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Kulinarische Rundreise durch Lingen

Autor: André Partmann

Ihr habt Lust auf ein kühles Bier? Wollt mal wieder so richtig schön um die Ecke essen gehen und sorglos die Seele baumeln lassen? Durch Gassen schlendern, historische Gebäude auf euch wirken lassen und dabei entspannt ein leckeres Eis genießen? – Dann solltet ihr möglichst keine Zeit mehr verlieren und für einen Besuch nach Lingen (Ems) aufbrechen. In meinem Blogbeitrag möchte ich euch mit auf eine kulinarische Rundreise durch die Kivelingsstadt nehmen.

Seit den frühen Morgenstunden bin ich mit meinem alten Klapprad unterwegs. Entlang der Ems kann ich unter dem Gezwitscher der Vögel auf den neuen Radwegen herrlich abschalten. Endlich mal wieder, sage ich mir, nach all den Regentagen und miesen Temperaturen der letzten Wochen. Mein Ziel an diesem Tag: Lingen (Ems), größte Stadt der Region, Ort meiner Geburt. Hier möchte ich einen abwechslungsreichen Nachmittag verbringen und es mir einfach gut gehen lassen.

Mehr als nur Natur

Das Emsland ist, schenkt man der überwiegenden Mehrheit der auswärtigen Urlauber Glauben, bekannt für seine weitläufige und faszinierende Natur. Mich freuen diese Aussagen im Prinzip sehr, schließlich ist die Bestätigung der Gäste gewissermaßen immer eine kleine Lobeshymne an meine Heimat. Doch gleichwohl kann ich nicht abstreiten, dass mir die Sätze in letzter Zeit zumindest unbewusst auch immer häufiger auf den Magen schlagen: Denn das Emsland und speziell meine Geburtsstadt Lingen haben doch eigentlich noch so viel mehr zu bieten als nur Flüsse, Wald und Wiesen – kulinarische Vielfalt zum Beispiel.

Aus der Ferne kann ich mittlerweile die Stadtgrenzen erblicken. Von den Radwegen an der Ems ist es zur Lingener Innenstadt nur noch ein Katzensprung, eine gute Viertelstunde Fahrtweg vielleicht. Als ich auf dem Marktplatz ankomme, sind meine Wasservorräte längst aufgebraucht. Ich verspüre nach der kräfteraubenden Tour mit dem Rad Durst, ein geeignetes Lokal muss her. Ein kühles Bier wäre jetzt super.

Der Marktplatz in Lingen hat bietet viele Ausgehmöglichkeiten.

Auf dem Marktplatz, rund um das historische Rathaus, finden Lingens Besucher viele Restaurants. Foto: André Partmann

Traditionelles Gericht

Ich werde schnell fündig, denn unmittelbar gegenüber des historischen Alten Rathauses liegt die Alte Posthalterei – ein denkmalgeschütztes Gebäude, das mittlerweile als Restaurant dient und als Hotspot der Bierliebhaber in Lingen gilt. Seit Juni 2014 wird das Lokal von Gastronom Markus Quadt und seiner Mannschaft betrieben. Überaus erfolgreich, wie man nach den ersten zwei Jahren bilanzieren kann. Niemand geringeres als Fernseh- und Sternekoch Christian Rach besuchte nämlich Anfang des Jahres die Alte Posthalterei im Rahmen der Sendung „Rach sucht: Deutschlands Lieblingsrestaurant“. Zwar reichte es am Ende nicht für die Top-3, doch der Sternekoch sprach dennoch Bestnoten aus.

Was ist also das Besondere an diesem Lokal? Die Alte Posthalterei kocht fast ausschließlich mit Zutaten aus der Region. Unter anderem bieten die Köche den Kivelingsteller an, der seinen Namen von den Kivelingen, einem Lingener Junggesellenverein, erhalten hat und aus Schweinemedaillons, Geflügel, Bratkartoffeln, Bohnen, zwei Scheiben gebratenem Speck und einem Spiegelei besteht. Die Kivelinge gibt es noch heute, alle drei Jahre findet ein großes Fest in der Innenstadt statt. Der Sage nach haben sie, die männlichen unverheirateten Junggesellen, die Stadt Lingen im 14. Jahrhundert verteidigt und ihre Eroberung verhindert. Seither trägt die Lingen den Zusatz „Stadt der Kivelinge“. Und als Hommage daran wurde der Kivelingsteller kreiert.

