Insider-Tipps für Reisen und Ausflüge in Niedersachsen

Die perfekte Sy-HILDESHEIM-biose: ein Spaziergang mit köstlichem Ausgang

Autor: Maike

Wenn die ersten Schneeflocken vom Himmel rieseln, die Außentemperaturen gen Minus purzeln und der Nachrichtensprecher den ersten Wintertag ankündigt, steigt meine Vorfreude: Zeit für einen schönen Winterspaziergang mit Einkehr in „Omis gute Stube“ – genauer gesagt im Kafenion.

Das ich mit meinem winterlichen Spaziergang bis Mitte Januar warten musste, konnte mir keiner vorhersagen. Umso größer war natürlich meine Vorfreude auf diesen Tag X. Und Vorfreude ist ja bekanntlich auch die schönste Freude.

Die Ruhe vor den Toren von Hildesheim

Und endlich ist es soweit. Ausgestattet mit Mütze, Schal, Handschuhen, Winter- und Thermoklamotten, Strumpfhose und Schuhen mit Felleinlage mache ich mich auf den Weg. Ich starte meinen Spaziergang am historischen Marktplatz mitten im Zentrum von Hildesheim. Meinen Weg leitet mir die Rosenroute: ins Straßenpflaster eingesetzte Keramikfließen mit dem Motiv der Rose. Die Route führt mich raus aus dem regen Treiben der Innenstadt, hinein ins Fachwerkviertel.

Pflasterstein der Rosenroute in Hildesheim © Maike

Bereits nach ca. 5 Minuten befinde ich mich im Hildesheim der Vergangenheit. Geprägt von schiefen Häusern, dicht an dicht, mit weißen, roten, gelben Hausfassaden und unebenem Straßenpflaster folge ich der Straße Brühl und biege in Richtung Lappenberg ab. Über einen unscheinbaren Trampelpfad gelange ich auf den historischen Kehrwiederwall, der sich rund 1,5 Kilometer vor den Toren von Hildesheim entlang schlängelt und in weitere Wälle übergeht. Auf dem Wall bietet sich mir eine tolle Sicht über die verschneiten Dächer der Fachwerkhäuschen und auf die umliegenden Kirchen St. Godehard und St. Lamberti.

Kehrwiederwall in Hildesheim © Maike

Ich halte inne. In der Ferne höre ich 3 Schläge der Kirchturmglocken und danach? Stille. Einzig meine Schritte im frischen Schnee sind zu hören. Und so schlendere ich über den verschneiten Kehrwiederwall. Links von mir befindet sich eine Böschung, rechts die traumhafte Sicht auf das Fachwerkviertel und vor mir die langgezogene „Spazierallee“. Am Kehrwiederturm bleibe ich stehen – keine Glöckchen zu hören.

Ich erinnere mich an die Legende: Einst verlief sich hier ein reiches und schönes Edelfräulein im Wald. Nur das Geläut des Kehrwiederturms leitete es sicher wieder zurück. Das Fräulein taucht auch heute noch an einigen Stellen im Stadtbild auf. Sie heißt Hildesia und verleiht Hildesheim im Stadtwappen ihr Gesicht! Als kleines Fräulein trifft man es außerdem auf dem Kehrwiederwall an. Mit einem Glöckchen in der Hand thront es auf dem Wall. Ihr Blick ist stets auf den Turm gerichtet.

Kehrwiederturm in Hildesheim © Maike

Historische Luft im Hildesheimer Fachwerkviertel

Mein Weg verläuft weiter auf dem Wall, parallel zur Keßlerstraße. Mit jedem Meter passiere ich ein weiteres Fachwerkhaus in ca. 80 Metern Entfernung. Neugierig blicke ich in jeden Garten und ins Innere der verträumten Häuser – mal eine kleine Dachterrasse oder ein Erker, Sproßenfenster… Eine Sache haben alle gemeinsam: keines gleicht dem Anderen!

Fachwerkviertel in Hildesheim © Maike

Am Ende des Walls biege ich in die Keßlerstraße ab. Statt der Rückseiten der Häuser sehe ich nun die Frontseiten der Fachwerkgebäude. Am Ende der Keßlerstraße bzw. am Gelben Stern bleibe ich stehen.

Auf der Ecke vom Gelben Stern zur Keßlerstraße befindet sich ein recht unscheinbares, blau-weißes Fachwerkhaus mit vielen Fenstern, direkt am Durchgang zum Kehrwiederturm und zum Wall. Es ist sage und schreibe ca. 500 Jahre alt und überstand sogar wohlbehalten beide Weltkriege. Im Inneren befindet sich das Kafenion.

Hereinspaziert in „Omis gute Stube“

Das Kafenion existiert seit 1979 als Café. Damals leitete es noch eine waschechte Griechin, die es seit letztem Jahr an ihren Sohn übergeben hat.

Kafenion © Maike

Mit roter Nase und kalten Füßen betrete ich neugierig das Café. Ich stehe mitten in „Omi’s rund 80 m² großen Stube“: flache Decken und jede Menge Holzbalken, Holzschränke, -tische und -stühle stehen im Raum und Teppiche liegen auf dem Boden. Ein angenehmer Schokoladenduft liegt in der Luft. Im hinteren Bereich des Raumes befindet sich ein Tresen mit kleiner Küchenzeile, wo Herr Heimer den selbstgebackenen Kuchen präsentiert und seine Kunden bedient. Rund 60 % seiner Gäste bestellen DIE heiße Schoko bei ihm. Ich auch.

Kakao im Kafenion © Maike

Auf einer Herdplatte erhitzt Herr Heimer die Milch im Kochtopf und schmilzt darin die Schokolade. Dann noch die Flüssigkeit durch ein Sieb in die Tasse laufen lassen, selbst geschlagene Sahne dazu und fertig ist eine heiße Schokolade, mit einer kräftigen Schokinote. Mmmmhhhhmm… selbstgemachte Schokolade wie von Omi J. Ohne Wasser gestreckt und auch ohne fertiges Kakaopulver. Genau der richtige Abschluss für einen winterlichen Ausflug im Fachwerkviertel. Im Sommer können Besucher übrigens auch draußen im kleinen Innenhof des Hauses sitzen. Ob Herr Heimer an heißen Tagen auch kalten, erfrischenden Kakao anbietet, werde ich in ca. 6 Monaten mal testen.

Das Kafenion ist mittwochs bis freitags zwischen 15 und 19 Uhr sowie samstags und sonntags zwischen 14 und 19 Uhr geöffnet. Montags, dienstags, Weihnachten und Silvester sowie rund 4 Wochen im Sommer ist das Familiencafé geschlossen. Gruppen sollten frühzeitig einen Tisch reservieren.

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