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Die braubar in Wolfenbüttel

Autor: Andreas

Handwerkliches Bierbrauen liegt im Trend. Auch in Wolfenbüttel. Nun gibt’s sogar eine schicke braubar. Ich treffe die beiden Macher André Volke und Andreas Stebner.

Noch deutet nichts darauf hin, dass hier in einigen Wochen schon ein reges Treiben herrschen wird. Zum Zeitpunkt meines Besuches in der Okerstraße 16 in Wolfenbüttel. Ein paar Schritte nur von der »Langen«, der Lebensader der Wolfenbütteler Innenstadt entfernt, gibt eine neue Genussadresse. Auf der »Langen Herzogstraße« kann man in Ruhe shoppen und gleichzeitig bauhistorische Substanz bestaunen. Jeder Balken der Fachwerkhäuser erzählt eine Geschichte. Und wer (trotzdem) pflastermüde geworden ist, der muss sich nicht lange umsehen, bis er kulinarische Labsal und Entspannung finden kann. Bald auch in der Okerstraße 16. Und wenn dieser Blogbeitrag sich in die Weiten des weltweiten Netzes speist: jetzt. Jetzt wieder. Denn alte Lessingstädter und Freunde der Okerstadt erinnern sich, dass hier vor einer gefühlten Ewigkeit das »La Domenica« war. Francesco Scacianocce hat seinen italienischen Genusstempel ins Zeughaus verlegt und die alten Räume liegen seit acht Jahren im Dornröschenschlaf. André Volke und Andreas Stebner sind die Prinzen, die die schlafende Location wachgeküsst haben. Ich bin mit den beiden verabredet und darf schon einmal einen Blick in die »braubar« werfen. So steht es über der Tür auf einem edlen schwarzen Schild. Die Auslage draußen ist noch nicht »befüllt« ein Kabel hängt nutzlos in dem grauen Rahmen, in dem bald die Spezialitäten des Hauses angepriesen werden.

Edel und dezent weißt das Schild bereits auf die braubar hin

Edel und dezent weißt das Schild bereits auf die braubar hin / Foto: Andreas Molau, Stadt WF

Es wird gewerkelt

Als ich mich durch die Tür zwänge, steht André Volke auf der Leiter im Eingangsbereich und bringt eine Lampe an. Andreas Stebner telefoniert derweil und dirigiert dabei einen anderen Handwerker, während er mich mit einem Kopfnicken begrüßt und mir mit einem kurzen Blick einen Stuhl anbietet. Die beiden sind also einen Augenblick beschäftigt. Da kann ich mich ein wenig umschauen. Erinnerungen kehren zurück an manch genussvollen Abend bei Francesco. Die meisten Stühle sind noch verpackt, die Bodenfliesen edel grau, frische Farbe ist an der Wand und schenkt dem Raum eine freundliche Atmosphäre. Durch ein Glasfenster kann ich auf das Herzstück der Braubar blicken. Blitzblank stehen da neue Braukessel und warten darauf, dass in ihnen Gerstensaft gebraut wird. Da ist der Kamin, der auch schon ohne Feuer eine behagliche Atmosphäre schafft. Draußen zeigt sich, dass Wolfenbüttels Altstadt sogar in den Hinterhöfen wunderbar ist. Hier wird im Sommer bald Biergartenatmosphäre herrschen. Nur heute nicht. Denn während ich einen Blick hinaus wage, ergießt sich ein Sturzregen in den warmen Frühlingstag und kühlt die Luft rasch herunter. Das Projekt der STEBNER Privatbrauerei von Andreas Stebner, das in einem Gartenhäuschen in Sickte, einem kleinen Dorf bei Wolfenbüttel, begonnen hat, nimmt nun Gestalt an. Überall wird gehämmert und aufgebaut und getragen. Nur die Küche sieht schon so aus, als könne man gleich loslegen. Und im Kühlraum stehen bereits die einen oder anderen Fässchen des beliebten Gerstensaftes, der dem Lokal seinen Namen verleiht.

