Insider-Tipps für Reisen und Ausflüge in Niedersachsen

Kurzurlaub mit Teenager – ein Experiment mit überraschendem Ausgang

Autor: Björn

Ich lebe und arbeite mit einer kurzen Unterbrechung in den 90er Jahren inzwischen seit 1987 in der Lessingstadt Wolfenbüttel. Eigentlich müsste ich sagen „lebte“, denn die Wellen des Lebens haben mich vor zwei Jahren nach Magdeburg gespült, wo ich inzwischen glücklich und auch heimisch bin. Was liegt da näher, als meiner Lebenspartnerin und  ihrem 11jährigen Sohn meine Heimat zu zeigen. Eigentlich dachten beide, sie kennen die Stadt schon, immerhin sind wir öfter hier und besuchen die Familie oder Freunde. Aber so richtig, ja so richtig haben wir die Stadt noch nicht gemeinsam entdeckt. Jetzt war die Zeit reif und was wir dabei erlebt haben, davon möchte ich Euch hier berichten. Der Name verrät schon einiges: Lessingstadt Wolfenbüttel. Erinnerungen an den längst vergangenen Deutschunterricht werden wach. Das klingt erst mal nicht nach Sommer, Sonne, Spaß – vor allem nicht für einen 11jährigen Jungen. Hätte Lessing „Clash of Clans“ gespielt oder wäre er ein YouTuber, na dann wäre das viel einfacher, aber so? Gucken wir mal weiter. Was gibt es noch? Der Jägermeister erobert die ganze Welt aus Wolfenbüttel. Geht nicht. Ist erst ab 18! Da bleiben dann ein paar wirklich gute Museen. Oder? Nein. Die heben wir uns mal für den Winter auf. Diesmal soll es ein ganz anderes Wochenende werden :-). Wir starten am Samstag Nachmittag und fahren nach WF. Zuerst ein bisschen Familie, dann ein Treffen mit Freunden. Soweit so gut, so normal. Doch dann geht es nicht nach Hause, sondern wir landen vor unserem Jugendgästehaus.

Das moderne Jugendgästehaus ist fünf Jahre alt und ist kombiniert mit der Landesmusikakademie Niedersachsen © JGH WF

Das moderne Jugendgästehaus ist fünf Jahre alt und ist kombiniert mit der Landesmusikakademie Niedersachsen
© JGH WF

Es ist inzwischen nicht mehr so hell wie auf dem Foto, immerhin ist es schon 23 Uhr. Wir holen unseren Schlüssel aus dem Schlüsseltresor, alles klappt und fünf Minuten später stehen wir in unserem 4-Bett-Zimmer. Erinnerungen an eigene Schulfahrten und Jugendfreizeiten werden wach. Sah es damals auch schon so klasse aus und hatten wir auch ein eigenes Bad mit Dusche? Wären nicht die Stockbetten, würde uns das Zimmer schon eher an ein gutes Budget-Hotel erinnern. Außerdem ist es super sauber, was auch unserem Junior sofort auffällt. Er ist da von der letzten Klassenfahrt anderen Orts Schlechteres gewöhnt.

Schon chic hier. Und mit den Lampen am Bett kann man im Dunkeln das ganze Zimmer ausleuchten - das wurde getestet ;-) © JGH, WF

Schon chic hier. Und mit den Lampen am Bett kann man im Dunkeln das ganze Zimmer ausleuchten – das wurde getestet 😉
© JGH, WF

Wir beziehen mit viel Lachen die Betten und überlegen, wann wir zum letzten Mal (wohl im vergangenen Jahrtausend) ein normales Bettlaken statt einem Spannbettlaken verwendet haben. Gut gelaunt schlummern wir weg und wachen am nächsten Morgen genauso gut gelaunt wieder auf. Der Ausblick aus dem Zimmer ist einfach schön und das Frühstück auf der Terrasse rundum lecker und es stellen sich beim zweiten Kaffee bereits erste Urlaubsgefühle bei uns allen ein.

