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Fair Trade – made in Göttingen

Autor: Keno

Weihnachtszeit ist auch für mich Geschenkezeit. Wem in meinem Familien- und Freundeskreis schenke ich was? Bei der Entscheidung spielt für mich eine wichtige Rolle, unter welchen Bedingungen die Dinge produziert wurden, die ich verschenke. Also suche ich nach fair gehandelten Produkten. Sie zu finden ist in Göttingen nicht schwer, denn die Idee wird in unserer Stadt schon lange umgesetzt. Ein Beispiel dafür ist Contigo, ein Unternehmen, das bereits 1994 gegründet wurde. Der Name ist übrigens Programm, denn ‚contigo‘ bedeutet im Deutschen ‚mit dir‘.

Ein Göttinger wagt den Schritt

Contigo - Fair Trade made in Göttingen © Keno

Contigo – Fair Trade made in Göttingen © Keno

Um mehr über die Fair Trade-Idee zu erfahren, bin ich mit der Verkaufsleiterin  Ina Mollmeier verabredet. Ich treffe sie im Göttinger Contigo-Laden, der Keimzelle des Unternehmens. Bevor ich meine Fragen stellen kann, werde ich in den kleinen Café-Bereich eingeladen. Kurze Zeit später habe ich eine dampfende Tasse Tee vor mir stehen. Die Frage, ob der Tee fair gehandelte ist, muss ich nicht stellen. Hier gibt es nichts, was nicht dem Fair Trade-Prinzip entspricht, das da lautet: den Produzenten bessere Marktchancen verschaffen, höhere und stabilere Einkommen garantieren sowie menschenwürdigere Arbeitsbedingungen sicherstellen. Der Kunde profitiert zeitgleich von transparenten Handelswegen, guter Qualität und besonderen Produkten. Doch wie sieht das konkret aus?

Café-Atmosphäre im Contigo-Shop

ein Begrüßungsgetränk im Café-Bereich © Keno

Datenbank und Reiseblog – Transparenz auch für Kunden

Ina Mollmeier berichtet mir, dass Contigo mit 54 Produzenten aus Asien, Afrika und Lateinamerika zusammenarbeitet. Jeder Partner wird persönlich besucht, um die Bedingungen vor Ort zu überprüfen. In der Regel reist auch eine Produktentwicklerin mit, die einen Blick darauf hat, dass Design und Qualität europäischen Erwartungen entsprechen. In einer großen Datenbank werden umfangreiche Informationen zu den Partnern gegeben, deren Geschichte erzählt und auf die Fair Trade-Aspekte verwiesen. Diese Infos stehen dann auch den Kunden zur Verfügung. Über einen Blog auf Facebook kann man den Mitarbeitern von Contigo übrigens auch auf ihren Reisen rund um die Welt folgen und die Partner persönlich kennenlernen.

Fair Trade Produkte - Shoppen bei Contigo

Transparenz der Produkte – erste Informationen bereits im Laden © Keno

Kunstvolle Handwerksarbeiten und ausgefallene Ideen

Im Gegensatz zu den Weltläden, die ebenfalls in vielen Städten und natürlich auch in Göttingen zu finden sind, konzentriert sich das Angebot von Contigo vor allem auf Handwerksprodukte, wie Keramik, Lederwaren, kunstvoll gefertigter Gold- und Silberschmuck, Holzprodukte, Kerzen, Tücher und Korbwaren.

Auf unserem Rundgang durchs Geschäft zeigt mir Ina Mollmeier auch zwei besondere Produkte. Hier werden Umweltschutz, Recycling und eine gute Idee zusammengeführt. So sammelt die Firma Conserve in Indien Plastikabfälle und verwandelt sie in Taschen, Etuis, Organizer und Portemonnaies, denen man ihren Ursprung definitiv nicht mehr ansieht. Und All Women Recycling aus Südafrika produziert  aus Plastikflaschen Klickboxen, die man gut als Geschenkverpackung für kleinere Präsente nutzen kann. Super Ideen, wie ich finde.

