Die schönen Tage im Sommer locken mich immer raus in Göttingens Parks und Grünanlagen. Das Schöne an unserer Stadt sind für mich auch die kurzen Wege, um in die Natur zu kommen, sich auf eine Parkbank zu setzen oder um mit einer Decke und Picknickkorb bewaffnet Freunde zu treffen. Ich genieße es immer mit wenigen Schritten dort zu sein, wo es grünt und blüht, die Vögel zwitschern und die Sonne sich ihren Weg bahnt.
Die Schillerwiese – 81.500 m² Landschaftsgarten
Wenn ich auf die Schillerwiese gehe, komme ich meistens über den Hainholzweg ins Göttinger Ostviertel. Beim Passieren der Hainholzschänke erahne ich hinter den ersten Bäumen bereits der Turm des ehemaligen Goethe-Instituts. Ein imposantes Gebäude, das mit dem gegenüberliegenden Kutscherhaus direkt am Rand der Schillerwiese liegt und ein echter Eye-Catcher ist. Hier habe ich ab und an Freunde getroffen, die die Sprachschule besucht haben und morgens in den kleinen Appartements mit einem fantastischen Blick ins Grüne aufgewacht sind.

Der Landschaftsgarten wurde bereits ab 1880 angelegt, erhielt aber erst im Jahr 1905 zum 100. Todestag des Dichters Friedrich Schiller seinen heutigen Namen. Die Wege im Park führen verschlungen, um mehrere größere Rasenflächen auf denen sich im Sommer Studenten und Göttinger Familien tummeln, oft mit Decken ausgestattet, mit Frisbees und Federballschlägern. Die Anlage ist groß genug, so dass ich auch an besonders warmen Tagen immer genügend Abstand zu den anderen Besuchern habe und ich niemandem auf die Pelle rücken muss.

An den Rändern der Schillerwiese gibt es mit einem Tennisplatz, einem Minigolfplatz und einem großen Spielplatz Möglichkeiten Sport zu treiben und sich auszutoben. Ich liege hier meistens aber eher in der Sonne und genieße den Ausblick auf die vielen großen Bäume im Park. Und das nicht nur im Frühling, wenn das frische Grün der Blätter sprießt, oder im Sommer, sondern auch im Herbst, wenn sich die ersten Bäume orange, rot und braun einfärben und mich an meine Reisen zum Indian Summer in Kanada erinnern.
Eine Besonderheit auf der Schillerwiese ist der Jerome-Pavillon, der im oberen Abschnitt steht. Der Pavillon, nach dem Bruder Napoleons benannt, wurde zwar bereits 1810 errichtet, fand aber erst im Jahr 1935 seinen heutigen Platz auf der Schillerwiese. In den Sommermonaten ist dieser Ort bei Hochzeitspaaren beliebt, den das Göttinger Standesamt führt hier auf Wunsch Eheschließungen durch.

Der Stadtwald – Wandern mit Wildtieren und Aussicht
Von der Schillerwiese aus gesehen, schließt sich gleich östlich der Göttinger Stadtwald an. Besonders an heißen Tagen im Sommer liebe ich es im Schatten der Bäume den 1.700 Hektar großen Wald zu entdecken. Am Anfang meines Geografie-Studiums waren wir häufiger auf Exkursionen hier, um Bäume und Gesteinsschichten zu bestimmen. Ich war überrascht, als uns mein Professor erklärte, dass der Wald erst im 19. Jahrhundert in seiner heutigen Form aufgeforstet wurde. Auf einem der vielen kleineren und breiteren Pfade führt es zu Beginn meistens leicht aufwärts in den Wald hinein.

Ein beliebtes Ausflugsziel ist das Wildgehege am Kehr, in dem die Wildschweine und das Damwild so zutraulich sind, dass sie sich gerne füttern lassen. Vor allem für Kinder ist das ein absolutes Highlight. Ein 3 km langer Rundweg führt um das Gehege herum. Wenn ich fußfaul bin, reicht mir das manchmal schon und ich setze mich noch auf ein kühles Getränk in den Biergarten am Kehr, um mich für den Rückweg zu stärken.

Wenn ich noch voller Energie stecke, geht es nach der Rast im Biergarten weiter in Richtung Bismarckturm. Dieser wurde von 1892 bis 1898 errichtet und Fürst Otto von Bismarck, ehemaliger Student an der Georgia Augusta, gab höchstpersönlich die Erlaubnis, den Turm nach ihm zu benennen. Es lohnt sich die zwei Aussichtsplattformen auf 21 und 31 Metern Höhe zu ersteigen. Belohnt werde ich jedes Mal mit einem wundervollen Ausblick auf die Stadt und das Leinetal. Geöffnet ist der Turm von April bis Oktober an Wochenenden und Feiertagen in der Zeit von 10:00 bis 18:00 Uhr.

