Insider-Tipps für Reisen und Ausflüge in Niedersachsen

Ein Tag als Tourist in Braunschweig

Autor: Maike

Fast alle kennen die Stadt unter dem Namen Die Löwenstadt. Andere bezeichnen sie auch als Bumsdorf oder Stadt der Wissenschaft. Ganz andere nennen sie gar die verbotene Stadt. Für mich ist es schlicht und einfach mein Braunschweig.

Mein Bezug zu Braunschweig? Ich komme nicht aus Braunschweig – weder verwandt noch verschwägert. Mit der Schule war ich früher ein paar Mal im Staatstheater und in der Stadthalle. Ab und zu treffe ich mich mit Freunden in Braunschweig und mit der Bahn und dem Auto habe ich Braunschweig auch schon des Öfteren passiert. Früher bin ich oft nach Braunschweig zum Einkaufen gefahren, denn das ging damals schon gut und heute noch viel besser. Ich will meinen freien Tag nutzen und meine Erinnerungen auffrischen. Ausgestattet mit dem Niedersachsenticket steige ich in den Zug. Er rollt los.

Morgens halb 10 in Braunschweig

Mein Zug kommt am Hauptbahnhof in Braunschweig an. Um in die Stadt zu kommen, wechsele ich das Transportmittel und steige in die Straßenbahn Richtung Stadtzentrum ein. Neugierig beobachte ich die vorbeiziehenden Gebäude – alte großzügige Stadtvillen. Über eine Brücke passiert die Bahn den Fluss Oker und ich befinde mich mitten im Magniviertel. Nach fünf Haltepunkten hält die Bahn an den Schloss-Arkaden am Bohlweg und ich steige aus. Jetzt geht’s zu Fuß weiter. Und wohin? Mein leerer Magen kündigt sich an. In der „Apotheke“ hole ich mir das richtige Mittel.

Rezeptfreies Frühstück aus der Apotheke

Die Apotheke ist ein Café in der Schuhstraße 4. Vom Bohlweg gehe ich durch die Schlosspassage, vorbei am Braunschweiger Dom. Auf dem Weg liegt auch die Touristinfo, in der ich mir einen Stadtplan und Anregungen für meine Sightseeingtour hole: Ich werde Braunschweig zu Fuß mit meinem Handy erkunden. Dafür lade ich mir im kostenlosen W-Lan die Braunschweig App herunter. Zwei Häuser weiter kündigt die Außenbestuhlung mein Zwischenziel an. Ich betrete den Innenraum der Apotheke: Mein erster Blick fällt auf die Theke und die vielen Accessoires und Gegenstände im Raum. Die Einrichtung erinnert mich an Industrie- bzw. Fabrikräume. Ein großes, nüchternes Sprossenfenster trennt den Gastronomiebereich von der Küche, an der Decke sind große, steril, graue Lüftungsrohre sichtbar. Rustikale Lampen mit Metallgestell erleuchten den Raum. Ein letzter freier Tisch lächelt mich an. Die Bedienung reicht mir ein Klemmbrett – die Speisekarte. Ich nehme einen Milchkaffee und ein „Anfängerbrett“ mit Brot, Brötchen, leckerem Aufschnitt und ein bisschen Salat.

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Leckeres Frühstück, aber auch Mittagessen, Kaffee und frisch gebackenen Kuchen gibt es in der Tagesbar Apotheke. Sie ist einfach zu finden: zwischen der Touristinfo und der „echten“ Burg-Apotheke. Foto: Maike Leibfried

Per Handy zu den Sehenswürdigkeiten in Braunschweig

Gut gestärkt und vorbereitet kann mein Stadtrundgang samt Handy beginnen. In der Braunschweig App wähle ich unter Einstellungen (oben links) „Rundgänge“ aus und entscheide mich für den „Innenstadtrundgang“. Dauer 2 Stunden, Strecke ca. 5 km. Der Einstieg befindet sich am Burgplatz. Theoretisch könnte ich auch woanders anfangen, aber die Apotheke liegt in unmittelbarer Nähe. Station 1, der Burgplatz mit der Burg Dankwarderode, 2, der Dom St. Blasii, und 3, das neugotische Rathaus liegen dicht beieinander. Die App navigiert mich zu Punkt 4, dem Residenzschloss in dem sich die Bibliothek, das Schlossmuseum und das Stadtarchiv befinden. Durch den Haupteingang gelangt man in die Schloss-Arkaden, einem Einkaufszentrum. Bevor ich aber shoppen gehe, will ich die Stadt erkunden. Ein großer Schriftzug über dem Haupteingang macht mich neugierig: Kunst = Kapital. Der Schriftzug entpuppt sich als Kunstwerk von Alfredo Jaar, der im Rahmen des Braunschweiger Lichtparcours 2016, diese These an das Schloss angebracht hat.  Zum Lichtparcours gibt es ebenfalls einen digitalen Stadtrundgang mit Erläuterungen, aber meine Route verläuft weiter ins verträumte Magniviertel. Hier reiht sich Fachwerkhaus an Fachwerkhaus. Der Anblick ist erstaunlich: im Vordergrund die historischen Gebäude, dahinter die neumodischen Kaufhausfassaden … so ist der Lauf der Zeit …

