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In Hildesheim braut sich etwas zusammen

Autor: Maike

Seit 2014 liegt die 1. Hildesheimer Braumanufaktur im wahrsten Sinne des Wortes an der Quelle. Jan Pfeiffer ist einer der Gründer der Bierbrauerei und übernahm im letzten Jahr das Gelände des alten Wasserwerkes für seine Tätigkeit als Braumeister. Nach umfangreicher Renovierung und inmitten historischer Kulisse braut er mit seinem Kollegen, Malte Feldmann seit kurzem sein eigenes Bier.

1. Hildesheimer Biermanufaktur im Wasserwerk

Zu Fuß mache ich mich vom historischen Marktplatz auf den Weg zum alten Wasserwerk. Nach 15 Minuten erreiche ich die Pforte der Brauerei und betrete das Gelände. Links befindet sich eine große Wiese, rechts das rote Backsteingebäude. Auf Kopfsteinpflaster nähere ich mich dem historischen Haus. Ein Mann kommt aus dem Gebäude. „Sind Sie Herr Pfeiffer“?

Ein einzigartiges und irgendwie passendes Ambiente zum Bierbrauen

Wir betreten die heiligen Hallen der Bierproduktion. Der rustikale Charme des Innenraumes gefällt mir. Unter der dunklen Holzdecke halten Stahlträger einen rostigen Flaschenzug, ein Überbleibsel des Wasserwerkes. Schummrige Glühbirnen erhellen den Theken- und Ausschankbereich. Im weiteren Umfeld lagern die kostbaren Zutaten: Auf einer Palette liegen Jutesäcke mit Malz, in einer Kühltruhe wird die Hefe aufbewahrt. Auf einer Art Podest stehen die Kessel und Behälter zur Bierherstellung.

Das alte Wasserwerk in Hildesheim vs. die neue Braumanufaktur

Braumeister aus Leidenschaft

Jan Pfeiffer ist ein waschechter Hildesheimer. Sein Abitur machte er mit dem Schwerpunkt Ernährungslehre. „Das war schon immer eine spannendes Thema“ und so experimentierte er beispielsweise mit selbst hergestellten Obst- und Honigweinen zuhause im stillen Kämmerlein. Nach seinem Studium der Getränketechnologie in Lemgo arbeitete er zunächst im Büro eines Molkereibetriebes. Nach drei Jahren stand sein Entschluss: keine eintönige Büroarbeit mehr! Er suchte sich eine passende Immobilie in Hildesheim. Das leerstehende Gebäude des alten Wasserwerkes aus dem Jahr 1894 auf dem weitläufigen teils zugewucherten Gelände schien perfekt. Mit zwei riesigen Wasserbunkern – einer davon dient auch heute noch zur Notversorgung der Bevölkerung – und samt alter Gerätschaften übernahm Jan Pfeiffer das Gelände.

Überbleibsel vom alten Wasserwerk in Hildesheim

Hopfen und Malz, Gott erhalts! So funktioniert´s

Für die Bierherstellung – die übrigens zuhause auch durchaus funktioniert, benötigt man im Grunde nur vier Zutaten: Wasser, Malz, Hopfen und Hefe.

Malz - die Seele des Bieres

Hopfen für die Bierherstellung

Zuerst wird das Malz geschrotet und mit warmen Wasser (zwischen 50 und 80° Celsius) für ca. drei Stunden in der Meischepfanne aufbewahrt. Im Anschluss wird die Flüssigkeit in den Läuterbottich gegeben und gefiltert. Die gewonnene Flüssigkeit nennt sich „Würze“, die in die Würzpfanne gefüllt wird und mit dem Hopfen für bis zu eineinhalb Stunden aufgekocht wird. Danach wird die heiße Würze auf 10 – 20° Celsius heruntergekühlt. Die letzte Zutat, die nun noch fehlt ist die Hefe. Mit der Hefezugabe setzt die Gärung ein. Die Hauptgärung dauert rund eine Woche, die Lagerung zusätzliche vier Wochen. Die Qualitätskontrolle bzw. den Reifezustand des Bieres erkennt man an dem Kohlenstoffdioxid, was als Nebenprodukt bei der Gärung durch die Hefe freigesetzt wird.

Nach knapp einem Monat ist das Bier endlich fertig und kann in Fässer und Flaschen vor Ort abgefüllt werden.

Unterschiedliche Biere für unterschiedliche Genießer

Vorerst können vier Sorten in der Braumanufaktur probiert und erworben werden.

Moritzberger Pils: süffig und mild.
Kellerpils: bitter und hopfenaromatisch.
West Coast Pale Ale – der Exot aus Hopfen von der US Westküste: zitrisch-frisch.
Brunhilde India Brown Ale: vollmundig und malzig.

Ob noch weitere Biersorten hinzukommen bleibt offen. Der Spaß, die Neugierde und Kreativität beim Bierherstellen wird die beiden Geschäftsführer weiter fordern. Auf der großen Wiese vor dem Gebäude sollen demnächst Hopfen, Obstbäume und Früchte angebaut werden. Was die beiden wohl damit vorhaben…

Bierbrauen in Hildesheim

Neugierig geworden? Öffnungszeiten, Bierverkauf, Kostproben und Events

Seit Ende April ist die Brauerei offiziell eröffnet. Jeden Donnerstag findet in der Brauerei ein Werksverkauf ab 15 Uhr bis Sonnenuntergang statt. Neben dem Verkauf der Biere können die Sorten auch gegen Gebühr verkostet werden. Essen dürfen sich die Gäste selbst mitbringen und zum Feierabendbierchen zum herrlichen Sonnenuntergang verzehren. Preislich liegen die Biere zwischen 1,70 und 2,10 Euro.

Auf Anfrage per Mail an office@hildesheimer-braumanufaktur.de können Gruppen Biertastings mit verschiedenen (teils „externen“) Biersorten und Bierseminare buchen. Bei den Seminaren stellen die Teilnehmer eine Biersorte her und können das Bier anschließend auf dem heimischen Sofa genießen.

Biersorte_Hildesheimer Braumanufaktur

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