Insider-Tipps für Reisen und Ausflüge in Niedersachsen

Verden – ein unglaublicher Dom und leckere Torten

Autor: Brigitte

Einmal im Jahr plane ich zusammen mit einer langjährigen Freundin eine Radtour. Eben soll es sein, nicht überlaufen und per Bahn gut zu erreichen. Eher per Zufall bin ich in diesem Jahr beim Aller-Radweg gelandet, der in Verden startet.  Von Verden weiß ich eigentlich nichts. Noch nicht mal, wo genau es liegt. Die Bahn bringt mich ja hin. Von Pferden im Zusammenhang mit Verden habe ich wohl mal gehört und, dass es dort einen großen Dom geben soll. Zu Pferden habe ich ein respektvoll distanziertes Verhältnis, zu Kirchen ist es entspannter: Wenn sie offen sind schaue ich eigentlich immer rein.

Torten vom „Feinschmecker“ ausgezeichnet

Nun sitze ich im Café Erasmie, das der „Feinschmecker“ im letzten Jahr in die Liste der besten Cafés Deutschlands aufnahm. Vor mir die  Bismarcktorte, eine Empfehlung von Angelika Revermann, die hier die Tourist Information leitet: viel Schokolade, viel Sahnecreme, Mandelböden und sicher viele, viele Kalorien. Egal – als Auftakt für eine Radtour genau das  Richtige.

Die "Bismarcktorte" im Café Erasmi hat nicht lange überlebt (c) Brigitte

Die „Bismarcktorte“ im Café Erasmie hat nicht lange überlebt (c) Brigitte Neuhaus

Die grün gedeckten Tische draußen sind gut besucht, die Leute hier sind freundlich-gemächlich unterwegs und genießen ihr Leben wie es scheint. Die ehemalige Bischofsstadt Verden strahlt eine Ruhe aus, die sich schnell überträgt. Mit entsprechend verlangsamtem Schritt habe ich die Stadt in den letzten  eineinhalb Stunden durchstreift und bin lange im Dom hängengeblieben. Sein hohes grünlich schimmerndes Kupferdach dominiert die Fußgängerzone auf angenehme Weise und wirkt wie ein überdimensioniertes Zelt.

Nicht zu übersehen: Das Zeltdach des Doms über den Giebeln der Altstadt (c) Neuhaus

Nicht zu übersehen: Das Zeltdach des Doms über den Giebeln der Altstadt (c) Brigitte Neuhaus

Kuriose Geschichten aus dem Dom

Der Nordeingang neben dem romanischen Turm erscheint dagegen fast beengt und klein. Er wird für Hochzeiten geöffnet und der Raumeindruck muss gigantisch sein, wenn man in diesen riesigen, festsaalgleichen Kirchenraum tritt. Mit Kronleuchtern, leuchtend roter Decke und strahlend weißen Wänden. Exakt 66 Meter hat die Braut bis zum Altar zu durchschreiten…“absolutes Gänsehautfeeling in Kombi mit den einfallenden Sonnenstrahlen durch die hohen Fenster “ beschreibt mir diese Szenen die nette Dame vom pädagogischen Kirchendienst, und „umgekehrt“ sei ihres Wissens noch keine Braut, ergänzt sie grinsend.

Eher ein Gefühl von Festsaal als Kirchenraum im Dom von Verden (c) Brigitte

Eher ein Gefühl von Festsaal als Kirchenraum im Dom von Verden (c) Brigitte Neuhaus

Sie hat noch viele skurrile Details zum Dom für mich auf Lager. Zum Beispiel zu seinen hellen Fenstern. Eine irgendwie tragische Geschichte: Wenige Tage vor Kriegsende haben übereifrige Verteidiger der Stadt Verden noch mal eben die Allerbrücke gesprengt und durch die damit ausgelöste Detonation sämtliche alten Fenster des Domes (bis auf eines) zerstört. Wirklich dumm gelaufen einerseits…andererseits vielleicht auch ein gewisses Glück, denn so kam der Dom zu seinen hellen und mangels Geld schlichten Fenstern, die jeder Hochzeit bei Sonnenschein die TOP-Romantik-Atmosphäre verleihen. Und noch eine Geschichte zum Dom: er hat zwei fest eingebaute Orgeln, von denen die ältere 3650 (!) Orgelpfeifen besitzt. „Geil, ne?“ freut sich „meine“ nette Kirchenführerin über meine totale Fehleinschätzung von 500 Pfeifen. Die kleinste Pfeife ist so groß wie ein kleiner Finger, die größte misst 3 Meter. Noch eine Besonderheit ist das riesige – an dieser Kirche ist alles riesig – Pentagramm, das in das Masswerk des Nordfensters eingebaut ist – vom Norden kam das Böse, so dachte man im Mittelalter, und Böses wehrte man am Besten mit Bösem ab, eben jener Hexensymbolik.

Sofort im Grünen – der Allerradweg

Aller-Radweg - hier gehts gleich los (c) Brigitte

Aller-Radweg – hier gehts gleich los (c) Brigitte Neuhaus

Ich schlendere runter an die Aller, durch das ehemalige Fischerviertel. Die Häuser unglaublich klein, verwinkelt und über ihnen taucht immer wieder das grünliche Dach des Domes auf. Er ist übrigens der hlg. Maria und Cäcilie geweiht, weiß aber in Verden angeblich keiner. Seit der Reformation ist der Dom evangelisch. Die Allerradweg-Schilder wecken schon meine Vorfreude auf die Radtour. Dabei habe ich hier noch längst nicht alles gesehen, geschweige denn probiert oder mal die süßen kleinen Geschäfte durchstöbert. Und die riesige, weiße Wanderdüne, die nach der Eiszeit glücklicherweise mitten im Stadtwald, also quasi in der Stadt Halt gemacht hat, habe ich auch noch nicht gesehen.

Begleitet mich noch eine Weile - der Dom von Verden (c) Neuhaus

Begleitet mich noch eine Weile – der Dom von Verden (c) Brigitte Neuhaus

Die Bismarcktorte ist verspeist, die entspannten Rentner neben mir läuten mit Sektsorbet und Kaffee Haag den Nachmittag ein! Schüler mit ihren Musikintrumentenkästen schlendern nach Hause und ich mache mich jetzt auch auf den Weg an die Aller. Die Sonne ist rausgekommen und ich werde mal einfach mit mehr Zeit wieder kommen in diese erholsame alte Bischofsstadt. Das riesige Dach des Domes begleitet mich noch eine Weile auf dem Aller-Radweg – das ist mal eine andere Skyline denke ich. Noch ein Nachtrag zu den Pferden: begegnet sind mir „in echt“ keine, allerdings machen einem 500 Messinghufeisen, die in den Gehweg eingelassen sind, rasch klar, wo man sich befindet.

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