Insider-Tipps für Reisen und Ausflüge in Niedersachsen

Fisch „erleben“ im Schaufenster Fischereihafen Bremerhaven

Autor: Dörte

Mit der Familie war ich schon oft im Schaufenster Fischereihafen unterwegs. Ob mit Opa, der mindestens einmal im Monat von der anderen Weserseite zum Sonntags-Fischessen kommen muss, oder meinem Onkel aus Stuttgart, der uns vor kurzem besuchte, und aus dem Staunen gar nicht mehr heraus kam: „Hier ist ja ein richtig schönes Gelände zum Verweilen entstanden!“. Ja, im Fischereihafen kann man mehr als nur ein paar schöne Stunden verbringen und wirklich die Seele baumeln lassen!

Das ist das Schaufenster Fischereihafen: Der kleine Urlaub zwischendurch (c) Tanja Mehl

Eine langgezogene Holztreppe lädt am Fischereihafen I, mitten im „Schaufenster“, zum Verweilen ein. Mit meinem Fischbrötchen „to go“ mache ich es mir hier gemütlich. Direkt kommt in mir das Gefühl von Urlaub auf: Möwen, Schiffe und Wasser – viel mehr braucht es zur Entspannung für mich nicht! Dieses Plätzchen kann ich jedem nur ans Herz legen. Doch auch in den vielen, sich aneinander reihenden, Restaurants kann lecker gegessen werden. Ich erinnere mich, wie ich zur Ausbildungszeit in der Tourist-Info immer wieder gefragt wurde: „Welches Restaurant empfehlen Sie uns?“. Puh, schwierige Frage! Auch heute noch kann ich sagen: Kein ansässiger Gastronom hat mich bisher enttäuscht. Mein Tipp: Einfach an der von uns lieb genannten „Bummel-Meile“ auf die Speisekarten schauen und herausfinden, was einen anspricht. Und auch für Nicht-Fischesser gibt es allerhand Gerichte zur Auswahl.

Bunt und vielfältig: die Bummel-Meile Schaufenster Fischereihafen (c) Achim Meurer (http://achimmeurer.com)

Früher muss es vor Menschen nur so gewuselt haben an den Hafenbecken. Bis zu 215 Fischtrawler haben zu Hochzeiten hier gelegen. Durch den Strukturwandel der Bremerhavener Fischwirtschaft verlor der Fischumschlag und damit der Fischereihafen I immer mehr an Bedeutung und wurde 1990 stufenweise zu einem touristischen Areal umgebaut. Übrig ist heute nur noch das Fischereimotorschiff „Gera“, der letzte deutsche Seitentrawler. Sieht richtig schick aus in dem grün, oder? An Bord lasse ich mich via Smartphone vom Kapitän oder Besenmann führen und bekomme über Multimedia-Stationen einen beeindruckenden Einblick in die Hochseefischerei bekommen. Fasziniert hat mich vor allem die enorme körperliche Arbeit und das dann auch noch bei hohem Seegang – Wahnsinn, was dort geleistet wurde!

Ich fühle mich nicht nur „mitten drin“ im Schaufenster Fischereihafen, ich rieche es auch. Und das meine ich keineswegs negativ. Wer nicht-hungrig einen Bummel wagt, dem läuft rasch das Wasser im Mund zusammen. Nahezu überall wird vor den eigenen Augen Fisch zubereitet und direkt verkauft. Mit meinem Opa läuft das dann immer so: Erstmal setzen wir uns ins Restaurant und für Zuhause muss nebenan dann auch noch was mitgenommen werden. Büschen Heringssalat geht halt immer! Diese authentischen und liebevoll maritim eingerichteten Läden und Lokale machen für mich den Fischereihafen zu einem ganz besonderen Plätzchen. Ich merke auch immer wieder den Stolz der Mitarbeiter vor Ort, wenn sie die Zubereitung oder Herkunft erklären oder in sonst einer Weise beraten können. Wer Fisch „erleben“ möchte, ist hier genau richtig!