Alles grün, ruhig, schön - so wie Urlaub eben sein darf © JGH, WF

Alles grün, ruhig, schön – so wie Urlaub eben sein darf
© JGH, WF

Vom Team des Jugendgästehauses begrüßte uns dann der Leiter Ben persönlich. Nach einem kurzen und sehr sympathischen Schwätzchen übergibt er uns die gebuchten E-Bikes, mit denen wir uns auf unsere Entdeckungstour machen. Quer durch den benachbarten Seeligerpark geht es natürlich als erstes zum Schloss.

Früh morgen um 10 Uhr hat man das Schloss noch ganz für sich allein © Björn

Früh morgens um 10 Uhr hat man das Schloss noch ganz für sich allein
© Björn

Während wir „Großen“ quatschten und ich ein wenig über das Schloss, dessen Geschichte und die heutige Nutzung u. a. als größtes Gymnasium der Stadt und Sitz der Bundesakademie für Kulturelle Bildung erzähle, macht sich unser „Kleiner“ auf, dem E-Bike richtig die Sporen zu geben. Kreisgrinsen eingeschlossen. Wir schließen uns nach einem kurzen Moment an, radeln etwas gemütlicher hinterher, vorbei am Lessinghaus, Zeughaus und der Herzog August Bibliothek in Richtung der Wallanlagen. Freundliche Menschen grüßen uns auf dem Weg und nach einer Biegung an der Oker – die die Stadt umfließt – ist der nächste, außerplanmäßige Stopp notwendig. Ein Tierfreund hat für die Entchen Futter ausgestreut und so freut Junior sich abseits von Handy und Computerspielen über die lustige Schnattergesellschaft und ihre Balgereien um die leckersten Körner.

Es sind die kleinen Dinge, die uns doch am meisten Spaß machen können © Björn

Es sind die kleinen Dinge, die uns doch am meisten Spaß machen können
© Björn

Weiter geht es entlang der Grenze zur Altstadt, vorbei an prächtigen Villen aus der Gründerzeit und hinein in einen Park, der einst ein Friedhof gewesen ist. Die Kombination aus dem Herumrasen mit dem E-Bike, den so früh noch fast menschenleeren Wegen, der immer strahlenderen Sonne und den spannenden Entdeckungen zwischen den alten Grabsteinen hat uns alle schon längst aus dem Alltag herauskatapultiert. Wir sind seit 30 Minuten unterwegs und mitten im Urlaub angekommen.

Lust auf Entdeckungen? Zum Teil lassen sich noch Gräber prominenter Menschen aus dem 18/19 Jhd. finden © Björn

Lust auf Entdeckungen? Zum Teil lassen sich noch Grabsteine prominenter Menschen aus dem 18/19 Jhd. finden
© Björn

Weiter geht es durch die Wallanlagen, wo sich im nord-östlichen Teil die lange und hohe Mauer zur JVA erstreckt und dem Ort fast schon etwas beschützendes gibt, als wolle sie die schöne Natur bewahren und erhalten. Lange können wir uns mit diesem Gedanken aber nicht befassen, den Junior hat den neuen Bewegungsparcour der Stadt entdeckt. Schon stehen die Räder am Wegesrand und mit lautem Lachen werden die Station entdeckt und jede, aber auch wirklich jede wird ausprobiert.

Wir freuen uns vor allem auch über die Stationen, die wir zu zweit benutzen können © Björn

Wir freuen uns vor allem auch über die Stationen, die wir zu zweit benutzen können
© Björn

 

Sogar eine Slagline gibt es © Björn

Sogar eine Slagline gibt es
© Björn

 

Neben den Sportgeräten faszinieren uns vor allem die vielen verschiedenen alten Bäume © Björn

Neben den Sportgeräten faszinieren uns vor allem die vielen verschiedenen alten Bäume
© Björn

 

Dieser "Weiden-Dom" hat es uns ganz besonders angetan © Björn

Dieser „Weiden-Dom“ hat es uns ganz besonders angetan. Die älteste „Inschrift“ in der Rinde ist von 1807. Ob das stimmen kann?
© Björn

