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Achtung: Apfel! Lingen feiert das Apfelfest

Autor: Christiane

Einmal im Jahr huldigen wir in Lingen einer Königin. Ihre Regierungszeit beträgt ein Jahr. Julia Hinken heißt die derzeitige Würdenträgerin. Die Rede ist von der Apfelkönigin. Am 24. September würde eigentlich ihre Amtszeit enden, damit am 25. September die nächste Apfelkönigin gekrönt werden kann. Ein Vögelchen hat mir aber gezwitschert, dass die junge Dame ihre Sache so gut gemacht hat, dass Julia gleich zwei Jahre lang Apfelkönigin sein wird. Auch mir macht das Apfelfest großen Spaß. Es findet seit 2006 im ländlich geprägten nordöstlichsten Lingener Ortsteil mit dem wohlklingenden Namen Clusorth-Bramhar statt. Das letzte Wochenende im September ist bei mir für das Apfelfest reserviert, am liebsten mit Freunden. Denn das, was der sonst so beschauliche Flecken Erde auf die Beine stellt, ist – wie man so schön sagt – ein Spaß für Jung und Alt, ein Volksfest für die ganze Familie.

Die alte und die neue Apfelkönigin werden eingefahren.

Verneigt euch: Die alte und die neue Apfelkönigin werden eingefahren.

Neben dem Tamtam um die Königin gibt es allerlei handwerkliche Verrichtungen von früher zum Bestaunen. Althergebrachte Gesänge und Reigen werden zum Hören und Sehen dargeboten. Die Kinder können bei Späßen und Spielen mittun. Allerlei Krimskrams und Tand wird verkauft. Und selbstverständlich gibt es alles Ess- und Trinkbare vom Apfel. Da steppt dann einmal im Jahr in Clusorth-Bramhar so richtig der Bär, aber eben auf die altmodische Art. Häufig verkaufen die Marktbeschicker ihre Produkte in traditioneller Bekleidung. Am letzten Wochenende im September scheint die Sonne dann auch schon leicht herbstlich auf die Erde, so wie ich es am liebsten mag, und das macht das Apfelfest noch einmal so schön. Angeblich hat es beim Apfelfest auch noch nie geregnet. Nach diesem verregneten Sommer ist das allein schon ein Grund zur Vorfreude, will ich meinen.

Auch der Klerus interessiert sich für die handgemachten Produkte.

Auch der Klerus interessiert sich für die handgemachten Produkte.

Ein handfesterer, weil verlässlicherer Grund zur Vorfreude ist der längste Apfelstrudel. Der Welt? Deutschlands? Niedersachsens? Des Emslandes? Egal! Er ist lang, lang und lecker! Beim Gasthof Niemann liegt er auf langen Tischen, und das nicht nur zum Anschauen! Damit – natürlich – nicht genug! Weitere, in Clusorth-Bramhar hausgebackene Kuchen (auch ohne Apfel) gibt es im Festzelt. Konfitüren, Spielarten von manufakturiertem Senf, diverse Obstsäfte, Brote und allerlei mehr Speisen sind für die heimische Küche zu erwerben.

Es ist der längste Apfelstrudel weit und breit!

Es ist der längste Apfelstrudel weit und breit!

Ja, der Apfel! Bereits im Alten Testament spielt er eine – nein, DIE tragende Rolle, bekannt auch als Zankapfel, Reichsapfel, und bei Schneewittchen führte sein Verzehr zu romantischen Verwicklungen. Mit Freunden war ich vor ein paar Jahren auf dem Gang durch die „Apfelmeile“, als meine Freundin plötzlich hustete und keuchte – wie bei Schneewittchen hatte sie sich an einem kleinen Stückchen Apfel verschluckt – in den falschen Hals bekommen hatte sie es. Glücklicherweise musste sie nicht in einem gläsernen Sarg auf einen erlösenden Prinzen warten, denn ihren Prinzgemahl hatte sie schon längst gefunden. Ihr zupackender Ehemann klopfte ihr beherzt auf den Rücken und rettete sie so vor dem Schneewittchenschicksal! Wie romantisch! Der kleine „Zwerg“ Greta, der auch dabei war, hatte vor allem Freude daran, die Apfelköniginnen – die alte und die neue – bei der Einfahrt mit der Kutsche anzuschauen, sich Zöpfe flechten zu lassen und beim Ententanz mitzutun.

Damit Sie auch morgen noch herzhaft zubeißen können!

Damit Sie auch morgen noch kraftvoll zubeißen können!

Die Herren der Schöpfung können ihr technisches Interesse an den historischen Traktoren oder beim Motorsägenkünstler austoben. Beim Obsthof Krone-Raue werden frisch geerntete Äpfel gemostet und anschließend verkauft – frischer geht es wirklich nicht! Seltene Stauden, die teils deutschlandweit exklusiv von einer Gärtnermeisterin aus Clusorth-Bramhar gezogen werden, Alpakas, die in der Nähe leben oder auch Schafe, Poetry Slam up Platt am Sonnabend – all das hat es in den vergangenen Jahren gegeben, und ich erwarte in diesem Jahr das und mehr!

Apfelsaft: Frischer geht es nun wirklich nicht!

Apfelsaft: Frischer geht es nun wirklich nicht!

Aber wie wird man nun eigentlich zur Apfelkönigin gekürt? Auf der Homepage www.apfelfest.net kann man sich informieren und bewerben. Eine Bewerberin muss mindestens achtzehn Jahre alt sein und in unmittelbarer Umgebung von Clusort-Bramhar leben. Dann erwartet die Königin ein aufregendes Jahr, in dem sie beispielsweise „beim Landesvater in Hannover mit vielen anderen Königinnen empfangen wird“, wie mir Landtagsmitglied und Schirmherr des Festes Heinz Rolfes erzählt hat. Ich würde die Bedingungen also glatt erfüllen! Aber ganz ehrlich: Ich lasse die Chance passieren und futtere mich lieber durch das kulinarische Angebot. Das scheint mir weniger anstrengend und ich muss dabei nicht so viel Contenance bewahren.

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