Osnabrück ist außergewöhnlich grün. Als einzige Großstadt Deutschlands liegt sie mitten in einem Natur- und UNESCO Geopark, dessen grüne Finger sich am Piesberg sogar bis in die Stadt hinein erstrecken. Insbesondere im Sommer schätze ich unser vielfältiges Stadtgrün sehr: Bürgerpark, Schlossgarten, Rubbenbruchsee und der Botanische Garten der Universität sind tolle Spots zum Picknicken mit Freunden oder zum Entspannen im Schatten großer Bäume. Auch die beiden historischen Friedhöfe sind mit ihrem umfangreichen Programm an Führungen, Konzerten, Lesungen und Ausstellungen nicht nur schöne Anlaufpunkte zum Spazieren gehen, sondern auch abwechslungsreiche Kulturorte.
Geheimtipp für Gartenfans
Und dann gibt es noch einen echten Geheimtipp: einen besonderen Naturort, der – etwas versteckt am Schölerberg – auf kompakter Fläche jede Menge zu bieten hat! Dabei ist der Schölerberg als Ausflugsziel weit über die Grenzen Osnabrücks hinaus eine feste Größe. Hier liegen der Osnabrücker Zoo und direkt nebenan das naturkundliche Museum am Schölerberg mit dem Planetarium. Was viele jedoch nicht wissen: Neben dem Museum befindet sich ein liebevoll angelegter Naturgarten, der ganzjährig kostenfrei und unabhängig von den Öffnungszeiten des Museums zugänglich ist. Ein richtiges Kleinod mit Lehrpfad-Charakter und wildem Charme.
Ein summender, brummender Mikrokosmos
Schon beim Betreten fällt mir auf: Hier geht es nicht um akkurat gezogene Rasenkanten, sondern um Natur, die lebt und Lebensraum zugleich ist. Es summt und raschelt in allen Ecken. Bienen und Hummeln schwirren zwischen Wildkräutern und Obstbäumen. Schmetterlinge flattern durch die Hochbeete. Obwohl der Garten mit seinen rund 5.000 Quadratmetern überschaubar ist, gibt es viel zu entdecken. Ich passiere einen kleinen Teich, sehe Libellen, höre Frösche, beobachte das Treiben an den Wildbienenständen und entdecke die etwas versteckten Honigbienenstöcke. Es folgen verschiedene thematische Bereiche: Stein-, Bauern- und Apothekergärten, Hochbeete und Fallobstwiesen, Beete mit Färber- und Energiepflanzen. Auch ein Hühnerstall gehört dazu. Und dann liegt angrenzend noch der kleine Sinnesgarten mit Barfußpfad, Summstein, Klanghölzern und viel Ruhe zum Verweilen.
Vielfalt statt Perfektion
Das Credo des Museumsgartens: loslassen, die Natur leben und wachsen lassen und nur da eingreifen, wo es notwendig ist. So kann ein Garten naturnah und einladend sein, ohne dass er verwildert wirkt. Statt kurz geschorenem Rasen findet man hier insektenfreundliche Wiesen und Gräser. Statt exotischer Zierpflanzen wachsen heimische Arten, alte Sorten, Stauden und Wildkräuter. Viele Pflanzen, deren Nutzen für den Alltagsgebrauch man oftmals längst vergessen hat, lassen sich hier neu entdecken. Das Bewahren alter Pflanzensorten und die Weitergabe traditionellen Gartenwissens spielen eine zentrale Rolle. Andrea Hein, die im Museum am Schölerberg den Bereich Umweltbildung leitet, erzählt wie vielseitig und nützlich beispielsweise all das sein kann, was wir meist als „Unkraut“ bekämpfen. Aus Giersch, so lerne ich, lassen sich erfrischende Limonaden zaubern! Ein passendes Rezept hat Andrea natürlich direkt parat.
Praktische und umweltfreundliche Lösungen
Gleichzeitig zählen auch die ökologischen Herausforderungen der Zukunft zu den zentralen Themen des Gartens. Welche Pflanzen kommen mit Hitze und Extremwetter zurecht? Wie gieße ich in Trockenphasen richtig? So lerne ich, dass die Durchwachsene Silphie, deren Form mich etwas an eine Sonnenblume erinnert, sich hervorragend für die Energiegewinnung eignet und dass Bodendecker wie der begehbare Thymian eine umweltfreundliche Alternative zu pflegeintensivem Rasen sind. Immer wieder wird mir bewusst, wie leicht viele der Ideen und Lösungen, die man hier im Garten findet, auch zuhause umgesetzt werden können.
Zum Probieren, Anfassen und Nachmachen
Entlang der Wege erläutern kleine Infotafeln einige der Themenbereiche oder geben praktische Tipps: vom amphibienfreundlichen Teich bis zur Totholzhecke als Lebensraum für Igel und Vögel. Je nach Jahreszeit kann man hier und da auch gerne für eine Verkostung zugreifen. Richtig lecker: die Himbeeren direkt vom Strauch. Besonders überraschend: die essbaren Blütenblätter der Kapuzinerkresse mit ihrem angenehm würzigen Geschmack.
Ein Ort für alle, die gerne draußen lernen und verweilen
Was den Museumsgarten so besonders macht, ist seine Vielseitigkeit! Wer einfach nur Natur genießen möchte, ist hier genauso richtig wie alle, die sich mit nachhaltigem Gärtnern beschäftigen möchten. Ein Besuch lohnt sich besonders im Rahmen eines der regelmäßig stattfindenden Workshops und Führungen. In diesen werden die verschiedenen Themen des Gartens vertieft und viel Wissen und praxisnahe Tipps geteilt! Im Frühjahr und Herbst lädt der Garten außerdem zu großen Gartenfesten mit zahlreichen Mitmachangeboten ein.
Aktuelle Events im Juli und Augst:
26. Juli 2025 – Gartenworkshop: „Garten im Klimawandel“
Wie bereite ich meinen Garten auf heiße Sommer vor? Es geht um Mulchtechniken, trockenresistente Pflanzen, Regenauffangsysteme und alternative Bodenabdeckungen.
29. Juli 2025 – Grüne Stunde: „Ulme, Esche und Co. – Kenne deine Bäume“
Unsere heimischen Bäume erzählen interessante Geschichten. Aber an welchen Merkmalen erkennt man sie? Und von welchen darf man naschen?
07. August 2025 – Abendspaziergang: „Magische Geschichten zu Kräutern und Früchten“
Ein abendlicher Rundgang mit spannenden Geschichten rund um Pflanzen und ihre mythische Bedeutung – vom Liebesapfel bis zum Orakelkraut.
09. August 2025 – Gartenworkshop: „Aus dem Beet ins Glas – Einlegen, Einkochen und Fermentieren“
Wenn der Garten liefert, wird eingekocht: Apfelessig ansetzen, Marmelade kochen, Fermentieren – ein Nachmittag voller Wissen rund ums Haltbarmachen.
19. August 2025 – Grüne Stunde: „Bunte Würze – Regenbogen-Kräutersalz“
Nach einer gemeinsamen Kräutersuche werden aus gesammelten Kräutern und Blüten individuelle Kräutersalze hergestellt.
