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(Süd-)Heide-Geschichten aus dem Heiligen Hain

Pünktlich zum erwarteten Aufflammen der Heideblüte findet im Heiligen Hain bei Betzhorn die erste Führung dieses Jahres statt. In den Touristinformationen der Südheide Gifhorn trudeln seit Tagen Anrufe ein. Denn die brennenden Fragen, ob und wann die Heide blüht, müssen geklärt werden. So bin ich mit von der Partie auf der etwa 3,5 Kilometer geführten Tour durch das Landschaftsschutzgebiet etwa 25 Autominuten nördlich von Gifhorn. Bei sommerlichen Temperaturen nimmt uns die Kultur- und Landschaftsführerin Christiane Salig mit in die lila schimmernde Heidewelt. Gespickt mit Anekdoten, Familiengeschichten und vielen Tipps zur Heide und zur Natur, kommt auf dem zweistündigen Rundweg keine Langeweile auf.

Die Heide fängt an zu blühen im Heidegebiet Heiliger Hain

Die Heide erwartet dich – lebendig und farbenfroh

Nun aber erst einmal volle Konzentration auf die Hauptakteurin. Die Calluna vulgaris, gemeinhin auch als Besenheide bekannt, ist eigentlich gar nicht so anspruchslos, wie ihr immer nachgesagt wird. Sicherlich stellt sie an den Boden keine großen Ansprüche, so fühlt sie sich im mageren Sandboden schon sehr wohl. Aber das war es dann auch schon an Anspruchslosigkeit. Mit Glück hat es auch merklich wenig zu tun, wie die Heideblüte ausfällt. Die Launen der Natur in Form von Niederschlägen und Sonne spielen eine wichtige Rolle für den perfekten lila Augenschmaus. Hier sind ein ausgeglichenes Verhältnis und der richtige Zeitpunkt enorm wichtig. Zu wenig Regen im Frühjahr nimmt sie übel und die Blütenfarbe wird nicht so kräftig violett ausgebildet.

Heidschnucken – Hüter der Heide

Heidschnuckenherden sind die idealen Landschaftspfleger in Heidegebieten. Leider sind die hellgrau gehörnten Schnucken meistens nicht mehr in Aktion anzutreffen. Das trifft auch auf den Heiligen Hain zu. Die Haltung ist für Schäfer als Woll- und Fleischproduzenten einfach nicht einträglich genug. Viel Zeit und Herzblut ist nötig und dies spricht dann gegen eine Hobbyhaltung. Allerdings sind die Aufgaben der Schnucken ziemlich wichtig und müssen nun anderweitig erledigt werden, damit die Flächen gepflegt werden und weiterhin als Heideflächen erhalten bleiben. Beim Durchstreifen der Gebiete knabbern die Herden junge Triebe ab und verhindern somit das Aufwachsen von Bäumen und Büschen. Ebenso sind sie ein toller Partner für Honigbienen. Mit ihren Beinen reißen die Schnucken Spinnennetze ein, so dass sich die Bienen nicht mehr darin verfangen können. Für mich übrigens ein total entspannendes Geräusch, das Summen von aberhunderten Bienen in der Heide. 

Welch eine Plackerei?

Die Heidschnucken zum Entkusseln können Mensch und Maschine nicht so leicht ersetzen. In Arbeitsgruppen werden mühsam junge Bäume, wie Birkenschößlinge oder andere Sträucher herausgerissen, damit die Heide nicht verdrängt wird. Auch das Plaggen ist eine wichtige Pflegemaßnahme für die Flächen. Unter dem Begriff Plaggen ist das Abtragen der obersten Bodenschicht zu verstehen, damit diese über die Jahre nicht zu humusreich wird. Das mögen die Heidepflanzen nämlich nicht. Heute gibt es dafür spezielle Bagger, die den Oberboden leicht abziehen. Früher musste dies händisch gemacht werden und war eine sehr anstrengende, kräftezehrende Arbeit. Nun ist auch verständlich, wo das Wort Plackerei herkommt.

