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Reif fürs Museum? Ausstellung „Bandsalat“ in Lingen

Autor: Christiane

Ich werde oft von meinen Freunden belächelt. Ich höre im Auto ausschließlich Cassetten (mit C!), ich habe mich gerade gegen den Glasfaseranschluss entschieden, weil mein Röhrenfernseher von 1997 damit nicht funktioniert, und während andere schon den Thermomix TM5 zuhause stehen haben – ob sie ihn wirklich nutzen, steht auf einem anderen Blatt – überlege ich immer noch, ob eine Mikrowelle wirklich nützlicher ist als ein Backofen und ob ich überhaupt Platz dafür hätte. Diesen Text würde ich im Übrigen am liebsten in alter Rechtschreibung tippen. Im Emslandmuseum in Lingen gibt es gerade die perfekte Ausstellung für Dinosaurier wie mich: „Bandsalat – vergessene Dinge und bedrohte Wörter“. Ich möchte euch gerne zeigen, was ich dort entdeckt habe, kommt mal mit!

In einem Wohnzimmer finde ich allerlei Zeitvertreib aus vergangenen Jahrzehnten. Einen Monchichi hatte ich selbstverständlich auch, passend für ein kleines Mädchen. Weniger altersgerecht waren da die MAD-Hefte, die ich mir von meinen älteren Geschwistern gemopst habe. Aus diesen Heften mit dem bitterbösen Humor weiß ich, dass sich Verwandte am meisten freuen, wenn man nicht zu einer Feier kommt und dass man gerade deswegen hingeht. Das lehrte mich Familie Fröbel, und es hat sich später im wahren Leben bestätigt. Ebenso lehrreich war die Lektüre der Lustigen Taschenbücher. Noch heute kann ich manchen Zeitgenossen damit verblüffen, dass ich das Wort „blümerant“ bereits im Grundschulalter kannte. Wii? Playstation? Pff! Ich habe Tennis bereits in den 70ern als Telespiel gehabt. Das kann man im Emslandmuseum übrigens spielen, man muss nur in dem Retrowohnzimmer Platz nehmen.

Gut, das Leben bestand auch damals schon nicht nur aus Spiel und Spaß. Dann und wann musste auch ich zur Schule gehen. Eine Vitrine zeigt Lernhilfen von früher: Mengenlehreplättchen, alte Schulhefte und allerlei mehr. Mein Lieblingsschulbuch war früher der Fehlerteufel. Herrlich war der! Der fehlt allerdings in der Ausstellung noch. Das ist ein Phänomen dieser Ausstellung: Man denkt an den meisten Stationen: „Da hätte ich auch noch dieses oder jenes beizutragen“. Die Ausstellung nimmt den Besucher sehr persönlich mit. Das macht sie so anders als eine Exposition beispielsweise über die alten Römer oder etwa Gemäldeausstellungen.

 

Ihr habt ja schon gemerkt, dass ich nicht so technikfanatisch bin. Deshalb wundere ich mich auch über die Exponate in der Technikvitrine. Ich habe mir sagen lassen, dass CDs out sind? Warum eigentlich? Wie öde ist doch ein Datenstick mit MP3s. Wo bleibt das kunstvolle Cover? Kann man so etwas hübsch im Wohnzimmerregal in Reihe stellen? Für mein Studium war der Nachweis eines Schreibmaschinenkurses zwingend erforderlich. Ich habe meine Dozentin an der Volkshochschule damals fast zur Raserei gebracht, weil ich mit den zu der Zeit brandneuen Schreibcomputern nicht klarkam und meinerseits wutschnaubend fluchte. Erst als ich meine mechanische Schreibmaschine in der Straßenbahn mit in den Kurs schleppte, kamen meine grobmotorischen Finger damit zurecht – die Schreibmaschinenlehrerin und ich waren’s zufrieden. Und ob ihr es glaubt oder nicht: Am vergangenen Wochenende habe ich noch eine Videocassette eingelegt. James Bond „Man lebt nur zweimal“ habe ich nun einmal nur auf Videocassette, und wenn das Ding funktioniert, warum denn nicht?

 

Ja, warum eigentlich nicht? Diese Frage trifft mich hart an der letzten Vitrine. Dort liegt u.a. eine aktuelle Ausgabe der Lingener Tagespost. Ich schreibe als freie Journalistin für ebendiese Tageszeitung. Unterschrieben sind die Gegenstände, zu denen außerdem noch Straßenkarten, Bleistifte, Tintenfüller und Ansichtskarten gehören (ich liebe all das!), mit der Frage: „ins Museum?“. Bin ich also bereits selber reif fürs Museum? Andreas Eiynck, der Leiter des Emslandmuseums, sagt zu mir: „Ach, Frau Adam, nicht so viel grübeln, alles wird gut…“ Ich bin erleichtert und verlasse das Museum mit einem Lächeln. Andererseits: Das haben die Dinosaurier damals bestimmt auch gedacht…

Bevor ihr zuviel grübelt, schaut euch die Ausstellung „Bandsalat“ selber einmal an. Je nach Geburtsjahrgang werdet ihr diese Ausstellung recht unterschiedlich erleben. Sie ist noch bis zum 31. Dezember 2017 zu sehen. Von Dienstag bis Sonntag jeweils zwischen 14.30 Uhr und 17.30 Uhr, der Eintritt beträgt 4 DM für Erwachsene bzw. 2 DM für Kinder. Äh, ich meinte natürlich Euro!
www.museum-lingen.de

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