Insider-Tipps für Reisen und Ausflüge in Niedersachsen

Ausflug in die Weihnachtsstadt Hildesheim

Autor: Maria

Wenn ich nach Ausflugszielen in der Umgebung gefragt werde, schlage ich oft einen Ausflug nach Hildesheim und zum UNESCO-Welterbe vor. Doch wenn man von einem Treffen mit Studienfreunden absieht, bei dem wir zwar das Hildesheimer Nachtleben unsicher gemacht, aber keine Kirchen besichtigt haben, war ich selbst noch nicht da. Zeit, meine Wissenslücke zu schließen.

Deshalb verbringe ich meinen freien Mittwoch in der kleinen Stadt südlich von Hannover. Nicht nur ich bin an diesem Mittwoch auf die Idee gekommen, Hildesheim zu entdecken, aber dazu später. Nach nur dreißig Minuten Zugfahrt von Braunschweig steige ich in Hildesheim aus dem Zug und gehe vom Bahnhof geradewegs in die Innenstadt. Im Gourmet Café Mademoiselle bin ich mit Maike verabredet, die mir ein paar Tipps für meinen Aufenthalt in Hildesheim geben will.

Gut gestärkt in den Tag

Das Gourmet Café Modemoiselle ist ein charmantes Café in der Nähe der Arneken Galerie. Hier gibt es Frühstück, Mittagessen und eine schier endlos wirkende Kuchenauswahl. Die Frühstückskarte ist reichhaltig, das Ei perfekt gekocht und als kleines Highlight serviert das Team zum Käsefrühstück einen kleinen Becher Joghurt mit Müsli und Mandel. Lecker! Wir sitzen an einem kleinen Tisch auf bequemen Stühlen im Shabby Chic, die Wände sind petrolblau gestrichen und überall entdecke ich neue Kleinigkeiten, wie das Fahrrad-Poster an der gegenüberliegenden Wand im Retro-Stil.

Während wir frühstücken, erzählt mir Maike die Basics über Hildesheim: über 100.000 Einwohner, Studentenstadt und reich an kulturellem Erbe. Gleich zwei UNESCO-Welterbekirchen stehen in Hildesheim, der Mariendom und die St. Michaeliskirche. Beide werde ich heute noch besichtigen. Neben der alten Kultur gibt es aber auch eine lebendige Kulturszene, die mit kleinen Theatern, Lesungen und Ausstellungen auf sich aufmerksam macht. Hildesheim hat viel zu bieten und das alles auf kleinem Raum. Das, und der Umstand, dass man in der Mittagspause immer jemanden trifft, den man kennt, macht die Stadt so persönlich.

Hoch hinaus für einen ersten Überblick

Bevor Maike mich ins Hildesheimer Treiben entlässt, will sie mir die Stadt noch einmal von oben zeigen, damit ich einen besseren Überblick bekomme. Dafür erklimmen wir die 364 Treppen des St.-Andreas-Kirchturms. Mit 114,5 Metern ist der Turm der höchste Kirchturm Niedersachsens und nach etwa der Hälfte des Aufstiegs machen sich auch schon meine Beine bemerkbar. Zwischen Mai und Oktober ist der St.-Andreas-Krichturm regulär geöffnet. Während der Winterpause kann der Turm im Rahmen von Stadtführungen und zu Sonderaufstiegen über die tourist-information gebucht werden. Weil das Wetter mitspielt, hat Maike für uns eine Turmbesteigung organisiert und so kämpfe ich mich die Treppen hoch auf die in 75 Metern Höhe gelegene Aussichtsplattform.

Wow! Mit diesem Ausblick hatte ich nun wirklich nicht gerechnet. Unter uns befindet sich Hildesheim, hier der Wochenmarkt auf dem Andreasplatz, da das Rathaus und der Weihnachtsmarkt, etwas weiter weg erkennt man die Wallanlagen und ganz hinten am Horizont, kann man sogar Hannover sehen. Zumindest erahnen. Schon jetzt habe ich an die zwanzig Fotos mit meiner Kamera gemacht, dabei ist der St.-Andreas-Kirchturm erst der Anfang meines Ausflugs.

Immer der Rose hinterher …

Unten wieder angekommen, beginne ich meinen Streifzug durch die Stadt und lasse mich leiten von der Hildesheimer Rosenroute. Die Route führt entlang der herausragenden Sehenswürdigkeiten, so dass ich den Stadtplan gar nicht brauche. Ich folge den Rosen im Straßenpflaster und kontrolliere ab und zu in der Begleitbroschüre, ob ich noch auf dem richtigen Weg bin. Bin ich. Meistens. Zum Glück kann man die Innenstadt gut zu Fuß bewältigen und muss so nur kleine Umwege machen, falls man dann doch die falsche Richtung eingeschlagen hat.

