Website-Icon about cities | Der Städteblog für Niedersachsen

Ein bisschen unheimlich: Übernachten im Schatten der Burg Brome

Der Sleeperoo-Schlafwürfel im Garten der Museumsburg Brome

Der Sleeperoo-Schlafwürfel im Garten der Museumsburg Brome © Beate Ziehres

Das Lied der Grillen ist das Letzte, an was ich mich erinnere, als ich mitten in der Nacht aufwache. Ein lautes, undefinierbares Grunzen vor meinem Bett hat mich geweckt. Ich öffne die Augen – ahnend, dass ich den Urheber des Geräuschs nicht sehen werde. Über mir scheint der Mond. Der Wind treibt schwarze Wolkenfetzen durch das Bild. Im Hintergrund erkenne ich die Umrisse der Burg Brome – mal beleuchtet durch das fahle Licht des Erdtrabanten, mal nur als Schatten in der Dunkelheit.

Mein Bett steht heute im Garten der Burg Brome bei Gifhorn. Es ist kuschelig warm, bequem und mitten in der Natur. Am Morgen weckt mich der vielstimmige Gesang der Vögel. Durch die Panoramafenster erblicke ich nichts als entspannendes Grün und die ehemalige Wasserburg. Hinter mir liegt die erste Nacht meines Lebens im Sleeperoo.

Der weiße Design-Würfel mit dem Bett im Inneren lädt in diesem Sommer zu einer Übernachtung am östlichsten Zipfel des Landkreises Gifhorn ein. Wie eine vorwitzige Nase ragt Niedersachsen an dieser Stelle nach Sachsen-Anhalt hinein. Diese Lage ist heutzutage unspektakulär.

Brome im Landkreis Gifhorn: seit 1989 ein friedlicher Ort

Vor dem Schlafengehen im Sleeperoo habe ich einen Abendspaziergang um die Burg herum unternommen. Eine idyllische Holzbrücke führt über das Flüsschen Ohre, das hier an manchen Stellen Grenzfluss ist. In der friedlichen Landschaft schwärmen die Mücken und verspätete Junikäfer drehen ihre Runden.

Blaue Stunde an der Ohre © Beate Ziehres

Eine friedliche Atmosphäre herrscht in Brome allerdings erst seit 1989. Bis zu diesem Zeitpunkt trafen hier die westliche Welt und der Ostblock aufeinander. 200 Meter von der Burg entfernt verlief der undurchlässige eiserne Vorhang mit seinen negativen Begleiterscheinungen.

Wehrhafte Burg in strategisch wichtiger Lage

Im Hochmittelalter fungierte die Burg Brome als Grenzfeste des Herzogtums Braunschweig-Lüneburg. Wer aus dem Machtbereich der askanischen Markgrafen von Brandenburg trockenen Fußes ins Braunschweigische wollte, musste die wehrhafte Burg Brome passieren. Denn wenige Kilometer südöstlich der Burg erstreckt sich das Feuchtgebiet Drömling. Immer wieder sollen zu Kriegszeiten fremde Heere in den Sumpf gelockt und so geschlagen worden sein. An die vielen toten Soldaten muss ich denken, als ich in der Nacht das schaurige Schauspiel am Himmel beobachte. „Wir können davon ausgehen, dass diese Burg militärisch genutzt wurde und dementsprechend ausgestattet war“, hat Christine Fabian gesagt. Die Museumspädagogin zeigte mir am Nachmittag die Burg und auch die Stelle, an der eine Zugbrücke Zugang zur Burg gewährte.

Die Burg Brome bei Gifhorn heute © Beate Ziehres

Erweiterungspläne im 18. Jahrhundert wurden nicht realisiert

Einmal in der Geschichte, um das Jahr 1750, gab es große Pläne für die Burg. Gebhard Werner von der Schulenburg wollte die Anlage zu einer repräsentativen Dreiseitburg ausbauen. Der Graf plante außerdem zwei Renaissancegärten, um einen stilvollen Eingangsbereich zu schaffen.

Als ich den Kopfsteinpflasterhof heute vom Parkplatz mit Wohnmobilstellplatz aus betrete, sehe ich eine einflügelige und einstöckige Anlage, an deren Kanten jedoch Steine herausstehen. Sie sollten mit der nächsten Mauer verbunden werden. Und ich erkenne: Die hochtrabenden Pläne sind gescheitert. Immerhin hatte der Graf von der Schulenburg-Wolfsburg detaillierte Zeichnungen des Istzustandes der Burganlage anfertigen lassen. Und die kamen den Bauherren der Neuzeit zugute.