Ein kurzer Blick auf die Uhr verrät uns, dass es schon 12 Uhr ist. Gut, dass der Wolfenbütteler Stadtstrand „StrandWolf“ nur ein paar Meter entfernt ist. Kühle Getränke erwarten uns genauso wie eine weitere Überraschung: die Beachdays. Acht Tage lang veranstalten die Stadt gemeinsam mit dem MTV-Sportverein jeden Tag verschiedene Sportturniere im Sand. Tennis, Basketball, natürlich Volleyball und Handball gehören dazu. Die Tribüne füllt sich langsam und auch wir schauen einen Moment lang zu.

Beachdays in Wolfenbüttel: Handball © Björn

Beachdays in Wolfenbüttel: Handball
© Björn

Nach der kurzen Stärkung ist unser nächstes Ziel das 2014 neu eröffnete Stadtbad Okeraue. Die Badesachen haben wir zwar nicht dabei, aber die Erlebnisgolf-Anlage mit ihrem 12 Bahnen hat es uns angetan. Gespielt wird ähnlich dem richtigen Golf, jedoch auf kurzen Bahnen von max. 15 Meter Länge, also nur mit dem Putter. Wir schlagen alle nacheinander ab und wer am weitesten weg liegt, muss dann als nächster wieder ran. So nähern wir uns je nach Bahn mal weniger gut, mal besser dem Loch und meistens klappt es auch, mit den max. erlaubten acht Schlägen einzulochen. Doof sind nur die Strafschläge, wenn der Ball vom „Fairway“ ins „Rough“ rollt, also die Bahn verlässt. Zum Ende hin klappt es aber auch dabei mit der Kraftkoordination schon deutlich besser und der Spaß steht nach kurzer Verzweiflung über das eigene Können wieder im Mittelpunkt.

Tolle Anlage, tolles Ambiente © Björn

Tolle Anlage, tolles Ambiente
© Björn

 

Die Bahn sind klasse angelegt und gefallen uns viel besser als die Betonbahnen beim Minigolf © Björn

Die Bahnen sind klasse angelegt und gefallen uns viel besser als die Betonbahnen beim Minigolf
© Björn

Nachdem uns inzwischen die Sonne ganz mächtig auf den Kopf scheint, haben wir eine Abkühlung verdient. Die Straße runter, vorbei am wunderschönen Lessingtheater radeln wir zum Eiscafé Martini. Wir haben Glück und bekommen drei Liegestühle mit Sonnenausrichtung und Junior bestaunt die vorbeifahrenden Autos und Motorräder, bis unser leckeres Eis kommt.

Sehen und gesehen werden ist hier Programm - wir chillen dabei in der Sonne © Björn

Sehen und gesehen werden ist hier Programm – wir chillen dabei in der Sonne
© Björn

 

Spaghettieis "Pesto" mit Pistazie und Schoko-Crossis, lecker :-) © Björn

Spaghettieis „Pesto“ mit Pistazie, Karamellsoße und Schoko-Crossis, lecker 🙂
© Björn

Inzwischen ist die Uhr schon auf 14 Uhr gerast, uns ist trotz der Abkühlung von innen außen rum mächtig warm und so radeln wir gemütlich zurück zum Ausgangspunkt unserer Tour. Angekommen am Jugendgästehaus empfängt uns wieder Ben und nimmt die Räder zurück. Wir schmeißen ein paar Klamotten der „Sonne sei dank“ ab und Ben hat noch einen Tipp für uns. „Ob wir denn die Sportart Discgolf schon kennen würden?“ fragt er uns. Neugierig geworden, lassen wir uns erklären, was es damit auf sich hat und erfahren, dass man mit einer Frisbee auf Körbe wirft und dabei Distanzen zwischen 80-100 Meter überwinden muss. Wie beim richtigen Golf, gibt es bei jeder Bahn eine Vorgabe für die erlaubte Anzahl der Würfe. Bei den Bahnen im Seeligerpark sind das im Schnitt drei Würfe und wir probieren es einfach mal aus. Im Schatten der großen, alten Bäume haben wir schnell den ersten Abwurf erreicht und da wir häufig im Strandurlaub mit Frisbees werfen, macht uns das Discgolfen auch schnell Spaß. Das Zählen lassen wir aber vorerst sein, denn Lust auf einen familieninternen Wettbewerb hat schon lange niemand von uns, dafür ist der Tag einfach zu schön.