Ein Restaurant – 100 Biersorten

Noch außergewöhnlicher aber ist die umfassende Auswahl an Bieren in der Alten Posthalterei. Gastronom Quadt ließ sich als „Biersommelier“ ausbilden und unterhält mittlerweile eine Auswahl von über 100 Sorten. Darunter befinden sich bekannte Marken wie das Augustiner aus München, Altbiere aus Düsseldorf oder auch das eigens hergestellte „Porter Nr. 5“. Es gibt in der Alten Posthalterei zudem die Möglichkeit, ein „Tasting“-Angebot zu ordern, das sechs unterschiedliche Biere beinhaltet. Freunde des „kühlen Blonden“ kommen hier voll auf ihre Kosten.

Das Restaurant Handgemacht bietet frische Salate und Burger an.

Noch neu in Lingen, aber bereits ein echter Geheimtipp: Das Restaurant Handgemacht. Foto: André Partmann

Im Handgemacht ist der Name Programm

Ich entscheide mich an diesem Tag allerdings nur für ein Bier und gegen die Hausmannskost. Stattdessen setzte ich meine kulinarische Rundreise im naheliegenden Handgemacht fort. Das Restaurant befindet sich in unmittelbarer Nähe zum Bahnhof an der Poststraße. Seit November 2015 wird es von Inhaber Niels Olbrich betrieben. Das Lokal ist spezialisiert auf, wie mag es bei dem Namen auch anders sein, handgemachte Burger und Salate. Das Schöne am Handgemacht ist, dass hier sämtliche Gruppen essen können. Für Vegetarier und Veganer werden entsprechende Speisen zubereitet, der Fleischliebhaber bekommt einen deftigen Hamburger serviert, für Kinder gibt es kleine Portionen.

Das Ambiente ist offen und einladend, die zwei Etagen des Hauses bieten ausreichend Platz für die Gäste. Wer möchte, der bekommt die Hamburger und Salate auch zum Mitnehmen eingepackt und kann die Gerichte daheim verzehren. Für alle anderen gilt: An Ort und Stelle genießen, der Service ist es wert.

Beim anschließendem Spaziergang durch Lingens Gassen entdecke ich in der Marienstraße das Giardino. Lingens ältestes Eiscafé wird von waschechten Italienern betrieben, die ihr Handwerk wahrlich zu verstehen wissen. Es liegt eine üppige Auswahl an Eissorten vor, die Kugel gibt es schon für wenig Geld. Die einzelnen Eisbecher werden mit frischen Früchten zubereitet, Apfelstrudel und Tiramisu sind ebenfalls Spezialitäten des Hauses – das Giardino ist somit der passende Ort für ein Dessert nach dem Hauptgang. Wer allerdings nicht extra ins Lokal einkehren will, der sollte unbedingt eine Kugel Eis für unterwegs mitnehmen. Es lohnt sich, versprochen!

Im Eiscafé Giardino gibt es leckeres Eis.

Das Giardino ist Lingens ältestes Eiscafé. Foto: André Partmann

Gemeinsames Schnacken im N8Café

Mein Weg durch Lingens kulinarische Welt führt mich am Ende des Tages ins N8Café. Unter der Woche zieht es hier viele Studenten hin, am Wochenende genießen eher Paare und Singles ihren Aperitif, um den Abend gemütlich ausklingen zu lassen. Die Lounge ist einladend mit ihrer rustikalen Einrichtung. Nicht selten kommt es vor, dass sich mit den Tischnachbarn netter Smalltalk ergibt. Das N8Café ist der perfekte Ort zum Runterfahren. Und wer doch noch Power hat, der kann hier mit Sicherheit den Grundstein für eine lange Partynacht legen.

Mit seinen 55.000 Einwohnern ist Lingen natürlich keine Stadt wie Hannover, Braunschweig oder Osnabrück. Doch wer will, der wird auch hier ein passendes Lokal finden, das sich auch in Großstädten nicht verstecken müsste. Und wer weiß, vielleicht heißt es, wenn der Leser in naher Zukunft seine eigene kulinarische Rundreise durch Lingen startet, nicht mehr nur „schöne Natur“, sondern auch „prima Lokalitäten“.

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