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Kultur, Kunst, Kuchen, Kuscheln – ein Spaziergang in Lingen

Autor: Christiane

Die Straße, die mir in der Lingener Innenstadt am besten gefällt, ist die Burgstraße. Ich mag die Gebäude dort gern, die Atmosphäre ist ruhig und gediegen, und die meisten Geschäfte dort sind inhabergeführt und halten besonders schöne Waren vor. Zudem befinden sich auf der Ecke einige kulturelle Einrichtungen. Heute möchte ich euch auf einen Spaziergang vom Alten Pferdemarkt über besagte Burgstraße bis zum Universitätsplatz nehmen. Das Motto heißt: Kultur, Kunst, Kuchen und Kuscheln. Es ist nicht weit, auf geht’s!

Entree der Burgstraße

Vom Bahnhof zu unserer ersten Station, dem Emslandmuseum , sind es keine 500 Meter zu Fuß. Wer mit dem Auto kommt, dem sei die Parkgarage am Alten Pferdemarkt empfohlen (Tipp zur Adventszeit: Während dieser Zeit ist die erste Stunde kostenfrei, nur hier!). Im Emslandmuseum begrüßt uns Dr. Andreas Eiynck. Der Museumskurator zeichnet sich durch seine unschlagbare Sachkenntnis auf dem Gebiet der emsländischen Geschichte aus. Der Mann hat sogar einen eigenen Wikipediaeintrag!

Blick in das Emslandmuseum in Lingen

Noch bis zum 26. Februar zeigt das Emslandmuseum die Ausstellung „Grenzenlos Strafen“. In dieser grenzübergreifenden Ausstellung gemeinsam mit dem Stedelijk Museum Coevorden geht es um die Geschichte von Justiz und Strafverfolgung im deutsch-niederländischen Grenzraum. Das martialische Thema will gar nicht so recht zu dem äußerst zuvorkommenden und freundlichen Historiker passen. Zum Glück ist das Programm des Emslandmuseums abwechslungsreich. Somit sind auch durchaus harmlose „Dinge, die bald keiner mehr kennt“ wie „Bandsalat“ – so der Titel der Ausstellung vom 6. August bis zum 31. Dezember – dort zu betrachten. Aber ich kenne noch Bandsalat, hatte sogar neulich erst einen, denn ich höre immer meine alten 80er-Jahre-Cassetten (damals schrieb man es noch mit C!). Insofern reserviere ich mir schon einmal eine Eintrittskarte!

 

Collage einiger Läden in der Burgstraße

Jetzt nehme ich euch aber erst einmal weiter mit durch die Burgstraße. Wer mag, kann in den vielen inhabergeführten Geschäften stöbern. Da gibt es Dlugay, wo es Handarbeitenzubehör gibt. Drinnen sieht es aus wie zu Großmutters Zeiten, und es riecht dort wie im Nähkorb meiner Mutter. Habe neulich Stopfgarn für eine Strumpfhose gekauft. Ich habe es mir selber zwar kaum zugetraut, aber konnte den Riss stopfen, unorthodox zwar, aber wirksam. Bei Benner gibt es alles für die Küche (außer Lebensmittel), bei der Buchhandlung Blanke gibt es Kunstgegenstände und Bücher, druckfrische und antiquarische. Feinste Schreibwaren bietet Nottbeck an. Die Liste könnte fortgeführt werden… Ich habe euch hier mal eine kleine Collage aus Fotos von einigen (ohne Anspruch auf Vollständigkeit) der schönen Läden gebastelt.

Hier noch ein paar Links zu ein paar Geschäften aus der Collage: Tabak &Wein Appelhans, Geschenkebude, Wohnart Lingen. Die restlichen Geschäfte müsst ihr selber auskundschaften. 🙂

Café Augusto im Professorenhaus

Segen von oben erwünscht? Die Bonifatiuskirche liegt inmitten der Ladenlokale und bietet als Innenstadtkirche Raum für ein kurzes Gebet. Gestärkt durch weltliche Güter oder himmlischen Segen biegen wir nach rechts in die Karolinenstraße ab und gelangen so auf den Universitätsplatz. Lingen hatte schon früher eine Universität, auf die sich der Name des Platzes mit den großen Linden bezieht. Wir halten auf das breite Gebäude vor uns zu: das Professorenhaus. Ob wir hier die Station „Kultur“ oder „Kuchen“ abgrasen, kann sich nun jeder aussuchen. Das Professorenhaus beherbergt das Theaterpädagogische Zentrum (TPZ). Die obere Etage ist zum Erlebnishaus ausgebaut worden. Hier kann jeder nach Herzenslust vor Zerrspiegeln posieren (vielleicht besser vor dem Kuchengenuss!), mit der Murmelbahn spielen oder sich Kasperlepuppen zur Hand nehmen. Montags bis freitags von 9-13 Uhr und 14-18 Uhr (in den Ferien nur nachmittags) ist hier jeder ohne Anmeldung und ohne Eintrittsgeld willkommen. Mich zieht es – den breit machenden Zerrspiegel lieber ignorierend – in die untere Etage zu Marie Christine Saar und ihren Kollegen. Frau Saar kocht mir Kakao, und ich habe die Wahl zwischen mehreren Torten, die vom Café Heilemann am Marktplatz angeliefert werden. Dabei bin ich nicht einmal die typische Besucherin des Café Augusto, denn hier widmet man sich monatlich wechselnden wienerischen Kaffeespezialitäten. Dass der neue Leiter des TPZ gebürtiger Wiener ist, dürfte nicht ganz unschuldig hieran sein. Nach einem kleinen Schwatz mit Frau Saar über ihre kommende Veranstaltung in der Reihe „Kultur im Café“ muss ich gehen, denn ich möchte euch ja noch die Kunstschule vorstellen.

Die Torten kommen vom Café Heilemann.

Wir fallen kaum aus dem Café (bitte nicht wörtlich nehmen), da landen wir auch schon bei Annette Sievers in der Kunstschule. Die Leiterin stellt mit ihrem Team von Dozentinnen und Dozenten so einiges auf die Beine, damit Menschen sich künstlerisch und kreativ betätigen können. Mechthild Metsahel sitzt am Empfang und berät sehr gerne, was das sein könnte. Zu den meisten Kursen muss man sich allerdings anmelden. Deshalb lohnt für den, der sich in einen Malerkittel werfen und den Pinsel schwingen will, der Blick vorab ins Programm. Unter www.kunstschulelingen.de sollte sich etwas finden. Am 19. Mai findet beispielsweise die nächste lange Malnacht statt. Vor 23 Uhr wird dort niemand der Tür verwiesen.

Kunstschule Lingen am Universitätsplatz

Dann heißt es aber „gute Nacht“. Aber keine Sorge, wenn es nicht um die Ecke ginge, könnte man glatt hinspucken: Das neu eröffnete Burghotel in der Baccumer Straße lädt ein, sich eines der zwanzig individuell gestalteten Zimmer zu nehmen und sich ins Kissen zu kuscheln.

Burghotel

Ich meine, selbst wer sich hier nur den Punkt „Kuchen“ raussucht, muss sich nicht als Kulturbanause fühlen!

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