Die Scheibe ist übrigens der dünne, gelbe Strich rechts vor den Bäumen © Björn

Die Frisbee-Scheibe ist übrigens der dünne, gelbe Strich rechts vor dem Baum
© Björn

Nach dieser Runde machen wir uns zum Abschluss unseres tollen Urlaubstags noch auf in die Innenstadt, wo die Geschäfte heute geöffnet haben und auf dem Stadtmarkt die Meisterschaften im Buspulling stattfinden. Dort herrscht eine riesen Stimmung, wir lassen uns davon anstecken und schauen uns den Wettbewerb bis zur Siegerehrung an, bevor wir dann leider wieder heimwärts fahren müssen.

Unser Fazit

Unser Experiment ist gelungen und unser Junior ist schwer begeistert, wie „cool“ Wolfenbüttel ist. Auf dem Nachhauseweg schmiedet er schon Umzugspläne. „Ein Tag reicht nicht aus“, ist unser Familienfazit. Überrascht hat unseren Junior vor allem, was man alles in Wolfenbüttel machen kann, dass es nicht langweilig wurde und er nichts (mit) machen musste, wozu er keine Lust hatte. Das E-Bike fahren war für ihn der größte Höhepunkt des Tages. Die Erfahrung, mit mehr als 25 km/Stunde durch die Stadt zu brausen und sich dabei nicht wirklich anstrengen zu müssen, gefällt ihm ausgesprochen gut.  Wir „Großen“ schmunzeln und freuen uns, dass unser Tag in der Lessingstadt allen so viel Freude bereitet hat. Wir planen auf jeden Fall schon den nächsten Kurzurlaub vom Alltag. Vielleicht ja dann mit dem Stadtbad, dem Aha-Erlebnis-Museum und auf jeden Fall einer größeren Tour mit den E-Bikes. Das mussten wir versprechen. Gern.

Ich danke meiner Familie für das Mitmachen (ich liebe Euch, vor allem, wenn ihr soviel lacht), Ben und dem JGH-Team, Donata aus der Tourist-Info und allen, die den Tag so toll gemacht haben.

Budgetinfos

Für alle, dies es uns nachtun wollen: Das Budget für die Übernachtung und den ganzen Tag beläuft sich für uns drei Personen auf 57,50 Euro/Person und teilt sich wie folgt auf:

– Übernachtung mit Frühstück: 71 Euro

– Drei E-Bikes, Tagesmiete: 60 Euro

– Getränke und ein Eis am Stil am Stadtstrand: 9,50 Euro

– Erlebnisgolf, 2 Erw./1 Kind: 12,50 Euro

– 3x Eisbecher bei Martini: 19,50 Euro

– Discgolf: die Scheiben bekommt Ihr als Gäste des JGH kostenlos – Den ganzen Tag Spaß haben: unbezahlbar 😉

 

 

Mehr über Wolfenbüttel findet Ihr hier: Blogposts über die Lessingstadt Wolfenbüttel

Wenn Ihr in der Stadt seid und noch Zeit habt, wird Euch dieser Blogpost ganz bestimmt interessieren: Wolfsburgs Ideen für Teenager

2 Kommentare

  1. Hat mir gut gefallen und kann das nur rundum bestätigen, weil ich einige der Dinge schon selber gemacht habe und kenne.

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    • Lieber Herr Windus-Dörr,

      danke für die Blumen. Blogtexte zu schreiben macht Spaß, die „Recherche“ noch viel mehr. Da kann man auf die Fulltime-Reiseblogger echt neidisch werden.

      Viele Grüße nach Hannover!

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