Insider-Tipps für Reisen und Ausflüge in Niedersachsen

Anlegen und Träumen – maritimes Erleben in Wilhelmshaven

Autor: Luisa Wiesner

Was haben Ostia – die Stadt im alten Rom, Agadir in Mexiko, Venedig, Rijeka und Hamburg mit unserer schönen norddeutschen Stadt Wilhelmshaven wohl gemeinsam? Sie alle haben wunderschöne Häfen und können die Leute wie mich, deren Herz bei dem Geräusch von Wellen und Möwengeschrei höher schlägt, nicht nur begeistern, sondern auch zur Ruhe kommen und die Seele baumeln lassen. Man muss gar nicht immer so weit wegfahren, um ein bisschen Urlaubsfeeling zu bekommen – es reicht manchmal schon aus, sich mit einer Decke und einem Picknickkorb auf den Drahtesel zu schwingen und ein paar Runden durch Wilhelmshaven zu drehen.

Jadebusen

Blick vom Südstrand auf den Jadebusen in Richtung Mole. © Luisa Wiesner

Frischluft, Freiheit, Fahrrad…

Zuerst führt mich mein Weg zum Großen Hafen, welcher am Südstrand gelegen ist – die Touristenmeile Nummer 1 in unserer ca. 80.000 großen Einwohner-Stadt. Während ich auf dem Weg aus Richtung des Banter Sees immer näher komme, erblicke ich schon das Wahrzeichen der Stadt, die blaue Kaiser-Wilhelm-Brücke, direkt dahinter die Marineschiffe vom Marinemuseum. Doch zunächst ist der Blick vor der Brücke entscheidend. Hier haben jede Menge große Dampfer Platz zum Anlegen. Die Masten ragen in die Höhe und die Segelschiffe lassen einen davon träumen, wie es wohl wäre, auf ruhiger See mit den Seglern an Deck zu sitzen und idyllisch auf dem Meer herum zu dümpeln.

Auch von Nahem machen die Segelschiffe einiges her © Wilhelmshaven Touristik & Freizeit GmbH

Auch von Nahem machen die Segelschiffe einiges her © Wilhelmshaven Touristik & Freizeit GmbH

Frisch und Fisch

Ich trete weiter in die Pedale. Der Weg führt mich nun zum Helgolandkai. Ich ziehe meine Jacke etwas über mein Gesicht, denn hier zeigt sich zum ersten Mal, wie gewaltig und kraftvoll das Meer auch sein kann. Währenddessen der Wind durch mein Gesicht weht und meine Haare nach hinten gepeitscht werden, brechen die Wellen gegen die Spundwand und bilden danach einen weißen Schaum, der sich über das wellige Wasser legt. Ich frage mich, wie es die auf dem Wasser schwimmenden Vögel wohl schaffen, nicht von den Wellen hinunter gerissen zu werden.

Hinter mir liegen das Marinemuseum, das UNESCO Wattenmeer-Besucherzentrum und das Aquarium, dessen Bewohner wohl die See draußen hören können und sich somit, zumindest durch die Geräuschkulisse der Wellen, an ihre natürliche Umgebung erinnert fühlen. Direkt am Wangeroogkai ist für einige Monate im Jahr ein kleiner Imbiss aufgebaut, wo man frischen Fisch heiß serviert bekommt. Das passt super zur salzigen Luft, die man hier durch den Wind noch deutlicher riecht, als an den anderen Orten zuvor.

Südstrand mit Aquarium

Blick vom Wangeroogkai auf den Südstrand. © Luisa Wiesner

Weiter gelange ich  zum Nassauhafen, welcher im Jahr 1880 entstanden ist. Der Name des Hafens rührt daher, dass das erste Linienschiff, welches die Nassau Brücke im Jahr 1919 nutze, auf den Namen S.M.S. Nassau getauft war, wonach zuerst die Brücke und anschließend auch der kleine Hafen getauft wurden. Im ansässigen Seglerheim kann man Getränke und Speisen zu sich nehmen und den Blick auf die kleinen Segelboote genießen, welche direkt am Ufer liegen. Ich verweile noch kurz bei einer heißen Tasse Tee und schaue den Seglern und dem Treiben am Hafen einen Moment zu, bevor ich mich wieder auf mein Fahrrad setze, um meine Tour fortzusetzen.

