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Konzept »TastyKitchen« in Osnabrück: Neue Menschen kennenlernen und gemeinsam essen

Autor: Regine Schneider

Seit 2006 gibt es das Restaurant la vie in der Osnabrücker Altstadt. Ausgezeichnet mit drei der begehrten Michelin Sternen und 19 Punkten im Gault&Millau, gehört es zu einem der besten zehn Restaurants unseres Landes. Gäste kommen aus der ganzen Welt, um in den Genuss der feinen Kreationen von Küchenchef Thomas Bühner zu kommen.

Ich selbst bin heute auf dem Weg nach Osnabrück, um zwar Thomas Bühner und sein Team kennen zu lernen, nicht aber die Küche des la vie. Vielmehr besuche ich heute die TastyKitchen – eine Art „Zweitrestaurant“ von Thomas Bühner, das zwar im gleichen Gebäude wie das la vie untergebracht ist – von seiner Charakteristik aber ganz anders. Die TastyKitchen hat Thomas Bühner erst im vergangenen Jahr eröffnet. Auf die Frage warum, antwortet mir der äußerst sympathische Küchenchef, dass er seinen Gästen unbedingt zeigen wollte, dass er auch anders kann, als Gourmet. Denn, so sagt der 55-jährige: „Gute Küche muss nicht immer Gourmetküche sein, sondern kann auch ganz einfach sein. Natürlich verwenden wir trotz allem nur die besten Produkte – aber nicht die teuersten.“

Die Eingangstür des Restaurants „la vie popup TastyKitchen“ – im historischen Steinwerk in der Osnabrücker Altstadt – ist kaum zu übersehen. Foto (c) la vie

Ich bin gespannt und freue mich auf mein Abendessen dort. Bei meiner Ankunft entdecke ich zuerst die leuchtend orangene Tür zum Restaurant. Ich bin positiv überrascht, dass ich nicht den Eingang des la vie benutzen muss, denn in der TastyKitchen geht es deutlich legerer zu, als im Gourmetrestaurant – und ich bin entsprechend leger gekleidet. Einmal angekommen, werde ich sofort herzlich willkommen geheißen und durch die TastyKitchen geführt. Ebenerdig wartet eine große lange Tafel darauf, mit verschiedensten Menschen gefüllt zu werden. Besteck und Weinflaschen stehen bereits auf dem Tisch, alles ist sehr farbenfreudig und einladend.

Wohlfühlatmosphäre: Die lange Tafel ist bereits gedeckt, einladend und schön. Foto (c) la vie

Eine große Treppe führt nach oben in die Küche, wo eine weitere lange Tafel steht. In der Küche herrscht bereits entspanntes Treiben und ich genieße gleich neben dem Herd meinen Aperitif. Es ist ein bisschen wie zuhause, bei einer guten Party: Denn auch hier versammeln sich alle zunächst einmal in der Küche, um zu plaudern und sich kennen zu lernen. Übrigens eine Kernkomponente des Konzeptes: In der TastyKitchen geht es darum, neue Menschen kennen zu lernen und gemeinsam zu essen.

Hier geht’s hinauf zur Küche, für die Tobias Pietzsch und sein Team verantwortlich ist. Foto (c) la vie

Thomas Bühner hat sich daher ganz bewusst für die langen Tafeln entschieden und einen geringeren aber nicht minder herzlichen Serviceaufwand. Jeder schenkt sich selbst nach, Besteck wird – wie gesagt – vom Tisch genommen, viele Gerichte werden auf großen Platten oder in großen Schüsseln serviert. Bei meinem Besuch stehen Burrata mit grünem Spargel und Haselnuss-Vinaigrette, Wolfsbarsch mit Pak-Choi-Nudelrisotto und Limonen-Beurre Blanc, Kalbsrücken mit Spargel, Hollandaise, Kartoffeln und Bärlauch-Butter sowie Fürst Pückler Eis auf dem Menü. Die Kosten liegen bei 68 Euro – und ich übetreibe nicht, wenn ich sage, dass dies das beste Preis-Leistungs-Verhältnis ist, auf das ich seit langer Zeit gestoßen bin. Denn das Menü ist einfach nur köstlich. Frische, gute Produkte, eine außergewöhnlich schöne Atmosphäre mit tollen Gesprächen und ein liebvoller und lockerer Service. So langsam verstehe ich, warum Thomas Bühner das Konzept so wichtig ist.

Ich treffe ihn gleich zu Beginn meines Abends noch einmal in der Küche und er erzählt mir, dass er die Atmosphäre selbst so gern hat, dass er immer versucht, in der „Aperitif-Stimmung“ vorbeizuschauen. Selbst Hand anlegen tut er natürlich nur im la vie – in der TastyKitchen steht sein langjähriger Küchenchef und heutige „Tasty Man“ Tobias Pietzsch am Herd.

„Tasty Man“ ist Tobias Pietzsch, der langjährige Küchenchef von Thomas Bühner. Foto (c) la vie

Thomas Bühner erklärt mir dann noch, dass er mit der TastyKitchen allen Gästen ein schönes Erlebnis ermöglichen möchte – und während das la vie ein Ort für besondere Anlässe ist, wollte er mit der TastyKitchen einen Ort der Geselligkeit, der guten und eben manchmal auch lauten Gespräche, der Gastlichkeit und des Kennenlernens schaffen. Das wichtigste aber ist ihm die Abgrenzung der vielen „to go-Konzepte“ unserer Zeit – denn die sind ihm ganz offensichtlich ein großes Dorn im Auge.

Ich mag diesen Ansatz sehr, denn auch für mich ist Essen viel mehr als die Befriedigung eines Grundbedürfnisses – es hat auch eine soziale Funktion: Sich etwas teilen, gemeinsam über den Tag sprechen, sich mit anderen austauschen und gemeinsam erleben, Menschen kennenlernen, glücklich sein und genießen. All das verbinde ich mit einem guten Essen, das ich gemeinsam mit anderen an einem Tisch einnehme.

Summa summarum kann ich Thomas Bühner und seinem Team nur zu diesem gelungenen Konzept gratulieren. Ich bin satt und glücklich, als ich meinen Heimweg antrete – und habe zudem noch zwei neue Bekanntschaften gemacht, mit denen ich schon bald wieder die TastyKitchen besuchen will. Schließlich ändert sich das Menü regelmäßig.

TastyKitchen im Internet

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