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Alte Autos, schöne Strecken: Oldtimer- und Classic-Rallye in Lingen

Autor: Christiane Adam

Vor zehn Jahren erhielt ich aus dem Nachlass meines Onkels einen Mercedes aus dem Jahr 1984, für Experten genauer gesagt einen Daimler-Benz W123 280 E, den ich nur allzu gern meinem Mann überließ. 2012 wollte mein Vater seinen seit Jahren in der Garage vor sich hinrostenden Lancia Beta 2000 Coupé von 1976 verkaufen. Mein Gatte intervenierte, kaufte ihm den Wagen ab, und spätestens seitdem ist mein Mann mit dem Oldtimervirus infiziert. Was macht man als Frau, wenn der Mann so ein obsessives Hobby hat? Schmollen und shoppen gehen, oder sich die Vorzüge dieser Freizeitbeschäftigung gefallen lassen (ich mache zeitweise beides).

Ein oldtimerverrückter Gatte! / Foto © Christiane Adam

Lust auf Rallye!

Nachdem nun also zwei Oldies zu unserem Haushalt zählten, wollte ich auch gern einmal an einer Rallye teilnehmen. Ich fand das schick. In Lingen richtet seit 2009 der Motorsportclub (MSC) Bernd Rosemeyer derartige Rallyes aus, und so meldeten wir uns 2013 zu eben so einer Ausfahrt an. Am 27. August findet wieder eine Rallye statt, und ich möchte euch die Teilnahme ein wenig schmackhaft machen. Also steigt bei mir ein!

Fahrzeug Nummer 57 kommt! / Foto © Sascha Howe

Es ging schon in aller Frühe an einem Sonntag im Sommer 2013 los. Start war in einem Autohaus, und dort gab es neben einem kleinen Frühstück für jedes Team ein Bordbuch, ein Autoschild und zwei Kühlschrankmagneten vom historischen Lingener Rathaus. Letztere wahrscheinlich, damit wir nicht vergessen, wo das Ziel ist: nämlich auf dem Marktplatz vor dem historischen Rathaus. Außerdem erhielten wir eine Startnummer und eine auf die Minute genaue Startzeit. Als Nummer 57 startete also das Gespann Ehemann, Ehefrau und Rauhaardackel auf dem Schoß die Rallye um 10.27 Uhr.

Gut ausgestattet geht es los! / Foto © Christiane Adam

Stille Kontrollen

Im Bordbuch steht jede Abzweigung und jeder Kreisverkehr ganz genau drin. Denn obschon das Zwischenziel und auch das Endziel bekannt sind, weiß man nämlich nicht genau, wo es langgeht. Und das ist wichtig! Es gilt, „stille Kontrollen“ zu passieren. Stille Kontrollen sind an der Strecke angebrachte Buchstaben, die es in exakter Reihenfolge in das Bordbuch einzutragen gilt. Klingt vielleicht simpel, aber wie leicht übersieht man doch eine kleine Kreuzung! Schließlich führt eine Rallye nicht über Autobahnen und Bundesstraßen, sondern vielfach über die kleinen Landwirtschaftswege. „Ist das jetzt eine Kreuzung oder nur ein Feldweg?“, stellt sich da manches Mal die Frage.

Frühzeitiges Aus

Ein Freund von uns, Marc, mit seinem Vater ist übrigens auch mitgefahren, in einem MG-B 72. Über Twitter haben wir uns miteinander verständigt. Das hat Spaß gemacht – bis die beiden wegen eines Motorschadens in Beesten ausscheiden mussten. Schade, sehr schade! Dafür hat Marc das Foto von uns beim Zieleinlauf machen können.

Fußspitzengefühl

Bis wir dort waren, galt es neben den stillen Kontrollen auch einige Gleichmäßigkeitsprüfungen zu absolvieren. Boah, diese Gleichmäßigkeitsprüfungen hatten es in sich! Von wegen der Schnellste gewinnt! Bei einer Gleichmäßigkeitsprüfung muss eine abgesteckte Strecke in einer exakten Zeit abgefahren werden, nicht schneller und nicht langsamer. Manche Teilnehmer sind zwischendrin mal rechts rangefahren, wenn sie gemerkt haben, dass sie allzu schnell sein würden. Es gehört schon einige Übung und ein gewisses Fingerspitzen- oder vielmehr Fußspitzengefühl dazu.

Das leibliche Wohl ist nicht zu unterschätzen!

Gutes Essen gehört natürlich zu jeder gelungenen Veranstaltung. In diesem Jahr ist die Mittagsrast in Wietmarschen in der Gaststätte Dragos am See eingeplant. Hoffentlich kann ich das Essen dann besser genießen. 2013 hatte ich eine deutlich zu unbequeme Hose an! Das ist mein Rat für alle, die mitfahren: Zieht euch was Bequemes an! Ihr werdet eine ganze Weile im Auto sitzen! Und schließlich zählt auch eine Rallye als Sport, und beim Sport kleidet man sich eben auch sportlich!

Benzingespräche

Was natürlich auch zu einer solchen Veranstaltung gehört, sind die sogenannten Benzingespräche. „Wie alt ist Ihrer?“, „Wie viele Kilometer hat er schon gelaufen?“, „Viel Rost?“, „Kriegen Sie da gut Ersatzteile für?“ etc. Da halte ich mich eher raus. Aber es ist schon interessant zu schauen, wer da so mit welchem Fahrzeug ankommt. Das älteste Fahrzeug, das bei einer Rallye des MSC Bernd Rosemeyer mitgefahren ist, ist von 1915. Die jüngsten Fahrzeuge müssen wenigstens 25 Jahre alt sein. Sie haben dann zwar noch kein H-Kennzeichen (das H steht für historisch), aber sie gelten als Youngtimer. In diesem Jahr dürfen also Fahrzeuge ab 1992 oder älter mitfahren – nach hinten ist keine Grenze gesetzt. An den Wegesrändern stehen in der Regel viele Schaulustige, so auch Petra und Sascha, die die beiden Fotos von uns gemacht haben – im strömenden Regen haben sie auf uns gewartet. Das motiviert den Fahrer!

Durch Landschaft und Wetter führt die Rallye / Foto © Sascha Howe

Ankommen ist alles

Beim Zieleinlauf auf dem Marktplatz wird jeder Wagen von einem Sprecher angesagt. Irgendwie war ich schon stolz, als durch den Lautsprecher dann unsere Namen und der Name unseres Wagens zu hören waren. Sich wie ein Star für eine halbe Minute fühlen, das war was! Bei der anschließenden Auswertung war es aber spätestens mit dem Gefühl vorbei. Wir waren auf dem letzten Platz mit vielen anderen gelandet. Aber was macht das schon? Es hat Spaß gemacht, und das ist wie so oft doch das Wichtigste, oder?

Ich freue mich jedenfalls schon auf den 27. August, wenn es wieder heißt: Türen zu, Schiebedach auf und Gas geben!
Falls ihr mitfahren wollt, meldet euch einfach an unter www.bernd-rosemeyer.de

 

Auf dem letzten Platz das Team Nummer 57… / Foto © Marc Tewes

 

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