Es gibt Orte, die betritt man und fühlt sich sofort wohl. Das Café Sophies in der Osnabrücker Altstadt ist für mich so ein Ort. Schon beim Öffnen der Tür strömt mir der Duft von frisch gebackenem Brot entgegen. Die Siebträgermaschine zischt. Durch die großen Fenster fallen Sonnenstrahlen auf die Tische, die auch heute – an einem späten Mittwochvormittag im Januar – gut besetzt sind. Die Betreiber Yvonne Kühne und ihr Mann Winfried Hanekamp haben hier eine Atmosphäre geschaffen, in der man nicht nur gerne mit anderen zusammenkommt, sondern dem Alltag auch mal richtig gut entfliehen kann. Das Backen in liebevoller Handarbeit und mit regionalen und saisonalen Zutaten ist hier nicht nur ein Handwerk, sondern vor allem eine Leidenschaft. Und das schmeckt man auch.

Vom Büro in die Backstube
Dass Yvonne Kühne, die ursprünglich aus Sachsen-Anhalt kommt, einmal Bäckermeisterin werden würde, hätte sie zu Beginn ihrer beruflichen Laufbahn nicht gedacht, erzählt sie mir. Zunächst absolvierte sie eine Ausbildung als Steuerfachangestellte. Darauf folgte ein BWL-Studium in Osnabrück. Gemeinsam mit ihrem Mann Winfried arbeitete sie viele Jahre in einer Unternehmensberatung für Bäckereien – er im Einkauf, sie in der Beratung. „Wir haben dort über 170 Bäckereien in Deutschland und Österreich kennengelernt. Je mehr wir sahen, desto größer wurde unsere Bewunderung für die, die echtes Handwerk betreiben“, erzählt sie. Der Wunsch, selbst etwas mit den Händen zu erschaffen, wuchs. Schließlich wagte sie den Sprung, kündigte ihren Job und legte mit einer Sonderzulassung und hochschwanger mit ihrem ersten Kind erfolgreich ihre Meisterprüfung ab – ganz gemäß ihres Mottos „Nur wer in Bewegung ist, auf den kommt auch etwas zu.“

Anfänge am Markt
Nach der Geburt ihres gemeinsamen Sohnes folgte der Umzug ins Osnabrücker Land und der Umbau ihres neuen Zuhauses in Hagen am Teutoburger Wald. Hier – im eigenen Wohnhaus – richteten Yvonne und Winfried 2011 ihre erste Backstube ein. Unter dem Namen Tante Sophies Backstube begannen die beiden, ihre Waren auf verschiedenen Wochenmärkten in der Region zu verkaufen. Dort standen sie – erst mit einem und später mit zwei – liebevoll ausgebauten Citroën HY-Oldtimern. Die bunten Verkaufsbusse sind bis heute ihr Markenzeichen. Nachdem die heimische Backstube immer weiter aus den Nähten zu platzen drohte, wagten die beiden 2019 schließlich den nächsten Schritt und übernahmen das traditionsreiche Café Läer in der Osnabrücker Krahnstraße.

Traditionshandwerk in historischen Mauern
Schräg gegenüber dem historischen Rathaus steht das fast 500 Jahre alte denkmalgeschützte Fachwerkhaus, in dem das Café Sophies heute untergebracht ist. Es gilt als Osnabrücks ältestes noch erhaltenes Bürgerhaus. Während der Verhandlungen zum Westfälischen Frieden Mitte des 17. Jahrhunderts war hier sogar einer der spanischen Gesandten untergebracht. Mit der Eröffnung der Konditorei der Familie Läer im Jahr 1903 begann die Backtradition an diesem Standort. In den darauffolgenden 100 Jahren entwickelte sich das Konditorei-Café Läer zu einer Institution in der Osnabrücker Bäckereilandschaft. Bereits der vorherige Betreiber Ulrich Läer – Konditormeister in dritter Generation – setze auf Regionalität und Bio-Zutaten. Seit 2019 führen Yvonne und Winfried diese Tradition mit ihrem Café Sophies erfolgreich und mit neuen, kreativen Ideen fort. Dass das Konzept aufgeht, beweist nicht nur die große Stammkundschaft. Wie das Cafe Läer zuvor, wurde auch das Sophies im Jahr 2023 vom Magazin „Feinschmecker“ in die Liste der „Besten Bäcker Deutschlands“ aufgenommen!

Natürliche Zutaten, Sorgfalt und Zeit
Es ist diese Leidenschaft für ehrliches Backhandwerk, die das Café Sophies besonders macht. Ganz egal ob Brot, Baguette, Tarte oder Croissant – mit jedem Bissen hat man das gute Gefühl etwas „Echtes“ zu schmecken. Hier werden keine industriellen Backmittel, keine künstlichen Farbstoffe, Aromen oder sonstige Zusätze verarbeitet. Stattdessen gibt es nur das, was in eine gute Backstube gehört: natürliche Zutaten, ganz viel Geduld und Muße, die Rezepte stetig weiter zu perfektionieren. Quasi Slow Food der alten Schule, wie man es in Zeiten von Großbäckereien und industrieller Produktion immer weniger findet. „Unser Anspruch ist, so zu backen, wie man es zu Hause tun würde – nur in größerem Maßstab“, erklärt Yvonne.
Zuständig für den Einkauf ist ihr Mann, der besonders auf Regionalität, Saisonalität und Nachhaltigkeit achtet: Demeter-Mehle, Freiland-Eier sowie viele der übrigen Zutaten stammen direkt von Höfen und Mühlen aus dem Osnabrücker Land. „Wir kennen unsere Produzenten persönlich; das macht den Unterschied“, betont Winfried. Auch Marmeladen, Eis und Limonaden werden nach eigenen Rezepten hergestellt. Sogar die Kaffeemischung, die im Sophies serviert wird, haben die beiden in Zusammenarbeit mit einer kleinen Privatrösterei selbst entwickelt – natürlich fairtrade.

