Manchmal braucht es nicht viel, um eine Stadt spürbar zu verändern – nur eine gute Idee, ein bisschen Mut zur Lücke und ein Herz für Bienen. Genau das hat man vor zwei Jahren in Verden gewagt. Und das Ergebnis? Drei kleine grüne Wunder und Lieblingsorte mitten in der City, die so charmant und entspannt sind, dass man sich fragt, wie wir vorher eigentlich ohne sie ausgekommen sind und warum man nicht schon früher erkannt hat, wie schön es sein kann.
Alle drei Orte, die ich euch vorstellen möchte, vereinte bis zur Verwandlung vor allem eins: Funktionalität, viel Pflaster, wenig Schatten, keine Einladung zum Verweilen.
Was man stattdessen wollte:
• weniger Hitze in der Stadt
• mehr Lebensraum für Insekten
• mehr Aufenthaltsqualität für Menschen
• mehr Verweilmomente zwischen Einkäufen, Terminen und Alltagsstress
Manchmal sagen Fotos mehr als viele Worte: Ein Vorher-Nachher- Blick auf die St. Johanniskirche © Fotoarchiv Stadt Verden (Aller)
Ein Streifzug zu den grünen Innenstadtgärten
Auf meinem kleinen Streifzug zu den drei Innenstadtgärten– zwischen Kaffeebecher, Kopfsteinpflaster und ganz viel Lebensqualität möchte ich euch zeigen, was daraus geworden ist.
Blick aus dem Bürofenster © Fotoarchiv Stadt Verden (Aller)
Los geht´s direkt vor meinem Bürofenster in der Ritterstraße – zwischen den Rathäusern. Im Zentrum dieses Platzes steht das Denkmal zur Erinnerung an die im zweiten Weltkrieg ermordeten Jüdinnen und Juden der Stadt Verden. Früher war dieses Denkmal vollständig von Kopfsteinpflaster umgeben, welches perfekt zur angrenzenden Johanniskirche und dem historischen Rathaus passte, aber eben doch Pflaster war. Eine kleine Beichte am Rande: Als Laie fehlte mir die Phantasie, was auf dieser kleinen Fläche entstehen könnte. Aber seht selbst:
Der blühende Garten rund um das Denkmal © Fotoarchiv Stadt Verden (Aller)
Trotz der Nähe zur lebhaften Fußgängerzone ist hier ein besinnlicher und ruhiger Ort entstanden, den man im Schatten einer großen Linde genießen kann. Und wenn man um die nächste Ecke schaut, erkennt man den grünen Korridor, der entlang der Johannisstraße bis zum Allerpark führt.
Grünachsen in Verden
Dass die Planer:innen dieser Gärten Grünachsen und -verbindungen mitgedacht haben, bringt mich zur Predigerstraße. Sie ist eine Straße, die die Fußgängerzone mit der Aller verbindet. Vor der Umgestaltung war diese Straße stark versiegelt und ich habe mich immer eingeklemmt zwischen den Häusern gefühlt. Man nutzte diesen Durchgang, um auf möglichst kurzem Wege an die Aller zu kommen. Aber auch hier spürt man jetzt die Idee der Planer:innen: Verweilen und Treffen stehen hier im Vordergrund. Eine langgestreckte Bank lädt die Bewohner:innen dieses Quartiers wie auch Gäste ein und plötzlich bleibt man einfach mal kurz stehen. Oder sitzen.
Blick in die Predigerstraße mit gemütlicher Holzbank © Fotoarchiv Stadt Verden (Aller)
Der Formale im grünen Bunde
Der Star an diesem Ort ist das Domherrenhaus. Heute nicht mehr vorstellbar, aber bevor die hier vorbeiführende Straße gebaut wurde, war hier der Hintereingang des Hauses. Dieser prachtvolle Fachwerkbau, erweitert und umgebaut im Stile der Weserrenaissance, beherbergt heute das historische Museum der Stadt.
Der neue Garten an der „Hintertür“ des Museums © Fotoarchiv Stadt Verden (Aller)
Passend zum Gebäude geht´s hier geometrischer zu. Der Garten wirkt durch die Betonung des Museumseingangs und der Sitzgelegenheiten formaler. Der Übergang zum eher naturbelassenen Gartenteil beim Störtebekerbrunnen ist klar zu erkennen. Hier spürt man, dass Architektur und Garten sich ergänzen und harmonieren.
Der Störtebekerbrunnen © Fotoarchiv Stadt Verden (Aller)
Warum ich diese Gärten liebe?
Um das zu erklären, muss ich die Planer:innen dieser Gärten zitieren:
„Urbane Umweltakkupunktur“!! – Eine Wortakrobatik ganz nach meinem Geschmack.
Sie sind nicht spektakulär wie große Parks oder botanische Gärten, manchmal erscheinen sie beiläufig und manchmal weiß man nicht, wie man ihre Wirkung beschreiben soll.
Schnell kommt einem der Gedanke: „Sind ja nur ein paar Quadratmeter!“.
Aber als kleine grüne Pixel in der Stadt tun sie gut, lassen spontan die Seele baumeln und verführen beiläufig zum Durchatmen.
Ein ruhiges schattiges Plätzchen am Brunnen © Fotoarchiv Stadt Verden (Aller)
Das grüne i-Tüpfelchen
Wenn man´s genau nimmt gehört das i-Tüpfelchen nicht zu den Innenstadtgärten – aber die Idee der Innenstadtgärten wird hier temporär ergänzt. Die Klima-Oase vor dem historischen Rathaus.
Im letzten Jahr noch ein Pilotprojekt – in diesem Sommer schon herbeigesehnt. Auf dem Rathausplatz finden sich lässige Sitzgelegenheiten mit großen Kübelpflanzen, die Schatten spenden. Hier sehe ich oft Menschen bei einem Käffchen sitzen, manche genießen ihre Mittagspause, manche lesen ein Buch, manche nutzen sie als Treffpunkt und wieder andere arbeiten sogar hier an ihrem Laptop an frischer Luft und im Schatten. Der Clou an besonders heißen Tagen ist der Sprühnebel-Rahmen, der Jung und Alt beim Schlendern über den Rathausplatz einen kleinen Umweg hindurch machen lässt.
Die Klimaoase auf dem Rathausplatz © Fotoarchiv Stadt Verden (Aller)
Kommt vorbei, entdeckt bei einem Stadtspaziergang diese kleinen Wunder auf kurzen Wegen und genießt mitten in der Stadt Natur, Entschleunigung und Abkühlung.

