Insider-Tipps für Reisen und Ausflüge in Niedersachsen

Von Bremerhaven in die fantasievolle Rum-Welt von „Copper & Brave“

Autor: Dörte

Was Bremerhaven, Netflix, Voodoo und illegale Boxkämpfe miteinander zu tun haben? Unglaublich viel – nämlich hochprozentigen Rum! Die Verbindung stellen die Menschen von „Copper & Brave“ her.

Rum gehört zur Seemannskultur, wie das Buddelschiff und die Äquatortaufe. Seit dem 17. Jahrhundert gehen Seemänner mit dem Fässchen auf das Meer, meist dargereicht in sparsamen Rationen und zu Grog verdünnt mit Zucker und Wasser. Bis heute kennen die meisten „Landratten“ Rum nur als billiges Partygetränk, das dem einen oder anderen Cocktail beigefügt wird.

Barkeeper

Barkeeper Edi im Hotel Haverkamp hat sichtlich Gefallen daran, „Voodoo Priest“ zu servieren. © Dörte Behrmann

Doch Kenner wissen, wie komplex und vollmundig Rum im Gaumen wirken kann. Und während der Kulinarik-Trend gerade um Gin einen Hype macht, heißt es, das nächste Premiumgetränk wird Rum sein. Das wäre ganz in meinem Sinne. Denn mit „Rumble Harbor“ und „Voodoo Priest“ standen neulich zwei Rumsorten aus Bremerhaven an der Bar im Hotel Haverkamp vor mir, die nicht nur erstklassig schmecken. Allein deren Darreichungsform vermag selbst Rum-Nichttrinker zu beeindrucken.

Rumflasche

Einfach schön inszeniert: die Rumsorte „Rumble Harbor“ im Produktfoto (c) Copper & Brave

New York 1932. Arbeitslosigkeit, Prohibition und Hoffnungslosigkeit regieren. Im Brooklyn Navy Yard vertrauen die sechs härtesten Männer der Werft auf ihre eisernen Muskeln und illegalen Faustkämpfe. Und auf einen besonderen Rum, um diesem Elend zu entfliehen.
Die Menge tobt, Gentlemen und Gangster wetten gleichermaßen und der Rum fließt in Strömen. „Lasst die Kiefer krachen, ihr Ratten!“ Jeder lauert darauf, dass der erste Zahn fliegt. [aus der Produktbroschüre für „Rumble Harbor“]

Zugegeben, ein wenig martialisch klingt das schon. Wer sich aber die dazugehörige Flasche „Rumble Harbor“ anschaut, der sieht die Geschichte, die da gesponnen wird, tatsächlich vor sich: die Flasche ist angestoßen und wirkt mit ihren Blessuren, als käme sie gerade aus dem Staub, den die Männer bei ihren Boxkämpfen aufwirbeln. Den Korken hält ein grobes Stück Hanfseil und an einem gedrehten Kupferdraht ist ein Schildchen mit den Initialen „RH“ befestigt. Der Hit aber ist der Zahn, der die Story um die Faustkämpfe in jede Flasche bringt. Aber keine Sorge, dieser ist nicht in den 1930ern aus dem Boxring aufgesammelt, sondern wird heute detailgetreu aus Keramik hergestellt.

Rumflasche mit feder

Mit viel Liebe zum Detail wird jede Flasche von Hand bearbeitet und verziert. © Dörte Behrmann

Einen Schritt weiter geht die Sorte „Voodoo Priest“, die jamaikanischen Rum mit karibischer Lebenskraft und okkulten Ritualen zusammenführt. Hier prangt ein aufgebrachter Hahnenfuß auf dem Flaschenhals, ein weißer Handabdruck manifestiert den Priesterkult der Karibik. Und in die Flasche ist Rum mit der Farbe „trübe, eruptive Magma“ eingefüllt. Für den Duft haben die Macher diese Worte gewählt:

Geheimnisvoll, mysteriös, exotisch, dominante Zitrusblumen mit feinen Anflügen von Zimt und Vanille, zusammengefasst durch betörenden Ingwer. [aus der Produktbroschüre für „Voodoo Priest“]

Klingt aufregend? Ist aufregend!

