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Mit dem Oldtimer-Doppeldecker auf Stadtrundfahrt durch Osnabrück

Es ist der erste richtig warme Frühlingstag; die Terrassen der Cafés sind gut gefüllt und auf dem Wochenmarkt am Dom herrscht reges Treiben. Osnabrück blüht auf – genau die richtige Gelegenheit, um meine Heimatstadt mal aus anderen Blickwinkeln zu erkunden.

Einige Tage zuvor hatte ich mir bereits ein Ticket für die erste Stadtrundfahrt der Saison gesichert. Ich bin zum allerersten Mal mit dabei und habe mich für die „Osnabrück-Tour“ entschieden, die mich hinaus aus dem Innenstadttrubel und hinein ins umliegende Stadtgebiet führen wird. Das Besondere: Statt klassischer Hop-on-Hop-off-Busse mit Bandansage geht es im historischen Doppeldecker-Omnibus und mit persönlichem Guide auf Entdeckungstour!

Auffallende Optik – der Nostalgie-Doppeldecker | Foto: Marketing Osnabrück

Nostalgie pur im Traditionsbus

Schon die Haltestelle gegenüber dem Dom versprüht mit ihrer klassischen Beschilderung Retro-Charme. Und dann rollt er heran: ein restaurierte MAN SD 200 Doppeldeckerbus aus den frühen 80er Jahren. Außen wie innen ein echtes Schmuckstück: rote Polster, dunkle Holzoptikverkleidung und dieses wohlig-nostalgische Gefühl von „früher“. Der Traditionsbus Osnabrück e.V., der Bus und Fahrer für die Stadtrundfahrten stellt, hat ganze Arbeit geleistet. Seit 2005 restaurieren die Vereinsmitglieder Linienomnibusse aus den letzten sieben Jahrzehnten und bringen sie zurück auf die Straße – mit spürbarer Liebe zum Detail.

Insgesamt 90 Sitzplätze bietet unser Gefährt. Ich ergattere einen Platz im Oberdeck. Wer über 1,80 Meter misst, sollte hier mit Bedacht aufstehen. Die Deckenhöhe ist Oldtimer-typisch niedrig. Dafür genießt man von hier oben die beste Aussicht.

Der Traditionsbus ist bis in die kleinste Ecke liebevoll restauriert | Foto: Tourismusgesellschaft Osnabrücker Land

Die Osnabrück-Tour: Stadtrundfahrt XXL

Wir starten mitten im Herzen Osnabrücks und erhaschen im Vorbeifahren ein paar schnelle Blicke auf die bekannten Sehenswürdigkeiten der Altstadt. Doch um Rathaus, Dom und Co. soll es heute nur am Rande gehen. Entlang der Hasestraße – einer der ältesten Handelsstraßen der Stadt – nehmen wir Kurs auf den Stadtrand und auf die grünen Finger Osnabrücks.

In entspanntem Tempo geht es in den nächsten zwei Stunden vom Nordosten aus Richtung Westen und schließlich in den Südosten Osnabrücks. Erster Höhepunkt ist der Gertrudenberg. Einst Benediktinerinnenkloster, heute Klinikstandort und vom Osnabrücker Autor Erich Maria Remarque sogar als literarischer Schauplatz verewigt. Unter uns, so erfahren wir, liegt ein jahrhundertealtes und weit verzweigtes Höhlensystem, das im Zweiten Weltkrieg Schutz vor Bombenangriffen bot. Neben diesen Geschichten beeindruckt mich vor allem, wie gekonnt unser Fahrer den Bus durch die engen, kurvigen Straßen manövriert.

Von oben auf dem Piesberg … | Foto: Max Wiesenbach

Echte Naturidylle erleben wir wenig später im Nettetal. Wir passieren blühende Rapsfelder, Mühlen, kleine Gutshäuser und mit den Oestringer Steinen sogar die Reste eines prähistorischen Großsteingrabes. Anschließend überqueren wir den nahegelegenen Piesberg und erfahren mehr über seine spannende Industriegeschichte und besondere geologische Beschaffenheit. Beides macht den Piesberg auch heute noch als Ausflugziel einzigartig. 2023 wurde hier übrigens die älteste Spinne der Welt entdeckt – zum hörbaren Aufatmen aller Mitfahrenden jedoch „nur“ als über 300 Millionen Jahre altes Fossil.

Zwischen all diesen Highlights erhalten wir interessante Einblicke in die Entwicklung einzelner Stadtteile – insbesondere im 20. und 21.Jahrhundert. Viele Orte und Straßen, die ich im Alltag oft gedankenverloren passiere, erscheinen mir so in einem neuen Licht. Gleich an mehreren Stellen führt uns die „Osnabrück-Tour“ außerdem vorbei an den ehemaligen Kasernenstandorten der Britischen Armee. Bis 2009 war hier die größte Garnison Großbritanniens außerhalb der Insel stationiert. Jahrzehntelang prägten „die Briten“ das Stadtbild. Heute sind die ehemaligen Kasernenflächen wahre Zukunftsorte: moderne Wohnviertel und Gewerbeflächen, ein Wissenschaftspark und ein Hafen-Kreativquartier. Wandel und Stadtentwicklung werden so eindrucksvoll sichtbar.

… geht es runter in den Hafen und vorbei am Kreativquartier | Foto: Marketing Osnabrück

Insiderwissen live mit an Bord

Unser Guide von der Stadtführungsagentur Osnatours ist mit viel Enthusiasmus und Humor dabei. Mit einem endlosen Repertoire an Anekdoten bringt sie die vielen Geschichten entlang der Route zum Leben und überrascht auch mich immer wieder mit spannenden Fakten. Wusstet ihr, dass Charles de Gaulle einst als Kriegsgefangener in Osnabrück einsaß, ehe er nach mehrmaligen Fluchtversuchen verlegt wurde? Ich jedenfalls nicht.

Zwischendurch sorgen aber auch wir selbst für Aufsehen. Unser Bus zieht immer wieder interessiere Blicke auf sich – vor allem Kinder winken begeistert. Wir winken natürlich zurück.

Viele Ausblicke – viel Gesprächsstoff | Foto: Marketing Osnabrück

Für wen eignet sich eine Stadtrundfahrt durch Osnabrück?

Kurz gesagt: für alle! Ob Osnabrückerinnen und Osnabrücker wie mich, die ihre Stadt neu entdecken möchten oder Gäste, die Osnabrück ganz entspannt und „off the beaten path“ kennenlernen wollen. Neben der „Osnabrück-Tour“ gibt es außerdem die 1,5-stündige „Kurz & Knapp-Tour“ durch die Innenstadt. Genießer sollten sich für die „Abendtour“ mit stimmungsvollen Stadtlichtern und Pfeffersteak entscheiden.

Das Retro-Design der Bushaltestelle passt perfekt zum Nostalgie-Bus | Foto: Tourismusgesellschaft Osnabrücker Land

Und so geht‘s an Bord

Von April bis Anfang November rollen die Busse an Samstagen und an ausgewählten Freitagabenden durch die Stadt – veranstaltet von der Marketing Osnabrück GmbH. Tickets gibt es online über Eventim oder direkt in der Tourist Information.

Mein Tipp: Gerade an sonnigen Tagen lohnt es sich, frühzeitig zu buchen!

Gute Aussichten auch im unteren Busdeck | Foto: Marketing Osnabrück

Ihr möchtet mehr über unsere Gästeführer erfahren? In diesem Blogartikel lernt ihr Carsten Niemeyer, den Geschäftsführer von Osnatours und Osnabrücks „Meister der Geschichte(n)“ kennen!

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