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Ein Ort zum Abschalten: Die Sache mit der Keramik

Autor: Bettina

Oldenburg ohne den Keramikmarkt mag man sich nach 33 Jahren eigentlich gar nicht vorstellen, oder? Naja, jedenfalls habe ich mich gefragt, warum dieser Markt seit so langer Zeit ausgerechnet in Oldenburg stattfindet. Na gut, vielleicht denkt jemand, dass es sich um einen kleinen Töpfer-Flohmarkt handelt, aber dieser jemand irrt, denn Keramik ist hier ein wichtiges Stück Heimatkultur.

Keramikmarkt Oldenburg

Keramikmarkt Oldenburg

Um diese Heimatkultur mal angemessen zu zelebrieren, schreibe ich hier über meinen Besuch in der Werkschule Oldenburg – aber nicht im Sinne geistvoller Werbung, sondern weil ich die Idee wirklich richtig, richtig klasse finde und sie so gut zu Oldenburg passt ;-)!

Mal den Kopf freikriegen?

Die Werkschule ist nicht nur Veranstalter des Keramikmarktes, sondern vielmehr auch ein Ort zum Abschalten. Und sie kommt so richtig mit Programm daher! Die künstlerische Leiterin Beate Anneken erzählt mir, dass pro Halbjahr 250 Kurse und Veranstaltungen für jedermann angeboten werden. Ob nur an einem Wochenende oder über einen längeren Zeitraum: Bildhauerei, Malerei, Keramik, Foto/Film/Medien, Kurzvorträge und lauter so schöne „Sachen“ gibt es… Aber warum eigentlich abschalten? Bei der gestalterischen Auseinandersetzung mit der Umwelt geht es nicht darum, den Körper auszuruhen, sondern wieder einen klaren Kopf zu gewinnen, wenn das Gedankenkarussell einfach nicht stillstehen will. Womit man sich kreativ auslebt, spielt dabei in der Tat nur eine untergeordnete Rolle – die Hauptsache ist, dass sich Sorgen und Frust gut in Energie umwandeln. Und wenn man mal genauer hinschaut, dann gibt es einen Trend zum Selbermachen und es hat einen meditativen Ansatz, oder?! Wer Lust hat (25 Sek. Werbung gilt es zu überstehen), kann sich hier einen Fernsehbeitrag anschauen >>

Ein Malkurs in der Werkschule.

Ein Malkurs in der Werkschule.

Jedenfalls hat sich die Werkschule seit 1984 von einem kleinen Atelier in einer Seitenstraße zu einer bedeutenden Institution entwickelt, die sich aber ihrer Identität treu geblieben ist. Neugier wecken, Wahrnehmung schärfen, mit der Umwelt auseinandersetzen, gestalterisches Potenzial bei jedem fördern wie auch die Künstler an sich – mit ihrem fachlichen und gesellschaftsbezogenen Anspruch ist die Werkschule einzigartig.

Ab ins Herz

Zum Abschluss meines Besuches durfte ich noch in den Keller. Hier stehen die großen Brennöfen und hier entstehen alle Glasuren, die der Oberflächenveredelung von Keramik dienen. Alle Glasuren werden hier ausschließlich selber hergestellt in mehreren Versuchsstadien. Hoch kompliziert, aber es soll nur die Glasur verwendet werden, wo man die Inhaltsstoffe kennt, denn schließlich werden mit Keramik auch Lebensmittel verzehrt, erklärt mir Frau Anneken.

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Warum sich ein Besuch auf dem Keramikmarkt lohnt

Wer sich nun fragt, wohin am Wochenende? Dem kann ich das erste Wochenende im August empfehlen. Dann laden die Internationalen Keramiktage wieder vor der herrschaftlichen Kulisse des Schlosses zum Schauen und Verweilen, zum Flanieren und Shoppen in Oldenburg ein.

Und weil es mich als Touristikerin und Marketingtussi interessierte, löcherte ich Frau Anneken noch mit einigen Fragen zur Veranstaltung: Warum wird eigentlich die Anzahl der Aussteller nie erhöht, obwohl doch so viel Freiraum auf dem Schlossplatz ist? Wozu wird das Keramikerporträt veranstaltet, obwohl es nicht die breite Masse anspricht? Warum müssen sich die Aussteller jährlich um die Teilnahme bewerben? Die Antwort war ganz einfach: Die Aussteller und die Besucher sollen einen Nutzen haben. Der Nachwuchs erhält eine Chance auf dem Markt und das Keramikerporträt ist als Fortbildung für die Aussteller zu verstehen. Außerdem soll sich jeder wohlfühlen, ausreichend Platz haben und um mit einer Redewendung abzuschließen – es soll nicht passieren, dass die Besucher den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sehen.
#hach…was für eine Wertschätzung, oder :-)?

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