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Hidden Places in Bremerhaven: das Polizeimuseum

Autor: Dörte

Der Beitrag „Hidden Places“ von Mai 2017 kam bei euch so gut an, dass ich wieder mal mit losgestiefelt bin, um einen weiteren „versteckten Ort“ aufzusuchen. Diesmal mit Kolleginnen. Entsprechend den aktuellen Temperaturen sind wir in ein Museen gegangen: in das Polizeimuseum.

Seltsam war es schon, als die massive Zellentür sich schließt und ich allein in dem winzigen Raum zurückbleibe. So also fühlt es sich an, wenn man von der Polizei in Gewahrsam genommen wird – wegen Trunkenheit, Randale oder anderer Delikte. Bedrückend, nur den kleinen Himmelsausschnitt und den auch noch vergittert, sehen zu können. Gemütlich wirken Pritsche und Klo – die einzigen Gegenstände im Raum – wahrlich auch nicht. Ich erfahre: Bis zu 24 Stunden konnte der Aufenthalt in der Zelle dauern, dann musste ein Richter den weiteren Werdegang angeordnet haben.

Blick aus Zellenfenster

Mehr Himmel gibt es nicht und die anderen Fenster hat man wahrscheinlich bald gezählt. © Dörte Behrmann

So lange wollten wir bei unserem Besuch letzte Woche im ehemaligen Verwahrungstrakt der Polizei und jetzigem Polizeimuseum selbstverständlich nicht bleiben. Aber zwei Stunden sind es dann doch geworden. „Schuld“ hatte unser großartiger Gästeführer, Holger Sachse. Im aktiven Dienst Schutzmann der Ortspolizeibehörde Bremerhaven, kümmert er sich jetzt im Ruhestand als Vereinsmitglied des „Förderverein für polizeiliche Prävention und Polizeigeschichte Bremerhaven e.V.“ um das im letzten Jahr wiedereröffnete Museum. Er führt systematisch und besonnen durch die vielen Ausstellungsräume, in denen fast nur Originalstücke zu sehen sind.

Blick in Gewahrsamszelle

Mehr Raum gibt es nicht für den, der von der Polizei in Gewahrsam genommen wird. Die Zelle wurde bis 1994 genutzt. © Tanja Mehl

So gibt es im Raum „Geschichte der Polizei Bremerhaven“ von 1827 bis 1945 eine echte Pickelhaube aus der Kaiserzeit zu sehen. Im Flur zeigen zahlreiche Vitrinen verbotene und über die Jahre konfiszierte Gegenstände. Gruselig, mit welchen Waffen Menschen auf andere losgehen mögen. Da gibt es Schlüssel mit versteckten Rasierklingen, Schießkugelschreiber, Granaten und sogar Handschuhe mit aufgesetzten Klingen.

Blick ins Polizeimuseum

Die beiden Pickelhauben in der Vitrine aus der Kaiserzeit sind echte Raritäten. © Tanja Mehl

Im Raum „Verkehrspolizei“ ragt sogar ein halbes Polizeimotorrad aus der Wand und eine historische Radarfalle ist ebenfalls zu bestaunen. Betrübt sehen wir dann auf eine Grafik, die den Fahrzeugbestand der Ortspolizei Bremerhaven abbildet: 1955 gab es zehn Fahrzeuge und 1974 waren es 18. Ratet, wie viele es im Jahre 2010 waren. Mit ganzen sieben Fahrzeugen mussten die Polizisten in der Stadt ihren Dienst tun. Heute wird der Stand nicht besser sein.

Im „Raum für besondere Ereignisse“ gehen wir auf Zeitreise. Großformatige Fotos zeigen den Schutzeinsatz für Prominente wie Queen Elisabeth (1978 in Bremerhaven), König Juan Carlos (1977) oder Bundespräsident Theodor Heuss (1950). Auch während des Internationalen Festivals der Windjammer – der SAIL – leisten die Polizisten viele Stunden Regulierungsarbeiten. Erinnert wird ebenfalls an die „Blink-Affäre“, in der eine wütende Ehefrau und eine Mistgabel eine herausragende Rolle spielen. Vorgestellt werden auch Schiffsunglücke und die drei Flugzeugabstürze, die zwischen 1964 und 2001 zu beklagen waren.

Abdruck Brief

Der Föderverein des Museums gibt sich bei der Vermittlung des Themas sehr viel Mühe und hat die Aservate liebevoll aufbereitet. (c) Tanja Mehl

Die Aservatenkammer weckt unser großes Interesse und neugierig stürzen wir uns auf die Inhalte der 47 Kisten. Holger Sachse weiß über die darin aufbewahrten Kriminalfälle viel zu berichten, ist aber hin und wieder selbst erstaunt über die Funde und teilt unsere Anteilnahme.

Wandtafel

Mit der Taschenlampe in der Hand und bei Schwarzlicht wird die Geschichte eines dreisten Diebstahls in einem als „Darkroom“ gestalteten Raum sichtbar. Foto: Tanja Mehl

Als letzter Raum geht es zu den Orten des Terrors in Bremerhaven während der Zeit zwischen 1933 und 1945. Uns gefällt, dass das Polizeimuseum diese düstere Periode nicht ausspart, sondern sich ihrer Verantwortung für die Gräueltaten stellt.

Als wir das Museum verlassen, diskutieren wir noch länger über den Einsatz von Dienstpistolen im Bedrohungsfall und merken, wie unterschiedlich der Blick auf das Nutzen der Waffe sein kann. Vor allem aber stellen wir fest, wie sehr das Polizeimuseum zur Auseinandersetzung mit Recht und Ordnung, mit Gefahr und Prävention, mit Geschichte und Gegenwart anregt. Insgesamt ein sehr gelungener Ort!

Polizeimuseum Bremerhaven

c/o Förderverein für polizeiliche Prävention und Polizeigeschichte Bremerhaven e. V.
Hinrich-Schmalfeldt-Str. 31
27576 Bremerhaven
vorstand@polifö.de
www.polifö.de/polizeimuseum

Das Museum kann nur nach vorheriger Anmeldung und mit einer Führung besichtigt werden. Um die ehrenamtlichen Gästeführer nicht über Gebühr zu strapazieren, sind nur Gruppen ab zehn Personen zugelassen.
Unser Tipp: Einfach mal fragen, wann eine Führung ansteht und ob eine Teilnahme möglich wäre.

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