Fisch ist nicht gleich Fisch – in Form, Farbe und Geschmack gibt es so einiges zu entdecken in den Läden des Schaufenster Fischereihafen (c)Monika Meurer_WaltzingMeurers

Eine Räucherei, Kunsthandwerk und Schmuck – das kleine Fischerdorf im Schaufenster Fischereihafen ist eine kleine Bummel-Meile für sich (c) Tanja Mehl

Am Ende der „Bummel-Meile“ solltet ihr unbedingt im Fischerdorf vorbeischauen. Neben dem Verkauf von maritimen Mitbringsel und Deko wird vor dem neugierigen Zuschauerauge täglich geräuchert. Auch hier merke ich wieder den Stolz, als gleich die Nachfrage kommt: „Na, wissen Sie welchen Fisch ich hier gerade räuchere?“. Oft heißt es doch, dass die Menschen im Norden nicht so gesprächig sind – das erlebe ich ganz anders. Und so wird mir erklärt, wie so ein Altonaer Ofen funktioniert und welches Holz das Beste zum Anheizen ist. Für das perfekte Foto werden die Fische dann auch noch rasch ins Bild gehoben.

Eine echte Delikatesse und ein Erlebnis: frisch geräucherter Fisch wird aus dem Räucherofen gehoben (c) Achim Meurer (http://achimmeurer.com)

Manchmal mache ich dann noch einen kleinen Abstecher zu FROSTA, denn über eine große Glasfront wird der Blick in die Fischstäbchen-Produktion ermöglicht. Bremerhaven ist übrigens die Welthauptstadt der Fischstäbchen. Von hier aus wird der kleine Leckerbissen in ca. 19 Länder geschickt. Was ich noch erinnere: Reiht man die täglich produzierten Fischstäbchen aneinander, reicht das von Bremerhaven bis nach Stuttgart. Wenn man das auf das Jahr hochrechnet würde eine Fischstäbchen-Schlange viermal um die Erde reichen! Ich liebe Fischstäbchen seit meiner Kindheit und musste nach dem Besuch natürlich erstmal eins tun: Fischstäbchen kaufen! Bei mir gibt’s die nebenbei bemerkt auch gerne mit Remoulade.

Wie funktioniert das eigentlich? – die „Gläserne Produktion“ von FROSTA erfreut kleine und große Neugierige (c) Achim Meurer (http://achimmeurer.com)

Lust, den Fischereihafen zu entdecken? Dann nutzt zum Beispiel die „Tour de Fisch“, die euch zwei Stunden lang durch und in die Fischwelt führt. Mit Gästeführer besucht ihr die „Gera“, fahrt durch den Fischereihafen und probiert ein lüttes Verkostungshäppchen der Firma „Abelmann Fischfeinkost Bremerhaven“. Obwohl ich seit fünf Jahren in Bremerhaven wohne und durch die touristische Ausbildung schon einiges über den Fischereihafen weiß, konnte ich bei der Premierenfahrt im April 2017 kaum aufhören mitzuschreiben. Ganz klassisch und gemütlich könnt ihr mit der Barkasse „Dorsch“ auch ab Schaufenster Fischereihafen auf Hafenrundfahrt gehen.

Und wer in Punkto Fisch noch etwas dazulernen möchte, der ist im Seefischkochstudio genau richtig. Wie oft ich hier schon war, kann ich mich ehrlich gesagt nicht erinnern. Doch jedes Mal habe ich etwas Neues gelernt und mich nach der Kochshow immer riesig auf das leckere Fischbuffet gefreut.

Mein kultureller Tipp: Das kleine Theater im Fischereihafen. Mein Lieblingsplatz ist oben in letzter Reihe, für einen herrlichen Blick auf die Publikumsreaktionen.

Das ganze Jahr über laden außerdem viele kostenfreie Open-Air Veranstaltungen wie der derzeit noch stattfindende „Musiksommer“ ein. Hier treffe ich mich donnerstags mit Freunden und Kollegen auf ein Feierabendgetränk, genieße den Sonnenuntergang und lausche verschiedensten Cover-Bands. In der Saison ist zudem an jedem Wochenende im Fischereihafen etwas zu erleben – und wenn es „nur“ der Fisch an sich ist.
Text: Mailin Knoke

Weitere Infos

Website Schaufenster Fischereihafen

Hafenrundfahrt Fischereihafen

Website Seefischkochstudio

Website TiF / Theater im Fischereihafen

Hinweise zu den Konzerten beim Musiksommer

Website Tour de Fisch

 

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