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ANGEPRANGERT! – Celler Poetry Slam ohne Schloss und Riegel

Autor: Sarah Jacobi

„Herzlich willkommen zum ungewöhnlichen Dichterwettstreit, bei dem es sich garantiert um kein neumodisches Phänomen, sondern um ein wortspielhaftes Fabelwesen der Literaturwelt handelt.“
„WOW, was für ein Text! Ich höre und staune nicht schlecht, als die Moderatorin des Abends auf der Bühne erscheint. Jessy James LaFleur ist Spoken-Word Künstlerin und extra aus dem großen Berlin in mein „kleines“ Celle gekommen…Warum fragt man sich?! Ihre Antwort: „Na, um hier mal ordentlich einzuheizen!“ Gesagt getan. Die KUNST & BÜHNE, der Austragungsort dieser neuen Veranstaltungsreihe, bebte am Ende des Abends und wie es dazu kam? Los geht’s:

Slamerin Jessy James leitet den Poetry-Slam Abend

Es ist kurz vor 18:00 Uhr. Eine kleine Gruppe hat es sich vor der KUNST & BÜHNE gemütlich gemacht. Es gibt was zu Trinken und die Stimmung ist super. Alles ganz normal, wenn man jetzt allerdings weiß, dass der Einlass erst in einer Stunde ist, wird die Sache schon interessanter. Die Gruppe wird immer größer, je weiter die Einlasszeit näher rückt.

19:00 – Einlass! Die Menschentraube strömt in den kleinen Empfangsbereich der KUNST & BÜHNE. Jeder will einen guten Platz ergattern. Um 19:10 Uhr geht nichts mehr! AUSVERKAUFT – Wahnsinn, denke ich mir. Das geht ja schon gut los. Welch‘ Glück, dass ich mein Plätzchen schon vorher bekommen hab – danke dafür!

Die kleine KUNST & BÜHNE platzt fast aus allen Nähten, denn es gibt nur knapp 100 Plätze für die Zuschauer. Es werden schnell noch letzte Getränke gesichert und nun gespannt gewartet. Saallicht aus, Spott an! Jessy James LaFleur betritt die Bühne und der Poetry Slam beginnt.

„Weiß hier eigentlich jeder was ein Poetry Slam ist oder anders gefragt: Wer von Euch war denn schon mal auf einem?“ Sieben Hände gehen in die Luft und die anderen 92 Zuschauer und ich waren sichtlich überfordert mit der Situation? „Ist doch nicht schlimm! Ich erkläre das nochmal für alle!“

8 Slamer stellen sich dem Celler Publikum

Die Regeln: RESPECT THE POET!

Ein Poetry Slam stellt die Welt der Sprache auf den Kopf und punktet mit unterhaltsamer Performance. Eins ist klar: Es kommt nicht nur auf das Geschriebene an, hier erwachen Worte wortwörtlich zum Leben. Ein Zeitlimit von 6 Minuten und keine Requisiten oder Verkleidungen. Abgesehen davon ist aber alles erlaubt was Stift und Gedankengut hergeben. Das Repertoire reicht dabei von Comedy über Prosa bis hin zu klassischer Poesie. Lyrische Reimemonster, phantasievolle Geschichtenerzähler oder wortgewandte Rapkünstler zitieren leidenschaftlich Gedichte oder erzählen aus dem knallharten Leben. Am Ende des Abends ermittelt die Zuhörerschaft den „Sieger“ mit Hilfe von Punktetafeln und Applaus-o-meter. Doch die größte aller Regeln für die Zuschauer: RESPECT THE POET! Jeder ist einzigartig und es gehört schon viel dazu, seine Texte der ganzen Welt zu präsentieren. Daher einigen sich alle Zuschauer drauf, dass der Poet steht’s respektiert und seiner Meinung und Gefühlen freien Lauf lassen darf.

Das Publikum entscheidet über die Beiträge der Slamer

Die Poeten des Abends

Für unseren, den #3 Celler Poetry Slam, sind 8 Poeten aus ganz Deutschland angereist. Nacheinander performen sie ihre mitgebrachten Werke. Es ist alles dabei! Der „Stille Poet“ aus Braunschweig imitiert z.B. die missgebildeten S-Laute des Comedians Paul Panzers höchst treffend, während er der Welt da Draußen erzählt, dass dies eigentlich Superkräfte sind und er eigentlich LISPEL-MAN hieße. Nachdem Dominik Bartels aus Helmstedt, einen Dialog zwischen Jesus und einem Gangster-Rapper zu besten brachte, beklagt der türkischstämmige Poet Aidin Halimi Asl aus Berlin, in jüngster Zeit von den Deutschen recht skeptisch beäugt zu werden – Wieso nur?! Bevor es zu Pause geht und es Zeit war, die Getränkereserven wieder aufzufüllen, philosophiert Hannoveraner Klaus Urban über den Konjunktiv: „Der Mensch ist das einzige Lebewesen mit der Möglichkeit zur Möglichkeit.

