

Mühlenviertel statt Kaiserstuhl

Christina Roth begrüßt mich freundlich, sie hat gerade noch gebacken und steckt in ihrer Bäckerkleidung. Seit zwei Jahren ist sie Geschäftsführerin des Mühlenviertels. Bis 2014 hat das Mühlenmuseum die Gastronomie selber betrieben, dann hat man sich entschlossen, diesen Teil abzugeben. Und in bessere Hände als die von Christina Roth hätte man die Museumsgastronomie nicht geben können. Ihre Familie und sie haben viele Jahre Catering- und Großgastronomieerfahrung. Mit einer Metzgerei in Wolfsburg fing an, was mittlerweile in der Region und darüber hinaus als „Roth of Switzland“ einen großen Namen hat. Viele Jahre haben die Roths das VIP-Zelt bei Eintracht Braunschweig und den Congress Park in Wolfsburg bewirtschaftet. Heute betreibt die Familie zum Beispiel eine Eventhalle in Isenbüttel, bewirtschaftet die Stadthalle Gifhorn und hat viele Catering- und Eventaufträge.

Christina Roth hat in der Fleischerei gelernt und steht nun auch schon mal in der Backstube. Als ihr die Übernahme der Mühlenmuseumsgastronomie angeboten wurde, sah ihre Lebensplanung eigentlich etwas ganz anderes vor: sie wollte für ein Jahr am Kaiserstuhl die Welt des Weines kennenlernen. Sie erzählt mir, was sie am Wein fasziniert und gerät dabei regelrecht ins Schwärmen.

Doch sie hat es nie bereut, das Mühlenviertel übernommen zu haben. Sie mag den Kontakt zu den Gästen, die gerne beim Backen zuschauen, sie mag ihren Arbeitsplatz in diesem einzigartigen Ambiente.

Christina Roth, Geschäftsführerin des Mühlenviertels. Foto: Südheide Gifhorn GmbH

Regionales und ehrliches Bäckerhandwerk

Im Mühlenviertel werden alle Brot- und Kuchenspezialitäten aus besten regionalen Zutaten hergestellt, und das vor den Augen der Gäste. Das Brot wird aus einem reinen Natursauerteig gebacken, das Rezept wurde vom Mühlenviertel-Team entwickelt. Im Brot sind ausschließlich ehrliche Naturprodukte verarbeitet – keine Fertigmischungen. Dem Teig wird Zeit gegeben zum Gehen und es werden keine Konservierungsstoffe, Emulgatoren, Geschmacksverstärker, Prozessbeschleuniger oder ähnliche chemische Trickmittel verwendet. Es wird ausschließlich in den vier Steinbacköfen gebacken, die mit Holz befeuert werden und die Hitze gleichmäßig abgeben.

Für die Backwaren wird Mehl aus der Region genommen. Die Mühlen des Museums sind zwar alle funktionsfähig, das dort gemahlene Mehl kann aber nicht für die Brot- und Kuchenherstellung genutzt werden.

Die Klassiker des Mühlenviertels sind das Drei-Korn-Brot, das Roggenschrot-Brot, das Sonnenblumen-Brot und das Zwiebelbrot, für den Butter- und Streuselkuchen ist die Bäckerei berühmt. Es gibt immer wieder neue Kreationen, sehr lecker sind zum Beispiel das Oliven- und das Tomatenbrot.

Feiern, Gruppen und Veranstaltungen

Im Mühlenviertel kann man prima feiern. Bis zu 500 Leute finden hier Platz. Hochzeiten, Geburtstage, Jubiläen, Weihnachtsfeiern, das urige Ambiente ist etwas ganz Besonderes.

Das Mühlenmuseum wird auch von vielen Busgruppen besucht, die im Mühlenviertel gastronomisch verwöhnt werden. Natürlich gibt es dann nicht nur Kaffee und Kuchen. Buffets, Tellergerichte, Suppen, alles, was Herz und Gaumen begehren, wird dann von Roth of Switzerland geliefert.

Gedeckte Tafel im Trachtenhaus des Mühlenviertels

Gedeckte Tafel im Trachtenhaus des Mühlenviertels. Foto: Mühlenviertel GmbH

Mein Fazit

Ich bin immer gern im Mühlenviertel. Ich mag die Atmosphäre, das Holz, den Geruch und vor allem den Butterkuchen. Und wenn ich mal nicht ins Mühlenviertel komme, gibt es mittlerweile Abhilfe in Form von sechs Verkaufsstellen für Mühlenviertel-Backwaren in der Region.

Noch ein kleiner Tipp: Ab Mai findet jeden Donnerstag der Sommer-Biergarten statt. Hier gelangt man ohne Museumseintritt ab 17 Uhr direkt in das Mühlenviertel.

Ich habe den Beitrag mit einem Gorbatschow-Zitat begonnen und möchte mit dem wohl bekanntesten ihm zugeschriebenen Zitat enden: Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben. Also, auf nach Gifhorn ins Mühlenviertel!

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.