Der Duft von frisch geröstetem Kaffee

Im hinteren Bereich des Geschäftes führt mich meine Gastgeberin zu einer weiteren Besonderheit. Hier steht eine Anlage zum Rösten von Kaffee. Ich habe das Glück das Mitarbeiterin Ines Sperling gerade dabei ist eine neue Röstung vorzubereiten. Und so kann ich ihr dabei zusehen wie Sie mit geübten Griffen Säcke öffnet, Kaffeebohnen abwiegt und mischt und den Röstprozess startet.

Göttingen, kleine Kaffeerösterei mit fair gehandelten Kaffeebohnen

live dabei – Kaffee rösten bei Contigo © Keno

Die Erfolgsgeschichte reicht bis Peking

Contigo ist inzwischen übrigens der größte europäischen Importeur von fair gehandelten Handwerksprodukten. Wer einen Contigo-Laden besuchen möchte, kann das natürlich am besten in Göttingen, wo alles begann und das Geschäft das größte seiner Art ist. Es gibt Contigo aber inzwischen auch in 17 weiteren Städten in Deutschland. Und einen Contigo-Coffee-Shop sogar in Peking. Dieser wurde von einer ehemaligen Praktikantin eröffnet, die die Fair Trade-Idee aus Göttingen bis nach China brachte. Sollte also jemand demnächst eine Reise nach Peking planen, wir geben gerne die Adresse für einen Besuch des Cafés weiter.

Fair Trade-Stadt Göttingen

Aber nicht nur Contigo hat sich in Göttingen dem Fair Trade-Gedanken verschrieben.  2013 wurden Stadt und Landkreis Göttingen zertifiziert und bilden jetzt die Fair Trade Region. Gemeinsam mit Kirchen, Bildungsträgern und dem Entwicklungspolitischen Informationszentrum (EPIZ) werden zahlreiche Projekte und Aktionen ins Leben gerufen. Auch die Göttinger Nobelbohne, unser offizieller Stadtkaffee, und die Schokoliesel, unsere offizielle Stadtschokolade, sind natürlich fair gehandelt.

Bio-Gastronomie mit Fair Trade-Produkten - das Café INTI in Göttingen

Café INTI am Wilhelmsplatz – zertifizierte Bio-Gastronomie © Keno

Auch Göttinger Cafés und Restaurants verschreiben sich der Fair Trade-Idee. Ein gutes Beispiel dafür ist das Café INTI am Wilhelmsplatz, in dem ich mich mit meinem Spanischkurs öfter mal treffe. Von Kaffee über Tee, Milch und Kakao bis hin zum Zucker finde ich hier viele Fair Trade-Produkte. Aber das Inti geht noch einen Schritt weiter. Wie ich erfahre nutzt es für fast alle Speisen und Getränke Produkte aus kontrolliert biologischem Anbau, nach Möglichkeit mit regionalen und saisonalen Schwerpunkten. Es ist mit dieser Philosophie und ihrer Umsetzung auch eine zertifizierte Bio-Gastronomie. Gleich um die Ecke befindet sich mit Dabis Kaffeestube der nächste Ort, an dem ich meinen Kaffee und Tee oder meine Schokolade ebenfalls mit sehr guten Gewissen trinken kann. Und so setzt es sich auf einem Rundgang durch die Stadt fort, denn viele Cafés, Restaurants und Geschäfte bieten fair gehandelte Produkte an. Und was in einer so großen Studentenstadt wie Göttingen besonders schön ist: Auch das Studentenwerk schließt sich dem Gedanken an und bietet in seinen zahlreichen Mensen und Cafés Fair Trade-Getränke.

Und da gerade rund um das Altes Rathaus der Göttinger Weihnachtsmarkt geöffnet ist, kann ich Euch am Ende meines Blogs noch einen Tipp geben, wo Ihr sogar hier einen fair gehandelten Kaffee trinken könnt. Gegenüber vom Eingang in die Johanniskirche befindet sich der Charity-Stand der zur Kirche gehörenden Pfarrgemeinde. Wer also lieber einen Fair Trade-Kaffee anstatt eines Glühweins trinken möchte, der wird hier fündig.

Wenn Ihr Euch in Göttingen auf eine Fair Trade-Entdeckungstour begeben möchtet, dann findet Ihr alle Informationen zu Geschäften, Cafés und Restaurants, die Fair Trade-Produkte anbieten hier.

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