Insider-Tipps für Reisen und Ausflüge in Niedersachsen

Frühjahrsputz schon erledigt!

Autor: Frank

Eigentlich vermisse ich sie ja schon ein bisschen: die Dauer-Baustelle inmitten Stades Altstadt, dem Fischmarkt. Man hatte sich so schön dran gewöhnt, fast zwei Jahre lang, irgendetwas gab es immer zum Gucken. Gut zuletzt die Pflasterer zu beobachten, die Stein auf Stein das historische Bild wieder hergestellt haben, waren vielleicht nicht ganz so spannend. Aber in den Monaten zuvor…

Fischmarkt_Panorama Hude Brücke im Bau kleine Datei

Über anderthalb Jahre haben gehörte die Baustelle am Fischmarkt für Anwohner und Gastronomen zum Alltag. Am spannendsten war wohl der Moment als die beiden Häuser von der alten Hudebrücke getrennt worden waren, um sie auf neue, von der Brücke unabhängige Stützen zu stellen.
© Martin Elsen

Über eine Behelfsbrücke durften wir den historischen Hansehafen queren, links und rechts schauen, wie der Hafen trocken gelegt wurde, wie wochenlang Profi- und Freizeit-Archäologen nach Schätze im Schlick suchten, wie sich nach und nach schweres Arbeitsgerät (einschließlich eines riesigen Krans) im Hafenbecken breit machte, wie die Häuser von der überbauten Brücke gelöst und ihnen ein eigenes Fundament gegeben wurde, wie Leitungen neu verlegt wurden, wie schließlich das Wasser wieder aufgefüllt wurde und dabei die Baufahrzeuge beinahe geflutet wurden…

K7_A1_F1_Hafengrabung

Begleitet wurden die Baumaßnahmen von Archäologen. Immer auf der Suche nach neue „Schätze im Schlick“. Die spektakulärsten Funde werden später im Museum Schwedenspeicher zu sehen sein.
© Martin Elsen

Das war schon alles spannend und soll nun einfach vorbei sein? Herausgeputzt sieht es dort jetzt aus an Stades „Hotspot“, als sei der Frühjahrputz schon erledigt. Nun, ehrlich gesagt, freue ich mich natürlich auch schon bannig darauf, dass sie nun wieder los geht die Zeit, um dort in den Cafés und Restaurants, die direkt am alten Hansehafen ihre Sommerterrassen haben, zu sitzen. Die Wirte haben Gottseidank das Gestühl schon einmal vorsorglich nach draußen gestellt.

Ist das Flair dort direkt am Wasser nicht ideal, um vom Alltag abzuschalten, und die Sonne zu genießen. Und wenn’s denn nicht die Archäologen und Bauarbeiter sind, zu schauen, wer gerade vorbei läuft, erfahren, was der neuste Schrei ist, bekannte und neue Gesichter in der Stadt zu entdecken… Das ist auch schon mächtig spannend. Die Welt kann warten.

Fischmarkt_alles_neu

Die Postkartenidylle ist wieder hergestellt an Stades „Hotspot“ – den Straßenzügen Wasser West und Wasser West sowie den Fischmarkt rund um das Becken des alten Hansehafens.
© Frank Tinnemeyer

Der „Staubfänger“ scheint übrigens zeitgleich durch das benachbarte Museum Schwedenspeicher gefegt zu sein. In einer rekordverdächtigen Zeit von 10 Monaten wurden hier zwei weitere Etagen nicht nur regelrecht entstaubt, sondern aus den 70er Jahren in die Jetzt-Zeit gebeamt. Ich hatte in dieser Woche die Gelegenheit zusammen mit neuen Gästeführerinnen und Gästeführer, die wir derzeit ausbilden, in die neue moderne Welt des Museums einzutauchen. Natürlich stehen dort immer noch vergangene Zeiten, nämlich Geschichte und Archäologie Stades und der Region, im Mittelpunkt, wie soll es auch anders sein in einem Regionalmuseum. Die Präsentation der Ausstellungstücke ist allerdings jetzt hochmodern und technisch auf dem neuesten Stand angekommen. Hell und freundlich zeigen sich die neuen Räumlichkeiten, anschaulich und in einem völlig neuen Licht werden die Objekte dargestellt, interaktiv kann man hier nun Geschichte begreifen.

Museum Schwedenspeicher Stade  2. OG

Die Ausstellungsanordnung erlaubt einen Blick über die gesamte Etage. Dadurch wird das Denkmal in seiner ursprünglichen Funktion – als großer Kornspeicher der schwedischen Garnison – wieder erlebbar.
© Museen Stade

In sechs Zeitinseln werden die archäologischen Highlights aus dem Elbe-Weser-Dreieck – zum Teil Funde von europäischem Rang – in einer einzigartigen Inszenierung präsentiert. Besonders anschaulich finde ich die Comics, die eigens von der Berliner Zeichnerin Augusta für die Ausstellung entwickelt wurden. Sie erzählen die spannenden und teils kuriosen Auffindungsgeschichten der Objekte. Am Ende des Rundgangs gibt es einen Medientisch, an dem zum Beispiel Recherchen zu Objekt- und Fundstellen durchgeführt werden können.

Übrigens: wer sich auf einen Besuch vorbereiten will und oder im Anschluss noch tiefer in die Materie eintauchen will, oder vielleicht einfach nur die Geschichte der bei den Bauarbeiten am Fischmarkt von den Archäologen sichergestellten Schätze im Schlick verfolgen will, kann sich auch bequem von zuhause aus in die neuen Medienstationen einloggen: Medienstationen online.

Nachfolgend noch ein kurzer Filmausschnitt aus dem Rundgang in dieser Woche mit den Gästeführerinnen und Gästeführer, bei dem der Direktor der Stader Museen, Dr. Sebastian Möllers, diese neue Attraktion erläutert.

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