Zu Fuß unterwegs, drehe ich hier meistens um und folge einem der vielen Wege zurück in Richtung Schillerwiese. Wenn ich mein Mountainbike dabeihabe, geht es manchmal auch noch weiter bis aufs Kerstlingeröder Feld, das vor allem für seine besondere Pflanzenwelt bekannt ist.
Der Albani-Friedhof – letzte Ruhestätte eines Genies
Im Schatten des Göttinger Stadtwalls liegen der Cheltenhampark und der alte Albani-Friedhof. Beide Grünflächen gehen direkt ineinander über und stecken voller Geschichte. Der ältere Teil ist der Friedhof, der 1783 angelegt wurde. Bis Ende des 19. Jahrhunderts fanden hier die Beerdigungen der nahe gelegenen St. Albanikirche und der Nikolaikirche statt. Von den heute rund 30 noch erhaltenen Gräbern ist sicherlich das von Carl Friedrich Gauß besonders erwähnenswert. Der berühmte Mathematiker wirkte bis zu seinem Tod im Jahr 1855 an der Göttinger Universität und wurde auf dem Albani-Friedhof begraben. Auch heute noch eine kleine Pilgerstätte für seine Verehrer.

Der Friedhof wird inzwischen allerdings auch zur Freizeitgestaltung genutzt. Vor allem für Bewohner der Innenstadt und der vorderen Südstadt, wie mich, liegt er direkt vor der Tür und ist damit perfekt geeignet, wenn es nur mal kurz für eine halbe Stunde in die Sonne gehen soll. An schönen Tagen sehe ich auf der Rasenfläche um die alten Grabsteine herum vor allem junge Menschen, die mit respektvollem Abstand lesen, klönen, grillen oder auf Slacklines balancieren

Cheltenhampark – kleiner Park mit viel Geschichte
Wenn ich vom Friedhof zum nördlich angrenzenden Cheltenhampark gehe, der nach unserer englischen Partnerstadt benannt ist, komme ich am Schwänchenteich vorbei. Würde die unmittelbare Lage am Stadtwall ihn nicht verraten, würde ich kaum auf die Idee kommen, dass es sich hier um den letzten noch erhaltenen Rest des Wassergrabens handelt, der einst die Stadt umgeben und gegen Angreifer geschützt hat. Bänke am Rande des kleinen Gewässers und der dahinterliegende Spielplatz sorgen auch hier für viel Leben. In diesen Wochen wird der Bereich allerdings noch neugestaltet und ist eher eine Baustelle.

Hinter dem Spielplatz passiere ich zurück auf dem Weg in die Innenstadt noch ein interessantes Gebäude: das Rohns`sche Badehaus. Der nach antikem Vorbild gestaltete zwölfeckige Pavillon wurde 1820 als erstes öffentliches Badehaus in Göttingen erbaut. Damals natürlich nur für die Herren der Schöpfung, Damen wurde der Eintritt verwehrt. Heute dient das Gebäude als Showroom für Antiquitäten.
Der Kiessee – die sportliche Alternative im Grünen mit viel Blau
Der Göttinger Kiessee ist für mich in der Regel mit sportlichen Aktivitäten verbunden. Es kommt zwar auch mal vor, dass ich mit Freunden oder auswärtigen Besuchern zu einem Spaziergang um den See aufbreche, aber meistens drehe ich hier meine Jogging-Runden. Das ich nicht der Einzige bin, ist bei den abendlichen Läufen unübersehbar. Alleine oder zu zweit, in sportlich anspruchsvollem Tempo oder entspannt, ob mit Stopp-Uhr oder Walkingstöcken – der Kiessee ist beliebt bei Läufern.

Damit sind hier die sportlichen Möglichkeiten aber natürlich noch lange nicht ausgeschöpft. Wenn ich meine Runden drehe, beobachte ich oft Ruderer bei ihren Trainingseinheiten, denn einige Sportvereine haben ihre Bootshäuser direkt am Westufer des Sees. Ich kann aber wassersporttechnisch auch selber aktiv werden, denn am Steg direkt neben dem Restaurant Kredo gibt es einen Tret- und Ruderbootverleih.

Nicht weit entfernt, befindet sich seit einigen Jahren ein Bewegungspark, der für Sportler ein kleines Outdoor-Fitness-Studio darstellt. Sieben Geräte bieten Übungen für den Gleichgewichtssinn und für Stütz- und Kraftübungen an.

Aber selbstverständlich ist der Kiessee auch ein schönes Ausflugsziel, wenn man nur entspannen will. Ein großes Piratenschiff bietet Kindern die Möglichkeit sich im Freien auszutoben, Parkbänke und Rasenflächen laden zur Rast ein und das vorhin bereits erwähnte Café und Restaurant Kredo bietet drinnen und auf der Terrasse einen wundervollen Blick auf den See. Da kommt bei mir mit einem Stück Kuchen am Nachmittag oder einem Cocktail am Abend richtiges Urlaubsfeeling auf.

Überrascht war ich übrigens als mir ein älterer Göttinger erzählte, dass es bis zum Jahr1960 an dieser Stelle zwei kleine Seen gab. Erst vor 65 Jahren wurde ein Durchbruch geschaffen, der die beiden Seen verband und den Kiessee in seinem heutigen Ausmaß schuf. Ich merke mal wieder, dass ich selbst nach 25 Jahren in meiner Stadt immer wieder etwas Neues erfahre und lerne.
Ihr seid herzlich eingeladen nach Göttingen zu kommen und Eure eigenen grünen und blauen Oasen zu entdecken. Denn es gibt noch zahlreiche weitere grüne Orte, wie z. B. den Alten Botanischen Garten, den Stadtwall, das grüne Band entlang der Leine, … Viel Spaß dabei.


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