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Historisches trifft Moderne: Fachwerkhäuser im Magniviertel vor der denkmalgeschützten Fassade des in den 1960er Jahren gebauten Einkaufshauses. Foto: Maike Leibfried

Mein Handy führt mich zu den nächsten drei Stationen: Ägidien-, Kohl- und Altstadtmarkt. Auf dem Altstadtmarkt ist mittwochs immer Wochenmarkt und so mische ich mich in das Treiben der Braunschweiger und schlendere über den Markt, der von historischen Gebäuden eingerahmt ist. In der App erfahre ich, dass sich die „Braunschweiger Elle“ am Altstadtrathaus befindet. Stolze 57,07 cm misst sie und war im Mittelalter Maß aller Tuchhändler.

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Stationen auf meinem Rundgang durch die Löwenstadt. Foto: Maike Leibfried

Kaum habe ich meinen Stadtrundgang beendet nimmt mir das Wetter die Entscheidung nach dem „was mache ich als Nächstes“ ab. Es fängt an zu regnen und ich brauche dringend eine Schlechtwetterlösung. Nicht weit von mir entfernt gibt es ein „Live Escape Game“ von „Hidden in Braunschweig“ am Bruchtorwall 6. Nach einem fünfminütigen Fußmarsch stehe ich vor dem unscheinbaren Bürogebäude gegenüber des alten Bahnhofs. Das Logo an der Hausfassade sagt mir aber: Hier bin ich richtig.

Das hat noch gefehlt unschuldig eingesperrt im Gefängnis

Ich treffe mich mit zwei weiteren Häftlingen und zu dritt bekommen wir eine Einführung zu unserem 60-minütigen Gefängnisbesuch im Prison Break. Die Zeit vergeht wie im Flug. Wir knacken gemeinsam Rätsel für Rätsel und meistern im Team die eine oder andere Schwierigkeit. Mit ein paar Tipps der „Spielmacherin“ lösen wir am Ende den alles entscheidenden Code und sind in Freiheit. Die Sträflingsklamotten können wir getrost wieder ablegen. Das Escape Spiel hat so viel Spaß gemacht, dass ich mir den Infoflyer mitnehme. Neben „Prison Break – Kein Entkommen“ gibt es noch drei weitere Räume: „Moonraker – Streng Geheim“, „Warehouse – Der Unterschlupf“ und „Reichsbank – Die Verschwörung“. Mit viel Liebe zum Detail und ausgeklügelter Technik hat mich das Escape Spiel bei „Hidden in Braunschweig“ überzeugt.

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Den Weg zu Hidden in Braunschweig habe ich gefunden – zum Glück auch den Weg wieder hinaus :). Foto: Maike Leibfried

Kurz nochmal ins Magniviertel zu makery

Zum Glück hat es aufgehört zu regnen und so beschließe ich, die letzten zwei Stunden vor Zugabfahrt durch die Innenstadt zu schlendern und im Magniviertel ausklingen zu lassen. Ich spaziere zum Kohlmarkt und in Richtung Schlossplatz. Auf dem Stadtrundgang hatte ich in der Straße Ölschlägern ein schnuckeliges Café entdeckt. Im makery gibt es neben einem All-Day-Breakfast auch Kuchen, Snacks und viele Fairtrade- und/oder Bioprodukte. Die selbstgemachten Limonaden machen mich neugierig. Ich fläze mich in einen freien Sessel, genieße meine erfrischende Limo und lasse den Tag Revue passieren …

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Willkommen in der makery. Außergewöhnliche Getränke (Salty Lemon Limonade) und All-Day-Breakfast. Foto: Maike Leibfried

Mein Braunschweig – Immer wieder einen Besuch wert

10 Stunden Braunschweig haben längst nicht gereicht um alles zu sehen – aber auf dem Stadtrundgang konnte ich auch als Braunschweigkennerin viele neue Einblicke in teils grüne Orte, Ruheoasen und Unbekanntes gewinnen. Mit der App war ich flexibel und hätte die Route jederzeit abkürzen oder verlängern können – nämlich wenn die Sonne geschienen hätte und ich mir einen kühlen Cocktail an der Okercabana gegönnt hätte. Nächstes Mal …

3 Kommentare

  1. Bumsdorf? Verbotene Stadt (aus Sicht einiger Hannoveraner), Löwenstadt und Stadt der Wissenschaft habe ich schon gehört. Aber „Bumsdorf“? Wieso?

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  2. Hallo Thorsten,
    Bumsdorf bezieht sich auf den Schriftsteller Wilhelm Raabe. Wenn der sich über seine Heimatstadt lustig machte, nannte er sie „Bumsdorf“. Wilhelm Raabe lebte bis zu seinem Tod 1910 in Braunschweig – meistens sehr gerne ;)´

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  3. Halo Maria,
    DANKE! Wieder was gelernt.

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