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Von Laubenvögeln und Präparatoren – Ein Leben auf der Bühne und hinter den Kulissen

Autor: Gabi

Vor einiger Zeit erregte der Facebook-Post einer Bekannten meine Aufmerksamkeit: „ … flexibler Gips wegen tausender geknipster Stöckchen …“ Was ist denn da los? Ich frage nach. Diagnose: Tennisarm aufgrund der Vorbereitungen einer Laubenvogelausstellung.

Meine Bekannte Sandra Fünfstück ist eine von rund 250 Tierpräparatoren Deutschlands und arbeitet im Landesmuseum Natur und Mensch in Oldenburg. Ihr Repertoire reicht von der Hausmaus bis zum 15 Meter langen Pottwal. Aber Laubenvögel? Und jetzt erst bemerke ich den kleinen aber wichtigen Unterschied! Es geht hier nicht um Amsel, Drossel, Fink und Star oder das, was ich mir unter dem vermeintlich gemeinen deutschen Laubvogel vorstelle, sondern um den Laubenvogel, eine seltene Vogelfamilie, derer nur 20 Arten in Nordaustralien und Papua-Neuguinea leben und tatsächlich Lauben bauen. Mein Interesse ist geweckt und ich gehe Sandra besuchen.

Noch warten die Laubenvögel hinter den Kulissen auf ihren Einsatz in der Sonderausstellung „Laubenvögel – Ein Leben auf der Bühne“

Noch warten die Laubenvögel hinter den Kulissen auf ihren Einsatz in der Sonderausstellung „Laubenvögel – Ein Leben auf der Bühne“

Als ich im Museum ankomme, ist Sandra jedoch gerade mit dem „Abziehen“ eines Eichhörnchens beschäftigt, welches sie für ihren Präpkurs am nächsten Tag an der Uni benötigt. Ihr war sowieso das Material für ihre Laubennachbildung, an der sie derzeit baut, vorübergehend ausgegangen. Und neben den Vorbereitungen für die Sonderausstellung muss ja auch der normale Alltag bewältigt werden.

Für die Präparation eines Eichhörnchens benötigt Sandra etwa einen Arbeitstag.

Während Sandra also ihr Eichhörnchen „bearbeitet“, beginnt sie von dem Lauben bauenden Federvieh zu erzählen und auf die Frage, warum die Vögel denn überhaupt so aufwändig bauen, antwortet Sandra: „Naja, das Laubenvogelmännchen ist nicht so hübsch, da muss es sich halt was einfallen lassen, um das Weibchen zu beeindrucken.“ Also baut das Männchen zur Balzzeit Lauben und dekoriert diese mit allerlei Gedöns aus der Umgebung. Die Weibchen beobachten aus den Bäumen heraus die Männchen, die ihre Bauten in einer „Arena“, wie auf einer Bühne, zur Schau stellen und wählen ihren Partner nach Qualität des Baus und Aufwand des Schmückens aus. So entstehen mitten in der Natur richtige kleine Kunstwerke, die im Extremfall bis zu zwei Meter hoch werden können.

Die ersten Laubennachbildungen sind fertig und befinden sich schon am richtigen Platz auf der 390 Quadratmeter großen Ausstellungsfläche.

Um diese in einer Ausstellung zu zeigen, bauen Sandra und ihr Kollege Kay 16 Lauben nach. Die ersten Vorbereitungen dafür begannen schon vor 2 Jahren. Sandra und Kay haben allein zwei Monate recherchiert, Informationen gesammelt und strukturiert, Fotos ausgedruckt und, und, und. Als es dann an die ersten Bauten gehen sollte, musste Material organisiert und beschafft und Techniken ausprobiert werden. Teilweise hat der Bau einer Laube bis zu drei Monate gedauert. „Ganz schön viel Fisselarbeit denke ich so bei mir.“ Aber Sandra mag das. Tüfteln und überlegen, wie man bestimmte Details und Effekte am besten veranschaulichen kann, das gefällt ihr besonders an ihrer Arbeit. Und gerade da bringen Sonderausstellungen ein bisschen Abwechslung in das Präparatorenleben.

Wer Sandra und ihre Arbeit übrigens mal persönlich kennenlernen möchte hat am 21. Mai, dem Internationalen Museumtag die Gelegenheit dazu. Um 11.30 Uhr und um 16.30 Uhr gewährt sie Einblicke in die Präparationswerkstatt.

Und, ach ja, die Laubenvogelausstellung mit dem Titel „Ein Leben auf der Bühne“ ist ab dem 10. Juni im Landesmuseum Natur und Mensch in Oldenburg zu sehen. Ein umfangreiches Begleitprogramm, in dessen Rahmen selber Lauben gebaut oder Fantasievögel gefilzt werden können, findet man hier.

Und der Tennisarm? Gott sei Dank verheilt. Das nenne ich mal vollen Einsatz für den Beruf, Sandra!

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