Hermann Löns und die Heide

Der Heilige Hain und Hermann Löns sind bis heute fest verbunden. Nicht zuletzt durch den Lönsstein, der am Rande des Heidegebietes als Gedenkstein platziert ist, wird dem Schriftsteller und Dichter Ehre erwiesen. Auch in Geschichten um die Namensgebung darf Hermann Löns nicht fehlen. Ganz nüchtern betrachtet lautete der Name für die Fläche in den Flurkarten Garskrempel oder Gaen Krempel. Dies war zu jener Zeit für viele Landschaftsbereiche üblich.

1913 wurde das Gebiet in einer Größe von 2,5 Hektar schon unter Naturschutz gestellt und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. So kamen auch Adelige und wohlhabende Bürger als Touristen nach Betzhorn. Ein Hamburger fand die Bezeichnung „Heiliger Hain“ passend. Denn beim Anblick der Heidefläche fühlte er sich sofort an ein bekanntes Landschaftsbild des Malers Arnold Böcklin erinnert, welches diesen Namen trug. Hermann Löns war aber vehement gegen eine Umbenennung. Wie wir heute wissen, war er mit seiner Gegenwehr nicht sehr erfolgreich

Wacholder – mehr als nur Gin

Nicht nur die Heidepflanze verdient unsere Aufmerksamkeit. Auch der Wacholder ist ein prägendes Element in der weiten Fläche. Die steigende Bekanntheit hat die Pflanze seinen kleinen blauen Beeren zu verdanken. Die Machandelbeere, wie sie auf Plattdeutsch genannt wird, ist seit jeher Bestandteil des Gins. Für viele ist aber nicht bekannt, dass die Wacholderbeere auch in medizinischer Sicht einiges zu bieten hat. So regt der Verzehr beispielsweise den Stoffwechsel und die Durchblutung an. Die frischen grünen Beeren müssen noch am Strauch bleiben, reif sind sie erst im nächsten Jahr. Probiert gerne eine, sie haben einen waldig aromatischen Geschmack.

Heidepflanzen im Heiligen Hain bei Betzhorn

Dos and Don’ts in der Heide

Während ihr eine Wacholderbeere gerne mal probieren könnt, bevor sie den Vögeln zum Opfer fallen. Aber wichtigerweise muss ich darauf hinweisen, dass die Heidepflanzen nicht gepflückt werden dürfen. Auch wenn es einfach zu verlockend ist, einen prächtig lila blühenden Blütenstengel abzuzwicken, bleibt sie besser dort. Es gibt Trampelwege, die in viele Ecken des Gebietes führen, so kann die weitreichende Landschaft aus vielen Blickwinkeln erkundet werden. Verlasst die Wege nicht, so werden die Pflanzen und Tiere am besten geschützt. Die Stolpergefahr sinkt, da aufbrechende Wurzeln des Wacholders besser gesehen werden als in bewachsenen Flächen. Ich wünsche mir, dass noch viele Generationen das Glück haben, sich an dem violett blühenden Pflanzenteppich zu erfreuen. Dass es sich lohnt, diese Gebiete zu schützen hat Hermann Löns schon gewusst. „Denn ich würde ihn als ersten richtigen Naturschützer seiner Zeit bezeichnen, so haben wir ihm für den Erhalt und die Bekanntheit des Heiligen Hains viel zu verdanken,“ ist sich Christiane Salig sicher.

Fazit – Natur und Geschichte im Heiligen Hain erleben

Als erstes muss ich einmal festhalten, ein Besuch in der Heide ist in jeder Jahreszeit empfehlenswert. Einfach in der Natur zu sein, den blauen Himmel über sich, den knirschenden Sandboden unter den Füßen, den Blick schweifen lassen und den Augenblick genießen. Ein paar Picknicksachen am Schafstall herausholen und in der vollkommenen Ruhe die Natur beobachten. Dem Brummen der fleißigen Bienen und anderer Insekten zuzuhören. Dies ist zur Zeit der Heideblüte (etwa Mitte August bis Mitte September) leider nicht immer möglich, da herrscht doch öfter reges Treiben von Zweibeinern. Nimm auch gerne in der Saison an einer Führung teil und lass dir von unserer Expertin Wissenswertes zum Thema Pflanzengesundheit, Pflegezyklus und vielem mehr erklären. Finde selbst heraus, warum diese Heidelandschaften so einzigartig sind.

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