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Slàinte Mhath! – Schottische Lebensart in Gifhorn

Autor: Jörn

„Slàinte Mhath“ bedeutet „gute Gesundheit“ und stammt aus dem Gälischen. Schotten benutzen diesen Ausdruck beim Zuprosten, besonders mit gutem Whisky.
Aber was ist „guter Whisky“? Die Definition für guten Whisky sieht für jeden anders aus. Der eine mag es eher fruchtig, die andere liebt es rauchig. Lothar Voges, Inhaber des Geschäfts Angels´ Share in Gifhorn, hat es sich zur Aufgabe gemacht, den richtigen Whisky für jeden zu finden.

Mitten in Gifhorn – mitten in Schottland

Ich besuche Lothar Voges in seinem erst vor einigen Wochen eröffneten Laden in einem gemütlichen Hinterhof an der Gifhorner Fußgängerzone. Als ich das Angels´ Share betrete, bin ich von einer Sekunde auf die andere nicht mehr in einer niedersächsischen Stadt mittlerer Größe, sondern mitten in Schottland. Und zwar mit allen Sinnen, mit den Augen, mit der Nase und mit den Ohren. Das Auge sieht viel Holz, viele Flaschen, Fässer, Gemütlichkeit. Ein betörend aromatischer Duft nach Holz und feinem Alkohol steigt mir in die Nase. In meine Ohren dringt schottische Folk-Musik mit Fiddle und Flöte. Und mittendrin Lothar Voges, bekleidet mit groß-karierter Hose und Fliege.

Dem Whisky verbunden

Lothar Voges hat sich mit der Eröffnung des Angels´ Share einen Traum erfüllt. Bis vor kurzen noch  Verkaufsleiter eines großen Autohauses, hat er sich noch einmal beruflich verändert. Seit vielen Jahren ist er dem Whisky verbunden und so lag es nahe, ein Geschäft in der Gifhorner Innenstadt zu eröffnen; ein klassischer Fall von „das Hobby zum Beruf gemacht“ also. Mittlerweile ist die Whisky-Kultur auch in Deutschland angekommen, sagt Voges. In den 60er, 70er, 80er und 90er Jahren wurde viel Blended Whisky getrunken, also ein Whisky-Verschnitt, aus verschiedenen Whiskys gemischt. Auch Whisky-Mischungen waren sehr beliebt, beispielsweise mit Cola. Mittlerweile sind die Deutschen aber anspruchsvoller und wissen einen guten Single Malt zu schätzen. Ein Single Malt ist ein Whisky, der aus einer einzigen Brennerei stammt und für den ausschließlich gemälzte Gerste verwendet wird.

Für jeden gibt es einen Whisky

Schnell merke ich, dass Lothar Voges ein wandelndes Whisky-Lexikon ist. Zu jeder Flasche in seinem Geschäft kann er eine Geschichte erzählen. Sein Wissen hat er sich unter anderem auf Reisen nach Schottland erworben. Er hat viele Destillerien besucht und Tastings gemacht. Und je mehr er über Whisky wusste, desto größer wurde der Wunsch, seine Erfahrungen und den Geschmack weiterzuvermitteln. So ist das Angebot neben dem Whisky-Verkauf vielfältig: Es gibt Tastings für unterschiedliche Zielgruppen, zum Beispiel für Einsteiger, Kenner oder auch ein Ladies-Tasting, ein Whisky-Club wurde gegründet, es gibt einen Whisky-Talk und verschiedene Veranstaltungen.

Bei den Tastings ist Lothar Voges besonders wichtig, dass jeder seinen eigenen Whisky findet. Es gibt keine vorgeschriebene Route, die zum Whisky führt, kein einstudiertes Programm. Voges kümmert sich um jeden einzelnen Teilnehmer, jeder soll am Ende den für sich perfekten Geschmack gefunden haben. Denn die Unterschiede sind groß: Es gibt fruchtige, torfige, malzige, holzige, süße oder würzige Whiskys und natürlich sämtliche Varianten dazwischen. Aber, und das ist Lothar Voges wichtig: Ein guter Single Malt muss nicht teuer sein. So findet man in seinem Geschäft nur eine einzige Flasche, die über 100 Euro kostet.

Die Tastings finden in einem Raum über dem Geschäft statt. Auch hier fällt mir als erstes der Begriff „Gemütlichkeit“ ein. Schwere, dunkelbraune Balken, dunkle Regale mit Flaschen, breite, gemusterte Sessel und Sofas, eine Decke im Schottenkaro-Muster.

Übrigens „Angels’ Share“, zu Deutsch etwa „Engelsanteil“ oder „Schluck der Engel“, bezeichnet den Anteil des Whiskys, der im Laufe seiner Lagerung aus dem Fass verdunstet. Wie hoch der Anteil ist, hängt unter anderem von der Umgebungstemperatur, der Luftfeuchtigkeit und dem verwendeten Fass ab. Der Angels´ Share in Schottland beträgt circa 0,5 bis 2 Prozent, in Deutschland ist er mit bis zu 15 Prozent wesentlich größer.

Nicht nur Whisky

Bei Lothar Voges gibt es nicht ausschließlich Whisky, sondern auch Whiskey (die amerikanische und irische Variante), Rum, Whiskybier und Gin. Schottische Schokolade und Chips und Pfeifentabak erweitern das Sortiment.

Regale mit Whisky, Gin und Rum

Regale mit Whisky, Gin und Rum © Jörn Pache

Gin ist in. Auch hierzu gibt es im Angels´ Share eine große Auswahl und ein Verkostungsangebot. Ein schottischer Gin, so erzählt mir Lothar Voges, ist wacholder-lastig und enthält verschiedene Botanicals, deutscher Gin enthält teilweise über 40 davon. Als Botanicals bezeichnet man verschiedene Wacholder, Kräuter und Früchte, die im Gin enthalten sind. Daraus ergibt sich natürlich eine unendliche Vielfalt an individuellen und charakteristischen Gin-Geschmäckern. Wacholder muss beim Gin allerdings die bestimmende Geschmackskomponente sein. Und wenn es ein Gin Tonic sein soll, ist die Wahl des richtigen Tonic-Waters genauso wichtig wie die Wahl des Gins.

Ab sofort gibt es im Angels´ Share sogar Rum aus der Region, und zwar aus Wasbüttel, rund zehn Kilometer von Gifhorn entfernt. Zwei Brüder haben den Black Palm Rum kreiert, Black Palm Choco und Black Palm Vanille.

Für mich sind Whisky und Gin ziemliches Neuland. Aber Lothar Voges hat es durch seine Kompetenz, seinen unglaublichen Wissensschatz und sein ruhiges und freundliches Erzählen geschafft, mich neugierig zu machen. Und ganz bestimmt werde ich mich bald auf die Suche nach „meinem“ Whisky begeben.

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