Als erstes mache ich mich auf den Weg zur St. Michaeliskirche. Ich biege in die Burgstraße und vor mir erhebt sich die UNESCO-Welterbekirche auf einer Anhöhe. Je näher ich der Kirche komme, desto mehr gibt die Burgstraße von ihr frei. Etwas eingeschüchtert erklimme ich die Anhöhe, trete in die Kirche – und bin erstaunt, mit wie viel Geborgenheit ich empfangen werde. Wahrscheinlich ist meine Reaktion genau die, die sich der Bauherr, Bischof Bernward, vor mehr als 1.000 Jahren gewünscht hat: Nachdem die Gläubigen den Weg zur Kirche mit Mühe erklommen hatten, wurden sie dort in Harmonie und Wärme aufgenommen. Highlight der Kirche – die übrigens evangelisch und katholisch ist – ist das mittelalterliche Deckenbild, das sich über das Mittelschiff erstreckt.

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Während ich das Deckengemälde studiere, erkenne ich aus den Augenwinkeln zwei Frauen, die mir heute Morgen im Zug gegenübersaßen. Aha, denke ich, Kulturreisende wie ich!

Von der St. Michaeliskirche mache ich mich auf zum Mariendom, der zweiten UNESCO-Welterbekirche in Hildesheim. Hier beginne ich meine Erkundungstour mit der bronzenen Tür, die ebenfalls Bischof Bernward herstellen ließ. Sie zeigt die christliche Erzählung von der Schöpfung über den Sündenfall bis hin zur neutestamentarischen Erlösung. So wurde im Mittelalter jedem Besucher, der durch die Tür trat, sein Platz auf der Welt bewusst.

Umschlossen von dem Kreuzgang des Doms befindet sich der St. Annenfriedhof mit dem 1000-jährigen Rosenstock, der Namensgeber für die Rosenroute. Der Legende nach wurde das Bistum Hildesheim im Jahr 815 an dieser Stelle gegründet, hoffen wir, dass weitere 1200 Jahre folgen werden.

Alte Gemäuer und Fachwerkstadt

Auf meinem Weg hinaus, nicke ich den Frauen aus dem Zug zu. Sie sind nun auch im Dom angekommen und ich frage mich, wo ich sie wiedertreffen werde. Mein nächstes Ziel sind die Wallanlagen und das Fachwerkviertel zwischen dem Kehrwiederwall und Brühl.

Weihnachtsbummel über den Weihnachtsmarkt

Gut drei Stunden bin ich jetzt auf der Rosenroute unterwegs, langsam werde ich hungrig. Also zurück in die Innenstadt, zum pittoresken Marktplatz und dem darauf befindlichen Hildesheimer Weihnachtsmarkt. Rund sechzig Stände tauchen mit ihrer weihnachtlichen Dekoration und dem gemütlich leuchtenden Licht den Marktplatz und den Platz An der Lilie in festliche Stimmung. Bevor ich aber meinen Hunger stille, biege ich noch schnell ins Besucherzentrum Welterbe Hildesheim ab. Hier können Kinder (und Erwachsene) dem Weihnachtsmann Post schicken. Die Chance lasse ich mir natürlich nicht entgehen – schnell formuliere ich einen Brief und werfe ihn in den Weihnachtspostkasten, von wo aus der Brief direkt nach Himmelsthür verschickt wird.

Aufgewärmt trete ich zurück auf den Weihnachtsmarkt und schlendere durch die Gassen des Weihnachtsmarktes. An der dreistöckigen Weihnachtspyramide bleibe ich stehen und esse erst einmal eine Kleinigkeit, bevor ich mich auf der Suche nach einem Weihnachtsmarktmitbringsel mache. In der Nähe des Kinderkarussells entdecke ich einen Stand mit echten Trüffeln und italienischen Gewürzen. Endlich habe ich das passende Geschenk für meine kochbegeisterte Freundin gefunden! Fehlen darf natürlich auch nicht der obligatorische Stand mit beleuchteten Weihnachtssternen. Fällt euch etwas auf? Die Weihnachtsmarktbuden auf dem Marktplatz sind historischen Gebäuden in Hildesheim nachempfunden.

Auf dem Platz An der Lilie geht der Weihnachtsmarkt weiter. Hier steht das Riesenrad, das beharrlich seine Runden dreht und Kinderherzen höher schlagen lässt. Bevor ich mich auf die Heimreise mache, genieße ich noch auf warmen Tierfellen einen letzten Glühwein. Und siehe da, der Glühwein schmeckt auch in Hildesheim. Während ich meinen Blick über den Markt schweifen lasse, entdecke ich – genau: die beiden Frauen aus dem Zug. Ob sie auch mit mir zurückfahren?

Wohlig gewärmt geht es für mich zurück nach Braunschweig, eines aber ist sicher: Im Sommer komme ich wieder um die grünen Wallanlagen und vielen Freizeitaktivitäten zu entdecken.

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