Eine Hommage an die französische Backkunst
Das Ergebnis? Baguettes, wie man sie sonst in französischen Boulangerien findet und Petit Fours, die wie kleine Kunstwerke wirken. Denn obwohl Yvonnes Weizen- und Roggensauerteigbrote und Dinkel-Croissants die Herzen ihrer Gäste erobert haben, schlägt ihr Herz für feines Gebäck – vor allem für Macarons. „Ich habe sie mal in einer Konditorei-Zeitschrift entdeckt und wusste: Die will ich machen.“ Heute sind die bunten, luftigen Köstlichkeiten eine der Spezialitäten des Sophies – natürlich ganz ohne künstliche Farbstoffe oder Aromen. Die französische Backkunst inspiriert sie auch in anderer Hinsicht: „Lange Teigführungen, natürliche Fermentation, hohe Bekömmlichkeit – das sind Prinzipien, die man in Deutschland leider lange vergessen hat.“ An manchen Tagen stehen Yvonne und ihr Team dafür schon um 5 Uhr morgens in der kleinen Backstube des Cafés – an Markttagen bereits um 3 Uhr.

Eine Herzensangelegenheit – der Kontakt zum Gast
Mit dieser Hingabe zum Backhandwerk überrascht es gar nicht, dass sich sowohl das Café Sophies als auch die nostalgischen Marktwagen von Tante Sophies Backstube in und um Osnabrück zu einem liebgewonnenen Treffpunkt entwickelt haben. Stammgäste kommen morgens auf einen kurzen Plausch. Junge Eltern treffen sich mit Kinderwägen. Marktbesucher lassen ihren Einkauf bei einem Cappuccino ausklingen. Yvonne und Winfried betonen, wie wichtig ihnen der persönliche „Schnack“ mit Ihren Kunden und Gästen ist: „Wenn du hinter deinen Produkten stehst, dann verkaufst du anders“. Darüber hinaus möchten sie Räume schaffen, in denen sich jeder willkommen und gut aufgehoben fühlt – „egal ob man für eine halbe Stunde bleibt oder den ganzen Nachmittag“, ergänzt Winfried.

Pläne und Zukunftsmusik
Zukunftspläne? Die gibt es natürlich, aber nicht nach dem typischen „höher, schneller, weiter-Prinzip“. „Es wird kein zweites Café Sophies geben, keinen dritten Marktwagen“, sagt Yvonne entschieden. Stattdessen wollen sie und ihr Mann das bewahren, was sie aufgebaut haben: die Qualität, das gute Miteinander, den persönlichen Kontakt. „Unser Ziel ist es, immer besser zu werden – nicht größer“, erklärt sie. Dafür nimmt sie sich Zeit, tüftelt an Rezepten und testet neue Methoden. Denn am Ende geht es ihr um das, was ihr an diesem Handwerk so viel bedeutet: Mit den eigenen Händen etwas Wertvolles schaffen, das Menschen glücklich macht.
Zum Ende unseres Gesprächs nimmt Winfried Platz am Klavier, das etwas versteckt unter der großen Freitreppe im Gastraum steht. Sanfte Klaviermusik erfüllt den Raum und schafft eine entspannende Klangkulisse. So wie es das Tagesgeschäft erlaubt, nimmt er sich hierfür immer mal wieder etwas Zeit – so zum Beispiel an den Adventssonntagen im letzten Jahr. Ein weiterer feiner Touch, der die beiden und ihr Sophies so sympathisch und authentisch macht.

Einmal selbst Backstubenluft schnuppern
Bevor ich mich verabschiede, darf ich mich noch ein bisschen in der Backstube umsehen, die direkt an das Café anschließt. Yvonne gibt mir einen Einblick in die Herstellung, Lagerung und Verarbeitung der verschiedenen Teigsorten. Ihre Liebe für ihr Handwerk und ihr Stolz auf das, was sie und ihr rund 40-Köpfe-starkes Team tagtäglich schaffen, sind spürbar. Ihr Wissen und ihre Begeisterung teilt sie übrigens regelmäßig im Rahmen von verschiedenen Themenworkshops. Anders als in ihrer Backstube, lohnt es sich, bei der Anmeldung schnell zu sein! Die Workshops sind nämlich meist weit im Voraus ausgebucht.

Mein Tipp!
Wenn ihr Lust auf einen Besuch im Café Sophies bekommen habt, dann schaut am besten schon zu einem ausgiebigen Frühstück vorbei und vergesst auf keinen Fall, euch eines der leckeren kleinen Brotkörbchen, Mandelhörnchen oder ein paar Macarons für Zuhause mitzunehmen!
Café Sophies auf einen Blick
- Adresse: Krahnstraße 4, 49074 Osnabrück
- Web: www.tantesophiesbackstube.de
- Öffnungszeiten: Mo – Fr: 8:00 – 18:00 Uhr | Sa: 7:30 – 17:00 Uhr
- Besonderheiten: Regionale, saisonale & Bio-Zutaten, Slow-Food-Philosophie, historisches & herzliches Ambiente
Noch viele weitere Tipps rund um alles, was ihr in Osnabrück erleben, entdecken und genießen könnt, findet ihr hier auf unserem Blog!
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