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Moormuseum Großes Moor: Naturwunder im Wandel

Der Torfbagger Liliput im Moormuseum Großes Moor

Der Torfbagger Liliput im Moormuseum Großes Moor © Südheide Gifhorn GmbH

Auf dem Weg zu meinem Termin ins Moormuseum Großes Moor bei Platendorf in der Südheide Gifhorn laufen gewisse Bilder durch meinen Kopf. Hier muss ich gestehen, dass der Film, der sich gedanklich abspielt, sehr dunkel, verlassen, mystisch und geheimnisvoll ist. Dies ist sicherlich meinem Hang zu Krimis zuzuschreiben. Na gut, der dichte grau bewölkte Himmel spielt vielleicht auch eine kleine Rolle, da er ein wenig auf die Stimmung drückt. Ob ich mit meinen düsteren Gedanken richtig liege, werden wir gemeinsam auf einer besonderen Reise durch die faszinierende Welt der Moore herausfinden!

Wassergefüllte Polder zur Renaturierung der Moorlandschaft

Nachhaltige Naturerlebnisse zwischen Lieblingsgrün und Lieblingsblau

Der Besuch im Moormuseum bietet eine einzigartige Gelegenheit, die Schönheit und Bedeutung dieses besonderen Naturraums zu entdecken. Ebenso macht es deutlich, wie dieses sensible Ökosystem aktiv zum Schutz und Erhalt unserer Umwelt beiträgt.

Gemeinsam mit Detlev Junge und Jörg Wulfes vom Team des Fördervereins Großes Moor e. V. erfahre ich, wie das Museum vier zentrale Säulen vereint: Die Bewahrung der historischen Kultur, die faszinierende Natur selbst, spannende Geschichten rund um das Leben am Moor und natürlich den Naturschutz mit seinen Höhen und Tiefen, wie später deutlich wird.

Die Geschichte des Torfabbaus im Großen Moor

Das Museum zeigt auch die harten Fakten zum Torfabbau auf, der eine wichtige Überlebensquelle in der Region war. Vor vielen, vielen Jahren war das Große Moor in Neudorf-Platendorf zunächst ein Ort, der für die Beheimatung von Mensch und Tier überhaupt nicht geeignet war. „Aber die Energiekrise jener Zeit zwang zu dieser Entscheidung, so dass Platendorf 1795 gegründet wurde“, beschreibt Junge die Situation. Die Menschen arbeiteten sehr hart, um den wertvollen Rohstoff zu gewinnen. Die Torfstecher, oft nur mit den einfachsten Werkzeugen ausgestattet, durchquerten das Moor bei Tag und Nacht, um den dunklen, nährstoffreichen Torf zu bergen.

Torf als wichtige wirtschaftliche Lebensquelle

Die Moore und somit der Torf waren nicht nur eine wichtige Einkommensquelle, sondern auch ein lebenswichtiger Rohstoff, der das Leben vieler Generationen bis heute beeinflusst. Die Torfballen dienten als Brennstoff für Wärme im Winter und für die Landwirtschaft, insbesondere als Einstreu für die Pferde. Noch in den 60er Jahren wurden sie an die Trabrennbahn Berlin geliefert. Es war eine mühselige, manchmal gefährliche Aufgabe, die das Leben der Menschen prägte. „Dass Torf heute noch im Garten oder in der Medizin bei Fangopackungen oder Bademooren genutzt wird, ist bekannt. Weniger gebräuchlich ist der Einsatz bei Trinkwasserfiltern und Futterbeigaben in der Schweinezucht“, erklärt Wulfes die heutige Nutzung.

Blühende Wollgraswiese beim Sonnenuntergang im Großen Moor bei Platendorf © Förderverein Großes Moor e. V.

Vom Handabbau zum Torfbagger – Fluch oder Segen?

Industrialisierung war bitter nötig, um den Abbau wirtschaftlich profitabler und auch für die Menschen einfacher zu machen. Ein großes Hindernis liegt im Moor selbst. Denn der Boden ist nicht gemacht für die Schwere und Verwendbarkeit von Maschinen. Auch das Anlegen von Wegen war eine Herausforderung. Denn auf dem torfigen Untergrund hält kein Weg Belastungen aus.

Ebenso ist die Größe des Großen Moores zu gering für große Torfbagger, so begann der Siegeszug des Liliput. Er war der kleinste seiner Art und daher perfekt für den tatkräftigen Einsatz im Großen Moor. Der letzte Weg nach der Instandsetzung war eher beschwerlich. „Für drei Kilometer vom Dorf ins Museum hat das Team drei Tage gebraucht“, lässt Wulfes die Fahrt Revue passieren. Letztendlich waren alle Helfer und Helferinnen voller Stolz, als der Liliput seinen wohlverdienten Ruheplatz im Museum eingenommen hatte. Begleitet wird er auf der Ausstellungsfläche von weiteren Maschinen, die hier in der Region beim Torfabbau im eingesetzt wurden. Ein Tipp: Für Fans der Industriekultur bieten sich tolle Exponate als Fotomotiv an.