 

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Segelschiffe am Nassauhafen. © Barbara Groneick

Kaiser-Wilhelm-Brücke_5990

Das Wahrzeichen – die Kaiser-Wilhelm-Brücke. © Luisa Wiesner

Gut Ding will Weile haben

Nach einigen kräftigen Tritten ins Pedal passiere ich die Kaiser-Wilhelm-Brücke und fahre auf die Jachmannbrücke. Von dort hat man einen guten Blick ins Marinearsenal mit seinen Schiffen. Während der Saison kann man mittwochs den „Tag der offenen Tür“ besuchen und das Gelände erkunden. Nun geht es weiter zu meinem vorletzten Ausflugsort. So langsam setzt bei mir der Appetit ein und ich nehme mir vor, an meinem nächsten Standort eine Pause mit Picknick einzulegen. Ich erreiche nun den idyllisch gelegene Rüstersieler Hafen. Es ist früher Abend und ich kann beobachten, wie die Bootsbesitzer ihr Essen an Deck genießen. Ich suche mir einen Platz auf dem angrenzenden Deich, breite meine Decke aus und verspeise mein mitgebrachtes Essen, während ich die romantische Landschaft mit all seinen Farben und Geräuschen genieße.

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Rüstersieler Hafen – Hier kann man die Seele baumeln lassen. © Barbara Groneick

Nachdem ich meine Pause beendet habe, fahre ich mit meinem Rad zu meinem letzten Ausflugspunkt an diesem Tag, dem JadeWeserPort. Nach einigen Anlaufschwierigkeiten ist der im Sept. 2012 in Betrieb genommene Tiefwasserhafen zu einem wichtigen Hafen an der Nordsee geworden. Durch seine Tiefe, seine Breite und vor allem seine Unabhängigkeit von der Tide ist er auch der einzige Seehafen, der ohne Probleme die neu erbauten Großschiffe für Transporte aufnehmen kann. Ca. 18.000 Container finden an Land Platz und besonders die überaus guten Verkehrsanbindungen erleichtern den Weitertransport der Waren auch über die Grenzen von Deutschland hinaus.

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Die imposanten Containerbrücken vom JadeWeserPort. © Barbara Groneick

Regionen und Länder in Russland, das Baltikum, Skandinavien, zentral Europa, Großbritannien und seit Neuestem auch China werden von Wilhelmshaven aus beliefert und machen die Hafenstadt zu einem wichtigen Knotenpunkt für Händler und Lieferanten. Aber auch touristisch hat der Anlegehafen einiges für die Region bewirkt.

JadeWeserPort-InfoCenter Besucherzentrum

JadeWeserPort-InfoCenter. © Luisa Wiesner

Auf dem Gelände steht das JadeWeserPort-Infocenter. Hier kann sich der Besucher über die Geschichte des Hafens und seine Aufgabenbereiche informieren. Zusätzlich werden geführte Hafenbustouren angeboten, bei denen man das Gelände erkunden und mit etwas Glück die großen Containerschiffe bestaunen kann. Die Sonne geht langsam unter und es sieht atemberaubend aus, wie sich die weichen Lichtstrahlen über das Wasser legen und vor ihnen die großen, hohen, roten Kräne wie Wächter über dem Hafen stehen.

 

Mit dem Strom schwimmen…

Auf meinem Heimweg denke ich noch einmal über die ganzen Eindrücke, wie das maritime Gefühl und die nordische Kultur nach, die ich heute erleben und sehen durfte. Zu gerne würde ich das Ganze auch einmal aus einer anderen Perspektive erleben und zu der Crew eines Segelschiffes gehören, um die salzige Briese zu riechen und den Wind in meinen Haaren zu spüren. Hierzu gibt es eine tolle Gelegenheit während des JadeWeserPort–CUPs. Zum 15. Mal startet vom 1.-3. Oktober 2016 die älteste Traditionssegler-Regatta an der Nordsee. Hierbei haben interessierte Besucher die Möglichkeit in die spannende Welt der Traditionssegler hinein zu schnuppern.

Die Traditionssegler kämpfen bei der Regatta um den Sieg © Wilhelmshaven Touristik & Freizeit GmbH

Die Traditionssegler kämpfen bei der Regatta um den Sieg © Wilhelmshaven Touristik & Freizeit GmbH

Mein Tipp für euch: Tretet doch auch einmal in die Pedale, schnappt euch eure Familie und Freunde und radelt einmal gemütlich durch die idyllische Hafenstadt – oder lasst euch die Gelegenheit nicht entgehen und werdet zum Crewmitglied auf Zeit und lasst euch den Wind um die Nase wehen. Ahoi ihr Lieben und Mast- und Schotbruch!

2 Kommentare

  1. Wow der Artikel weckt direkt Lust auf eine Radtour durch Wilhelmshaven samt Picknickkorb 🙂

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  2. Seit den 80er Jahren hat Wilhelmshaven rund 20.000 seiner Einwohner verloren. Ich selbst lebte 3 Jahre in dieser schönen Stadt – und war froh, als ich wieder gehen durfte.

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