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Celle im Sommer: WAS FÜR EIN THEATER!

Autor: Andrea

Mein Interesse an Theater hat sicherlich „ viel Luft nach oben“ – ich mag es, lasse mich aber leider zu wenig dort blicken und mit „dort“ meine ich besonders unser schönes Celler Barocktheater. ABER – der Veranstaltung „Sommer am Schloss“ sei Dank – habe ich mir mit meiner Bloggerkollegin Sarah Shakespeares Komödie „Viel Lärm um Nichts“, die im Schlossinnenhof noch bis diesen Sonntag aufgeführt wird, angesehen. Vorweg bekamen wir beide vom Referenten des Intendanten, Stefan Hartung, eine Backstage-Führung.

Die Technik hinter der Bühne

Die Technik hinter der Bühne – spannend

Spannende Einblicke hinter den Kulissen
Der Malersaal ist eine der Studiobühnen des Theaters – klein aber fein, erlebt man die Schauspieler hier sehr intim beim Spiel. Der Malersaal wird gerade umgebaut nach einem Modell, welches ich zufälligerweise entdecke. Stefan Hartung erzählt, dass trotz moderner Software, die Bühnenmeister zur Visualisierung immer noch gerne Modelle bauen.

Nachbau des Malersaals

Der Malersaal als Modell

Das Celler Schlosstheater möchte auch Kinder und Jugendliche erreichen und stellt die Turmbühne als Spielstätte für Projekte zur Verfügung.

Die Turmbühne

Stefan Hartung erklärt die Funktion der Turmbühne

Hier ist es – das barocke Celler Schlosstheater in seiner ganzen Schönheit – befreit vom 30iger-Jahre Plüsch. Vor gut 4 Jahren erfuhr das Schlosstheater einen intensiven Umbau, der nicht jedem Abonnenten des Theaters schmeckte. Weg von Logenplätzen und roten Plüschsitzen, hin zu blauen Sitzen und lichtdurchfluteten Rängen.

Das neue Celler Schlosstheater

Hauptbühne des Celler Schlosstheaters

Stefan Hartung erzählt uns von den verschiedenen Umbauphasen. Danach zeigte er uns die Räumlichkeiten, wo all die Technik des Theaters aufbewahrt wird.

Erklärung der Umbauzeit

Die Bilder von der Umbauphase findet man im Theatercafé

Zum Abschluss der Führung „durften“ Sarah und ich in die Garderoben der Künstler blicken. Alles ist für „Viel Lärm um Nichts“ vorbereitet. Es ist kurz vor der Aufführung – das Stück findet nicht nur auf der Bühne im Schlossinnenhof statt, auch aus den Fenstern heraus wird gespielt. Stefan Hartung zeigt uns die Kostüme, die dafür bereit liegen. Wir stoßen auf Lichttechniker, die Scheinwerfer an den Fenstern prüfen, fleißige Helferlein, die die Schauspieler im Hintergrund unterstützen, den Chefdramaturgen im intensiven Gespräch mit einem Schauspieler, – ich merke, wie bei mir die Spannung steigt und frage mich, wie alle um mich herum so gelassen bleiben können. Ob das einzig an dem Ablaufplan, den Stefan Hartung täglich erstellt, liegt? Für Sarah und mich geht es jetzt los – das Stück beginnt.

Technik in den Schlossgängen

Keine Schlossgeister – aber Scheinwerfer

Sarah erlebt Theater wie eine Daily Soap und erzählt:
Meine Erwartungen an das Schlosstheater und somit auch an das Stück waren sehr hoch angesetzt. Habe ich doch in meiner Schulzeit einmal ein Jahr lang als Praktikantin hier gearbeitet, kenne die Leute und auch das Geschehen. Dachte, dass sich da doch nicht viel verändert haben kann und dann: Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt! Hallo Schlosstheater – da bin ich wieder!
Es ist kurz vor Vorstellungsbeginn und ein kleiner Teil des Publikums sitzt erwartungsfroh auf den Plätzen, während der große Teil sich noch vor der Bühne befindet. Und dann merke ich es, der Musiker: „Typ Rockabilly aus den 50igern“, der gehört zum Ensemble. Er hört auf zu musizieren und andere Schauspieler, die vorher munter mit den Leuten plauderten, fangen an zu spielen. Das hatte schon was von einem Flash Mob.
Und dann kamen sie: Don Pedro, Claudio und Benedikt fahren wie gefeierte Superstars im dicken Auto in den Schlossinnenhof ein, begleitet vom Queenstück „We will rock you“. Der Bösewicht des Stückes: Don Juan, hier Don John, entsteigt dem Kofferraum. Wie es sich für Superstars gehört, verteilen die Herren das eine oder andere Küsschen auf die Wange der Fans. Das Publikum tobt und obwohl man eigentlich weiß, dass man sich gerade in einem Theaterstück befindet, brechen die Leute um mich herum in ein wahrhaftes „Groupietum“ aus. Ich bin mir sicher, die Dame neben mir, war kurz davor nach einem Autogramm zu fragen…Wahnsinn!
Die Begeisterung stand auch mir sichtlich ins Gesicht geschrieben und ich war froh, als uns die Schauspieler nach diesem fulminanten Start auf unsere Sitzplätze entließen und es auf der Bühne weiterging – erst einmal durchatmen.

Küsschen für das Publikum

Küsschen für das Publikum

Zum Inhalt des Stückes, der für mich, aus der Generation „GZSZ“ kommend, schon einer Dailysoap gleicht:
Auf dem Rückweg von einem ihrer Kriegszüge besuchen Don Pedro, Claudio und Benedikt den Gouverneur von Messina, Leonato. Während die Begegnungen zwischen Benedikt und Leonatos zickiger Nichte Beatrice in einen wahren „Kampf der Geschlechter“ ausarten – sie können sich ihre gegenseitige Liebe einfach nicht eingestehen – hält Claudio um die Hand der Gouverneurstochter Hero an, die natürlich auch gleich „JA“ sagt und die Hochzeit noch in derselben Woche vollziehen will. Natürlich gibt es auch bei „Viel Lärm um nichts“ auch einen Fiesling. Diese Rolle übernimmt Don Pedros Halbbruder Don Juan, denn der ist eifersüchtig über Claudios Glück und verhindert kurzerhand durch eine wirklich miese Intrige die Hochzeit von Hero und Claudio.

Aufführung Viel Lärm um Nichts

Ich habe viel gelacht, die Dialoge waren spritzig und die Schauspieler voller Spielfreude. Es wurde gesungen, getanzt und zwischendurch ging der eine oder andere Schauspieler auch mal baden. Wirklich klasse.

Schauspieler gehen auch mal baden

Schauspieler gehen auch mal baden

Wer Lust und Appetit auf eine Führung durch die Theaterräume im Schloss bekommen hat, kann eine Führung bei Stefan Hartung unter 05141/90508-19 buchen.

Restkarten für das Sommertheater gibt es  noch an der Abendkasse, das Stück läuft noch bis einschließlich 30.08.2015 www.schlosstheater-celle.de

4 Kommentare

  1. Das Sommertheater des Schlosstheaters war sensationell. Selten so ein schönes und lustiges Stück erlebt, wo man spürt wie viel Spaß auch die Schauspieler daran haben. Nächstes Jahr ist wieder Sommertheater mit dem Stück „Caroline Mathilde – Eine königliche Affäre“. Bin jetzt schon total gespannt!

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  2. Toller Veranstaltungsort und super Inszenierung.
    Vielen Dank für die Einblicke „hinter die Kulissen“!

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