Der Vorrat wächst … / Foto: Andreas Molau, Stadt WF

»Liebe auf den ersten Blick«

Dass es sich so gut mit der STEBNER Privatbrauerei entwickelt hat, liegt sicher auch daran, dass die beiden sich gefunden haben: André Volke und Andreas Stebner. Ob es »Liebe auf den ersten Blick« gewesen sei, möchte ich wissen, nachdem sie sich nun ebenfalls einen Stuhl genommen haben und mir mit Buddy gegenübersitzen. Buddy ist der freundliche Brauhund, wie Andre Volke mir mit einem Augenzwinkern verrät. Und in seiner humorvollen Art fügt er gleich an: »Wir haben uns erst den Brauwagen gekauft und haben dann geschaut, ob wir uns mögen. Der Brauwagen war das erste Projekt der beiden. Volke hat zwei Sportgeschäfte und ist sehr intensiv im Internetgeschäft tätig. Stebner arbeitet eigentlich bei einem großen Finanzdienstleister in der Region. Zuerst produzierte er Feinkost, später sein Bier, und die beiden lernten sich bei der Initiative »Onlinecity Wolfenbüttel« kennen. André Volke, der durch seine Zulieferer tschechischen Wein kennengelernt hatte und Andreas Stebner mit seinem Bier – die beiden fanden sofort, da könne man mit einem gemeinsamen Schankwagen ein bisschen Farbe in den Alltag reinbekommen. Nicht jeder schafft sich in seiner Freizeit Schankwagen an. Das Beispiel Stebner-Volke zeigt aber, dass es schlechtere Ideen gibt …

André Volke und Andreas Stebner

André Volke, Andreas Stebner und Brauhund Buddy / Foto: Andreas Molau, Stadt WF

Das Projekt hat Fahrt aufgenommen

Seitdem haben die gemeinsamen Projekte ordentlich Fahrt aufgenommen und die beiden hängen an ihre normalen Arbeitstage noch einmal gut einen zweiten dran. »Wenn unsere Familien nicht so fabelhaft mitziehen würden, wäre all das gar nicht möglich«, räumt Andreas Stebner ein. Dazu kämen Freunde und Verwandte und vor allem auch der Zufall. Oder wenn man an den nicht glauben möchte: die Fügung oder das Schicksal. Der Schankwagen schlug wie eine Bombe ein nach dem ersten Stadtfest in Wolfenbüttel und in Sickte kamen sie mit dem Bierbrauen gar nicht mehr nach. »In den kleinen Räumlichkeiten waren die Kapazitäten viel zu klein geworden und dann war das Brauen im Winter wegen der mangelnden Isolierung ein Problem«, erinnert sich Stebner. Also schauten sich die beiden nach einem geeigneten Objekt in Wolfenbüttel um. Da bot sich das alte »La Domenica« in der Okerstraße an, fand Andreas Stebner sofort. Nicht unmittelbar, denn nur als Produktionsstätte passte es nicht wirklich. Aber die Idee der Braubar, die die beiden eigentlich für eine spätere Zukunft realisieren wollten, lachte den Neubrauer an. »Ich habe doch eine ganze Zeit gebraucht, bis ich mich überzeugen lassen konnte das jetzt schon zu wagen«, schmunzelt André Volke. Und Andreas Stebner setzt lachend nach: »Ich bin immer dran geblieben, bis er ja gesagt hat.« Von den ersten Überlegungen bis zur vollständigen Realisierung sind nun fast drei Monate ins Land gegangen. Am 2. Juni sollen die Türen für die Bier- und Weinliebhaber aufgehen.

Zufall oder Fügung?

In diesen drei Monaten ist viel passiert. Nicht nur in den Räumlichkeiten, die schon jetzt, im Rohbau, eine leichte Eleganz ausstrahlen, die sich bestens mit den dem rustikalen Charme des alten Fachwerkgebäudes vereint. Denn allein, da geben sich die beiden sehr bescheiden, hätte man das Ganze nicht schaffen können. Aus dem Zweiergespann ist inzwischen ein richtiges Team geworden. Aber wo andere Agenturen benötigen, um die richtigen Leute zu finden, da kommt den beiden der Zufall entgegen. Oder eben die Fügung. Da ist zunächst Vincent Schröder, den ich bei der Begrüßung noch kurz kennenlernen kann. Ein sympathischer junger Mann, der freudestrahlend das Ergebnis seines Pilsener-Brausudes kundtut. Er ist selbst begeistert und Andreas Stebner freut sich ehrlich. »Pilsener ist die hohe Schule und mit meinem Rezept und der Braukunst von Vincent haben wir das geschafft.« Der Brauer und seine Lebensgeschichte wären vermutlich eine eigenen Beitragwert und taugt als gutes Beispiel, dass man immer dem Herzen folgen sollte. Konfuzius sagte ja einmal, dass, wer seinen Beruf liebe, keinen weiteren Tag mehr arbeiten müsse. Das muss sich der Versicherungsvertreter auch gedacht haben, der seinen Beruf eines Tages an den Nagel hängte, um sich der Braukunst zu widmen. Bei einer Harzer Brauerei lernte er das alte Handwerk und arbeitete dort sechs Jahre.