Einsturzgefahr und Sanierung im 21. Jahrhundert

Denn im Jahr 2009 wurden äußerst umfangreiche Sanierungsarbeiten unumgänglich. Fünf Jahre lang blieb die Burg für Besucher geschlossen. „Die Burg war einsturzgefährdet“, erinnert sich Christine Fabian. 

Natürlich will ich wissen, wie es soweit kommen konnte. Ich erfahre, dass die trutzige Burg wegen des sumpfigen Untergrunds auf Spickpfählen gegründet war. Diese Pfähle sind unverwüstlich, solange sie feucht bleiben. Doch wenn das Holz trockenläuft, droht die Gründung wegzubrechen. Und genau das ist in Brome geschehen. „Nach 800 Jahren war der Grundwasserspiegel komplett gestört“, so Fabian.

Besonders dramatisch stellte sich die Lage im Turm dar. Denn hier war nur die Außenmauer auf Pfählen gegründet. Das Herzstück des Treppenturms, die Spindel, stand schon immer auf massivem Feldstein und senkte sich nicht ab. Die Folgen für die einzige Treppe des Gebäudes kann sich jeder ausmalen.

Die gerissenen Stellen an den Treppenstufen sind noch zu sehen © Beate Ziehres

Augenscheinlich war auch ein jahrhundertealter Konstruktionsfehler: Die östliche Giebelmauer der Burg neigte sich immer stärker nach außen. Dafür war das Gewölbe im Inneren verantwortlich. Im Jahr 2009 hatte sich diese Mauer beängstigend weit vom restlichen Gebäude entfernt.

Neue Fundamente für die Burg Brome  

Richtig verblüfft bin ich über die Techniken, derer man sich bediente, um die Burg wieder zu stabilisieren. Meter für Meter wurde das morsche Holzfundament freigelegt und neu gemauert. So steht das historische Bauwerk heute auf einem soliden steinernen Fundament. Die Giebelwand wurde mit acht Meter langen Ankern und einer massiven Konstruktion fixiert. Von dieser ist nur ein Betonpfeiler sichtbar. Doch in der Erde befindet sich ein mächtiges Widerlager aus Stahlbeton.

Stabilisierter Ostgiebel © Beate Ziehres

Da man gerade dabei war, nutzte die Gifhorner Kreisarchäologie die Gelegenheit für Ausgrabungen und Forschungen auf der Burg Brome. Der Hof wurde um 60 Zentimeter abgesenkt und so auf Originalniveau gebracht.

Sensationsfund in der Burg

Eine Überraschung erlebten die Archäologen, nachdem 80 Zentimeter des Bodens in der Burg aus umwelt- und gesundheitstechnischen Gründen abgetragen waren: Sie entdeckten die Reste der burgeigenen Brauerei. Hier wurde mindestens vom 16. bis ins 18. Jahrhundert hinein Bier gebraut. Durch einen Glasboden sind die steinernen Zeugnisse aus der Vergangenheit heute sichtbar.

Die Reste der Brauerei in der Burg Brome © Beate Ziehres

„Wir rechnen dem Landkreis Gifhorn sein Engagement bei der Rettung der Burg wirklich sehr hoch an“, sagt Dr. Florian Westphal, Leiter der Museen im Landkreis Gifhorn. Mithilfe der historischen Zeichnungen des Grafen von der Schulenburg konnten viele Details wieder originalgetreu hergestellt werden.

In der Burg Brome wurde Geschichte gelebt

So habe ich die Burg mit rotem Anstrich kennengelernt, heute trägt sie ein stolzes Weiß. Bei einem Rundgang durch die Innenräume kommen wir durch das original blau vertäfelte Kabinett. In diesem kleinen Raum hat sich der Richter zu Zeiten, als die Burg Brome Gerichtsort war,  auf die Verhandlung vorbereitet. „Hier wurden tatsächlich auch Todesurteile gefällt, die später beim Nachbarort Zicherie vollzogen wurden“, erzählt Florian Westphal. Auch original Fenster mit mundgeblasenen Scheiben sind im Archiv, dem damaligen Gerichtssaal, noch erhalten.

Christine Faber zeigt den beeindruckenden Original-Verschlussmechanismus des Fensters im Archiv © Beate Ziehres

Handwerkliches Leben ist Thema im Museum Burg Brome

Zur Wiedereröffnung im Jahr 2014 bekam auch das Museum Burg Brome einen ganz neuen Charakter. Zwar spielte das handwerkliche Leben schon seit ich denken kann eine Rolle in der Dauerausstellung. Neu ist, dass die Besucher eingeladen sind, vieles anzufassen und sich im wahrsten Sinne des Wortes die Hände schmutzig zu machen. „Es war ein Glücksfall, dass wir damals die ganze Ausstellung neu denken durften“, sagt Dr. Westphal. Und ich merke ihm und der Museumspädagogin an, wie viel Spaß sie dabei haben, selbst Hand anzulegen in der Werkstatt des Schmiedes, des Schuhmachers oder des Drechslers.