Wiedervernässung – wie geht das bloß?

Mit der Zeit wurde jedoch klar, dass der intensive Torfabbau das Moor bedrohte – es trocknete aus, verlor seine einzigartige Natur und seine Bedeutung für das Klima. Daher ist ein zentrales Thema des Vereines die Wiedervernässung des Moores. „Viele Fehlversuche und Rückschläge haben wir in den Versuchsfeldern beobachtet“, erzählt Junge. „Dabei dachten wir, einfach Wasser einlassen und die Zeit wird alles regeln, aber dem ist nicht so“, führt er weiter aus. Ich habe bei meinem Besuch gelernt, dass das Moor einen Millimeter pro Jahr wächst. Bis es für das Auge sichtbar wird, dauert es. Das Große Moor war 8.000 Jahre alt und wurde innerhalb von 230 Jahren abgebaut. Im Vergleich dazu ein Wimpernschlag. Mit besserer Technik wäre es noch schneller gegangen.

Die Wiedervernässung ist weiter vorangeschritten © Förderverein Großes Moor e. V.

Moos ein wichtiger Faktor im Biotop Moor

Vor dem kontrollierten Fluten, obwohl man das bei der Abhängigkeit von Regen, wie bei einem Regenmoor kaum so nennen kann, wird im Großen Moor erst vollständig abgetorft. In Fachkreisen eher verpönt, bringt es hier aber die gewünschten Ergebnisse. Durch die Anlage kleiner Becken, sogenannter Pütten, blieb das Wasser in der Oberfläche ruhig. Wenn dann alles passt, bilden sich Torfmoose. Die erfolgreiche Renaturierung hat mehrere positive Effekte: Es fördert die Biodiversität, schützt vor Erosion und bindet CO2 – ein wichtiger Beitrag in der Regulierung des Klimas. Den Einsatz und das Herzblut , das die Mitglieder des Fördervereins seit 2009 an den Tag legen, ist wahrlich nicht zu unterschätzen. Und es warten immer neue und größere Aufgaben.

Nachhaltigkeit im Fokus

Der Besuch im Moormuseum ist für mich absolut kein typischer Museumsbesuch. Übrigens: Eintritt kostenlos und ganzjährig rund um die Uhr geöffnet. Auf dem Rundweg leiten übersichtlich gestaltete Informationstafeln den Weg, wenn du dich allein auf dem Museumgelände umschauen möchtest.
Ansonsten nutze einfach eine der tollen Veranstaltungen zum bäuerlichen Brenntorfpressen oder dem Fuchstorfstechen für deinen Besuch. An dieser Stelle möchte ich aber aus vollem Herzen darauf hinweisen, dass der Förderverein Großes Moor e. V. sich über jede Spende freut. Denn es gibt an, auf und rund um das Gelände noch viele Projekte, die erledigt werden wollen.

In den Führungen rund um das Große Moor erfährst du viele faszinierende Fakten über die Welt der Moore. So zum Beispiel auch, dass das Moor gar kein düsterer und verlassener Ort ist, wie ich anfangs angenommen und beschrieben hatte. Bei Sonnenschein tummeln sich Schwärme von hunderten von leuchtenden Schmetterlingen und schillernden Libellen an den Wasserflächen.

Polder zur Wiedervernässung © Südheide Gifhorn GmbH

Fazit – Natur erleben im Moormuseum

Heute wurde ich auf eine kleine Reise durch die Geschichte unserer Natur mitgenommen und ich bin begeistert, das Moor auf diese Art erleben zu können. Ich möchte dich einladen, die Ruhe und Ursprünglichkeit der Naturlandschaft Moor bewusst zu erkunden. Entdecke die Moorlandschaften, geformt durch ihre besonderen Wasserstände und ihre vielfältige Flora und Fauna. Zusammen beherbergen sie eine faszinierende Welt voller Geheimnisse.

Einen letzten persönlichen Tipp von dem Landschaftsführer Detlev Junge behalte ich natürlich nicht für mich: „Besucht das Große Moor zur Heideblütenzeit im August, dann erwarten euch noch mehr farbige Wunder.“ Ich werde es mit in jedem Fall fest in meinen Terminkalender eintragen.

Kontakt:
Moormuseum Großes Moor
Dorfstraße 170
38524 Sassenburg
www.grosses-moor.de

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