So sieht es aus / Foto: Andreas Molau, Stadt WF

Die richtigen Leute für die Braubar

Alle sieben Jahre, so eine alte Faustregel, sollte man ja Veränderungen in sein Leben bringen – größere oder kleinere – und so traf es sich gut, dass er eines Tages in Stebis Feinkostmanufaktur aufschlug und sich über das regionale Bier aus der Lessingstadt freute. Es schadet nie, seine Visitenkarte zu hinterlassen. Stebner und Volke legten diese erst einmal zur Seite, aber mit der braubar reifte schnell der Entschluss, das könnte etwas werden. Die Chemie stimmte sofort nach dem ersten Treffen, bekunden beide, und so ist Vincent Schröder bereits fleißig dabei, Bier zu brauen. Wenn man die drei sieht, hat man den Eindruck, sie kennen sich schon Jahre … Tatsächlich schon Jahre kennen sich Manfred Muhlberger und André Volke. Das U statt des Üs verrät: Um die Ecke haben sie sich nicht getroffen. Die Freundschaft reicht in Jugendtage zurück. Die beiden lernten sich bei einem Schüleraustausch in den USA kennen. Manfred, der offenbar deutsche Wurzeln hat, wurde Koch und führte verschiedene Restaurants in Amerika. Bei einer Kontaktaufnahme und einer Einladung nach Wolfenbüttel setzte André Volke alles auf eine Karte und fragte seinen Jugendfreund, ob er nicht Lust hätte, in einer niedersächsischen Kleinstadt zu arbeiten. Wer hätte das gedacht: Er sagte zu und nun huscht er schon durch die Baustelle. »Wir hoffen, dass er eine Arbeitserlaubnis bekommt, dann kann es bald richtig losgehen.«, meint André Volke. Bis dahin greift er den beiden freundschaftlich unter die Arme für alle Vorbereitungen. Von der Glühbirne bis zu Bilder an die Wand bringen. Wofür ein Schüleraustausch alles gut sein kann …

Hier „reift“ der Gerstensaft „Made in Lessingstadt“ / Foto: Andreas Molau, Stadt WF

Die Tücken der Gastronomie

Dann ist die Frage der Serviceleitung ebenfalls geklärt. Hier können die beiden mit Klaudia Vincent – selbst die Namen korrespondieren im neuen Team – auf eine erfahrene Kraft zurückgreifen, die ihre Erfahrung in das Konzept mit eingebracht hat. »Wir sind uns völlig im Klaren darüber, dass Gastronomie noch einmal eine ganz andere Hausnummer ist als das, was wir bisher gemacht haben. Davor haben wir großen Respekt«, meint André Volke. Erstaunlich ist, mit welcher Leichtigkeit hier eine Mannschaft zusammengefunden hat, die bereits beim ersten Augenschein richtig gut zu harmonieren scheint. Der Ton ist konzentriert und trotzdem gelöst, als im Vorfeld des Interviews noch ein paar Sachen besprochen werden. Und wer einmal bei Restaurants nachgefragt hat, weiß, wie schwierig es ist, engagierte Menschen zu finden, die sich in diesen schweren Beruf einbringen. Alle haben mit ihrem ganz unterschiedlichen Hintergrund ihre Erfahrungen in die kulinarische Planung der braubar gelegt. Denn das Konzept steht schon und lässt hoffen.

Das Konzept

»Unsere Vorstellung ist eine gehobene Gastronomie, ohne abgehoben zu sein«, erklärt Andreas Stebner. Das Ziel ist eine wechselnde Karte, mit kleinen edlen Gerichten. Die Zutaten sollen möglichst regional sein und von guter Qualität. Das ist Andreas Stebner in seiner Feinkostmanufaktur schon immer ein Anliegen gewesen. Und die Tradition wird nun hier also fortgeführt. Kulinarische Events und Braukurse sollen schließlich Leben in das Lokal bringen. Ideen gibt es viele: Vom Grillevent bis zu biertypischen Gerichten ist einiges geplant. Dazu soll es gleichrangig einen besonderen Weinausschank geben. Nicht die gewöhnlichen Weine oder Spirituosen, verrät André Volke, sondern das, was man zu Hause eben eher nicht bekomme. Bereits mit dem gemeinsamen Schankwagen hatten die beiden dieses Konzept erprobt. Denn bei den Stadtfesten wurden die tschechischen Weine ausgeschenkt, die manchen Genussfreund überraschten. Dass das Themas Wein keine untergeordnete Rolle einnimmt, sieht man auch daran, dass eine kleine Grotte renoviert worden ist, die gemütliche Abende bei einem guten Tropfen verspricht. Während André Volke neben den ganzen Verpflichtungen gerade noch die Schulbank drückt und einen Abschluss als Weinsommelier anstrebt, bemüht sich Andreas Stebner um den Biersommelier. Man hat den Eindruck, hier ist alles durchgeplant und meine Vorfreude auf die Eröffnung der Wolfenbütteler braubar steigt bei jeder Zeile. Da hat es der Leser dieses Blogbeitrages einfacher. Denn er kann die neue Location im Herzen Wolfenbüttels direkt ansteuern.

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