Rumflaschen

Jede Flasche ist einem Helden der Brooklyner Boxwelt aus 1932 zugeordnet. Wer schon Spaß an dieser Dramaturgie hat, der wird das dazugehörige Booklett lieben, das mit viel Fantasie und Sprachfreude spannende Geschichten um die Helden erzählt. © Copper & Brave

Meine Kollegin Tanja, mit der ich die Welt von „Copper & Brave“ so genussvoll betreten habe, erzählt euch hier in unserem Städteblog mehr vom Geschmackserlebnis.

Insgesamt sind die Rumsorten von „Copper & Brave“ mehr als Getränke, es sind Produkte einer, wie ich finde, genial entwickelten Marke. Für die ist die Bremerhavener Agentur Braue verantwortlich, die vor zwei Jahren damit begann, eine Welt rund um die beiden Kunstfiguren Gabriel Copper und Tyler Brave zu entwickeln. „Wir wollten eine Story kreieren, die das Zeug hätte bei Netflix zu laufen“, formuliert Agenturchef Kai Braue im Interview den Anspruch.

New London 1867. Gabriel Copper und Tyler Brave konnten der Welt bereits mehrfach nach Rückkehr von ihren gefährlichen Expeditionen durch die Zeit einzigartige Destillate präsentieren, die unsere Lustregionen des Gehirns auf bislang unbekannte Art stimulieren können. Doch ihre Zeitreisen fordern einen hohen Preis für das stetige Verzerren der natürlichen Ordnung: Es desintegriert und zerstört allmählich die Stofflichkeit der beiden Wissenschaftler. Seitdem führen sie ein mysteriöses Schattendasein, unbemerkt pendelnd zwischen Raum und Zeit. [aus der Website]

Ausgerechnet die Zaghaftigkeit eines Agenturkunden gab den Impuls für das Rum-Engagement. Für diesen hatten die Marketingfachleute nämlich ein Produkt entwickelt, dass „mutig, spannend, anders“ war – und den Kunden damit einfach überforderte. „Um den Frust abzubauen, haben wir die Idee dann nur so für uns umgesetzt“, erinnert sich Kai Braue. Kurzerhand wurde der Erstling „Voodoo Priest“ in einer kleinen Auflage als Geschenk für Agenturkunden zu Weihnachten hergestellt – die dann im März wieder vor der Tür standen und sich weitere Flaschen wünschten.

Zutaten in der Küche

So fing alles an: In der heimischen Küche suchte Kai Braue nach der Rezeptur, die die konzipierte Markenwelt am besten verkörpert. Gefunden hat die dann ein Experte für Destillerieprodukte. © Kai Braue

Diese Begehrlichkeit hält bis heute an und steigert sich noch. Das hat sicher nicht nur mit dem raffiniertem Geschmack der Rumsorten zu tun, sondern auch mit der Liebe und Leidenschaft für die Darreichung, die Verpackung. Drei Wochen dauert der Veredelungsprozess der Flaschen, bei der sowohl Diamantschleifer als auch Sandstrahler eingesetzt werden, die vor allem aber in Handarbeit vor sich geht. Braue will die Anzahl der verkauften Flaschen nicht nennen, gibt aber eine „Steigerung von 350 Prozent von 2016 auf 2017“ zu Protokoll.

Dazu beigetragen hat aber sicher auch Edi, der Barkeeper des Hotels Haverkamp in der Bremerhavener Stadtmitte. Im früheren Leben Animateur eines Mittelmeerklubs ist Edi der geborene Rum-Charmeur. Er hat Freude daran, die Rums von Copper & Brave zu inszenieren und erklärt die Schritte, bis der Voodoo Priest feurig in einem Glas vor mir steht.

2 Rumgläser

Totenkopf-Gläser, randvoll gefüllt, mit einem speziellen Pülverchen angezündet –angefeuerte Vorfreude auf den Voodoo Priest, der dann sanft-exotisch in die Kehle rollt. © Dörte Behrmann

Die Website www.copper-and-brave.de zeigt, wo dieser besondere Rum in Norddeutschland live zu bekommen ist. Sie dient aber vor allem als Showroom und Online-Shop und weist auch die neueste Kreation aus: „Voodoo Priest Volcano“. Die Geschichte geht also weiter …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Ich akzeptiere