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Auf Haeslers Spuren – „bauhaus in celle“

Autor: Rabea Peuser

Immer häufiger hört und liest man in letzter Zeit von dem großen Bauhaus-Jahr 2019, 100-jähriges Bauhausjubiläum, ….  Was verbirgt sich nur genau dahinter? – Damit ist jedenfalls kein bekannter Baumarkt gemeint, so viel steht fest.

Vielleicht hilft zum Einstieg etwas geschichtlicher Hintergrund: Das sogenannte Bauhaus war eine Schule für Architektur und Kunst, die 1919 in Weimar gegründet wurde. Später stand aber vor allem die Architektur und Inneneinrichtung im Vordergrund. Ein erklärtes Ziel war es, die Probleme im Städtebau und der Wohnungsnot der 1920er Jahre mit sozialen Siedlungsbauten zu lösen. Soweit, so gut…Aber was hat das alles mit der Residenzstadt Celle zu tun?

„Neues Bauen“

Tatsächlich gibt es auch in Celle zahlreiche Siedlungen und Bauwerke im Bauhausstil, gebaut von dem Architekten Otto Haesler (1880 – 1962). Seine Bauten zählen zu der Bewegung „Neues Bauen“. Damals galten diese sozialen Siedlungsbauten als besonders fortschrittlich und bahnbrechend.

Gerade jetzt, wo das große Bauhaus Jubiläumsjahr 2019 kurz bevorsteht, ist einmal Zeit sich mit der Bauhaus-Architektur vor Ort vertraut zu machen. Also los!

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Ein kleiner Rundgang vom Italienischen Garten zum alten Direktorenhaus

Durch die Gassen der Altstadt, vorbei an Fachwerkhäusern erreiche ich mein erstes Ziel: Den Italienischen Garten. Der Name lässt vermuten, dass mich ein großer, mediterraner Garten erwartet. Falsch gedacht, denn wer in die Straße schaut, erblickt eine Reihe rot-blauer Wohnhäuser. Gebaut 1923/25 ist diese Siedlung baulich auch noch heute im Wesentlichen unverändert. Insgesamt reihen sich hier acht aus Kuben zusammengesetzte Häuser mit Flachdächern entlang der Straße auf. Das auffällige ist die Farbe der Häuser:  Vier blaue Häuser und vier rote Häuser zähle ich. Doch erst seit 2006 sind diese wieder bunt und in ihrer ursprünglichen Farbigkeit. Die Straße wirkt durch die klaren Formen sehr aufgeräumt und durch die Farben aber auch locker und fröhlich. So ganz anders als das mir gut bekannte romantische Fachwerk. Sicherlich ein schöner Ort zum Leben und damals sehr fortschrittlich. Hinter den Häusern waren schon früher kleine Gärten und an den Häuserfassaden auch kleine Balkone angebracht, wodurch viel Sonne, Luft und Licht die Wohnverhältnisse aufgewertet hat. Was sehr typisch für diesen Baustil ist.

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Vom Italienischen Garten ist es nur ein Katzensprung bis in den Französischen Garten, der aber nun wirklich auch ein Garten im klassischen Sinne mit Grünflächen, Bäumen und Blumen ist.  Vorbei am Caroline-Mathilde-Denkmal und durch die Lindenallee des Parks, verlasse ich den historischen Barockgarten schon wieder.

Mein zweiter Haltepunkt ist nämlich die Altstädter Grundschule in der Sägemühlenstraße, auf der anderen Seite des Gartens. Schon von Weitem verstehe ich, weshalb das Schulgebäude auch „Glasschule“ genannt wird.  Riesige Fensterfronten lassen eine Menge Licht in die Klassenräume strömen. Dies war auch so von Otto Haesler gewollt, der 1926/28 das Schulgebäude erbaute. Die Glasschule zählt international sogar zu den zehn wichtigsten Bauwerken des Bauhausstils und zog schon damals internationale Aufmerksamkeit  und viele Besucher aus aller Welt an.

Die Altstädter Schule in Celle

Für Besichtigungen wurde tatsächlich ein Eintrittsgeld in Höhe von 50 Pfennig erhoben, ganz einfach weil der Andrang so groß war. Und von dem Geld wurde dann die Milch für die Kinder der Altstädter Schule gekauft. Eine nette Anekdote! Auch heute noch lernen hier Schülerinnen und Schüler das Lesen und Schreiben.

Weiter geht es in Richtung Zentrum. Durch die Magnusstraße erreiche ich schließlich das alte Direktorenhaus. Mittlerweile erkenne ich schon ohne auf die Hausnummer zu achten, welches Gebäude im Bauhaus-Stil erbaut wurde. Das weiße Gebäude vor mir weist nämlich wieder alle Merkmale auf: Klare Formen, würfelförmig, Flachdach und viele, viele Fenster. Das Gebäude wurde 1930/31 von Otto Haesler erbaut und diente damals als Unterkunft des Direktors eines Celler Gymnasiums. Das großzügige Wohnhaus wurde im Laufe der Zeit etwas umgebaut, so mussten Trennwände weichen. Zwischenzeitlich diente es mal als Bürogebäude und sogar als autonomes Jugendzentrum. Seit 2006 findet man hier eine Galerie, die galerie dr. jochim, in der zeitgenössische Kunst ausgestellt wird (Öffnungszeiten der Galerie: Do-Fr 14-18 Uhr / Sa 11-16 Uhr). In der Galerie sind noch einige Zeichen der damaligen Zeit zu finden, genauso wie eine kleine Bildergalerie über die Nutzung des Gebäudes in den vergangenen Jahren.

Altes Direktorenhaus

Und damit endet mein kleiner herbstlicher Bauhaus-Spaziergang und ich gehe vorbei am Celler Herzogschloss wieder zurück in die Altstadt. Celle ist neben all dem Fachwerk und Barock also auch ein Geburtsort des „Neuen Bauens“, wie ich jetzt weiß.

Das „Rektorenhaus“, die Siedlungen „ St. Georg Garten“ und „Galgenberg/Blumläger Feld“ oder auch das Haesler-Museum (Öffnungszeiten: jeden 1. Sonntag im Monat 15 – 18 Uhr oder nach Vereinbarung) stehen auf meiner Liste für den nächsten Bauhaus-Spaziergang.

Wer noch mehr über die besuchten und/oder  weiteren Gebäude des „Neuen Bauens“, die Bauhaus-Architektur oder allgemein „bauhaus in celle“ erfahren möchte, der kann an einer Bauhaus-Themenführung teilnehmen. Alle Infos unter: www.fuehrungen-celle.de .

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