Wenn es nach Holz und Schmiedekoks duftet …

Alle Werkstätten sind authentisch eingerichtet und warten nur darauf, dass Handwerker kommen und die Räume zum Leben erwecken. Beispielsweise an den Aktivsonntagen duftet es wieder nach frischen Holzspänen, Hanf oder Schmiedekoks. In der funktionierenden Schwarzschmiede werden übrigens regelmäßig Schmiedekurse angeboten.

Dr. Florian Westphal und Christine Fabian machen sich in der historischen Schwarzschmiede zu schaffen © Beate Ziehres

Die Schmiede mit dem riesigen Blasebalg gehört neben der Küche mit dem eindrucksvollen Kreuzgratgewölbe zu meinen persönlichen Lieblingsräumen in der Burg. Die alten Kohleherde sehen nicht nur aus, als ob sie regelmäßig zum Kochen genutzt würden. Ich weiß, dass sie beispielsweise geschürt werden, um die legendären Burg-Brome-Buchweizenpfannkuchen zu braten. Mit hausgemachtem Apfelmus sind sie ein Gedicht, das mir immer in Erinnerung bleiben wird!

Burggarten, Bienen und süße Kirschen

Mit dem Gedanken an diesen Genuss verlasse ich das historische Gemäuer, um mich einem ganz anderen Teil der Anlage zu widmen. Wie sagt doch Christine Fabian: „Im Prinzip war die Burg Brome ein großer landwirtschaftlicher Betrieb.“ Deshalb gibt es auf dem Grundstück der Burg heute Bienenkörbe und einen Nutzgarten.

Der Burggarten wurde nach den Plänen des Grafs von der Schulenburg angelegt. Hier gedeihen Gewürz- und Heilkräuter, Gemüse und Färbepflanzen – also alles, was in einem mittelalterlichen Haushalt benötigt wurde. Die Bienen sind heute als Stellvertreter von Kühen, Ochsen, Schweinen, Pferden und allerlei Geflügel anzusehen. Die Tiere wurden seinerzeit im sogenannten Vorwerk gehalten. Das Vorwerk war von der Funktion her ein großer Bauernhof.

Auch ein mächtiger Kirschbaum erinnert heute noch an diese Zeit. Er steht im Dreieck zwischen Burggarten, Bienenkörben und meinem Outdoor-Schlafzimmer für die Nacht. Die süßen, saftig-dunkelroten Kirschen laden zum Naschen ein und ich mache ausgiebig Gebrauch, bevor ich mich auf ein lauschiges Sitzplätzchen im Garten verziehe. Mit einer Flasche Rotwein, Knabbereien und köstlicher Schokolade aus dem Sleeperoo Chill-Pack genieße ich die abendliche Ruhe und lausche den Stimmen der Natur.

Romantischer Ort für den Abend und die Nacht © Beate Ziehres

Auf dem Burgturm nach der Sonne suchen

Zweimal erklimme ich alle Stufen des Turms, um oben aus dem Fenster zu schauen. Doch leider bekommt die Sonne an diesem Abend keine Chance. Sie versinkt unsichtbar am bewölkten Horizont hinter Brome. Doch das ist der einzige Wermutstropfen dieses Ausflugs mit Übernachtung im Sleeperoo im Garten der Burg Brome.

Blick aus dem Turmfenster auf Brome © Beate Ziehres

Habt ihr jetzt auch Lust auf ein Mikroabenteuer vor den Toren der Stadt Gifhorn bekommen? Das Sleeperoo lädt noch bis Oktober im Garten der Burg Brome zu einer Übernachtung mitten in der Natur ein. Im Übernachtungspreis ist der Eintritt ins Museum Burg Brome und ein Chill-Pack mit Knabbereien und Getränken für den Abend inbegriffen. Außerdem habt ihr die Möglichkeit, von der Spitze des Burgturms aus den Sonnenuntergang oder den Sonnenaufgang über dem Drömling zu beobachten.

Weitere Infos zum Sleeperoo und zur Burg Brome gibt es hier:
https://www.suedheide-gifhorn.de/unterkuenfte-angebote/sleeperoo

Die mobile Version verlassen