Ein Poetry-Slamer rezitiert

Besonders stolz bin ich natürlich auf den zweiten Teil des Abends, denn schon beim #3 Celler Poetry Slam haben sich zwei „Kinder der Stadt“ angemeldet, um als Poeten mitzuwirken. Matti Linke, der einen nachdenklichen Text über die „Flucht in eine andre Welt durch Flucht vor dem was dir missfällt“ vorträgt, wird von Alina Stechert mit zwei Punkte für das Finale überboten. Sie beschreibt in einem sehr emotionalen Text „ihren Moment vor dem Schlafen geh’n“, die Zeit des Tages, an dem die Gedanken einen Raum haben und sie diese versucht endlich zu ordnen.

Eine Slamerin liest aus ihren Texten

Mein persönliches Highlight ist allerdings Ninia LaGrande aus Hannover. Sie steigt als Letzte in den Ring und bringt die Menge, allein schon durch ihren persönlichen Auftritt und ihre ganze Art zum ausflippen. Mit ihrem Text über „Fernsehjunkies – oder was mein Mann und ich machen, während andere das Wetter genießen“ kommt sie zu Recht ins Finale. Getoppt wird das Ganze dann nur noch durch ihren zweiten Text: „Dehnen. Schwitzen. Atmen“, mit dem sie beim entscheidenden Applaus-o-meter nur knapp hinter Alina aus Celle, den zweiten Platz belegt.

Celle hat gewonnen – Neben Ruhm und Ehre gab es auch Ratzeputz

Doch was gewinnt man denn nun eigentlich bei so einem Poetry Slam? Das finde ich persönlich am besten: NICHTS! Dem Gewinner bleiben der Ruhm, die Ehre und die Gewissheit, das Publikum einfach mal super zu unterhalten haben. Naja, stimmt nicht ganz, denn bei uns bekommen die Gewinner noch eine Celler Spezialität überreicht – RATZEPUTZ. Eine mit Ingwer angereicherte Spirituose, sorgt für einen lange anhaltenden Geschmack in Mund und Rachen und bringt die Poeten nach einigen großen Schlucken auf der Bühne ordentlich ins Schwitzen. Wieso das so ist, was die Zahl 108 damit zu tun hat und warum diese Celler Spezialität so besonders ist? Das erzähle ich Euch ein anderes Mal!

Die Siegerehrung der Slamer beim Celler Poetry Slam
Kleingedrucktes

Überlegt Euch mal, dass Ihr so großartige und komplexe Texte in einem Satz unterbringen sollt. Schwer oder?! Dafür habe ich Euch nochmal die Links zu meinen Highlighttexten eingefügt. Es war einfach klasse und ich kann die Slams nur weiterempfehlen!

Der Celler Poetry Slam findet jeden 3. Mittwoch im Monat in der KUNST & BÜHNE statt. Die genauen Termine findet Ihr auf der Facebookseite von „ANGEPRANGERT!“ (https://www.facebook.com/angeprangert/?fref=ts).

Hier eine Auswahl der Texte vom Slam:

Sommer am Schloss – Celler Poetry Slam geht on Tour

In den Sommermonaten findet der Slam übrigens an unterschiedlichen Orten statt. Nachdem schon ein Bootssteg an der Aller bevölkert wurde, machen die Slammer am Mittwoch, 17.08.2016 – 18:30 Uhr – Station vor unserem schönen Celler Schloss und begeben sich dort auf die Spuren von Liebe, Lust und Leid.

Doch nicht nur die Liebhaber der Poesie kommen bei dieser Veranstaltung voll auf ihre Kosten. In der erlebnisreichen Kulturwoche „Sommer am Schloss“ könnt Ihr Euch auf Musik aus den Bereichen Jazz, Boogie, Rock, Punk, Swing, Latein oder auch plattdeutscher Musik, sowie Kleinkunst, Artistik, Theater und vieles mehr freuen. Neugierig geworden? Na dann ab auf unsere Website www.sommer-am-schloss.de

4 Kommentare

    • Hallo Heino! Ich mich auch, das Wetter soll ja super werden. Besser geht es nicht.

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